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Steroide senken Pneumonie-Risiko von Traumapatienten

Mittwoch, 23. März 2011

Nantes – Viele Traumapatienten entwickeln eine Nebennierenrindeninsuffizienz, die die Immunabwehr schwächt. Die Behandlung mit Hydrocortison hat in einer randomisierten Studie im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2011; 305: 1201-1209) die Pneumonierate deutlich gesenkt. Da ein Anstieg der Sterblichkeit nicht ausgeschlossen werden konnte, raten Editorialisten davor, die Ergebnisse schon jetzt in die klinische Praxis umzusetzen.

Die HYPOLYTE-Studie (für: Hydrocortisone Polytraumatise) wurde zwischen November 2006 und August 2009 an 7 Intensivstationen in Frankreich durchgeführt. Es nahmen insgesamt 150 Patienten mit einem schweren Polytrauma teil, bei denen die Notwendigkeit einer Beatmung absehbar war und bei denen eine Nebenniereninsuffizienz vorlag. Diese war definiert als ein basale Kortisolspiegel von weniger als 15 µg/dl oder eine Anstieg um weniger als 9 µg/dl nach einer Corticotrophin-Stimulation.

Die Behandlung bestand in einer kontinuierlichen intravenösen Infusion mit Hydrocortison (200 mg/die über 5 Tage, gefolgt von 100 mg am Tag 6 und 50 mg am Tag 7) oder Placebo. Die Behandlung wurde gestoppt, wenn die Patienten sich von der Nebenniereninsuffizienz erholt hatten.

Wie Antoine Roquilly von der Universität Nantes und Mitarbeiter mitteilen, entwickelten unter der Hydrocortison-Therapie 26 von 73 Patienten (35,6 Prozent) eine Pneumonie. Im Placebo-Arm waren es dagegen 39 von 76 Patienten (51,3 Prozent).

Auch die Beatmungsdauer konnte verkürzt werden (ventilator-freie Tage 16 vs. 12 Tage). Ein Abfall des Natriumspiegels, der bei 7 Patienten im Placebo-Arm auftrat, konnte durch die Hydrocortisongabe immer vermieden werden.

Die Studie wurde nach Einschätzung von Eileen Bulger und Joseph Cuschieri von der Universität Seattle sorgfältig durchgeführt. Dennoch raten die beiden Editorialisten derzeit von einer Umsetzung der Ergebnisse in die klinische Praxis ab (JAMA 2011; 305: 1242-1243).

Der Grund ist ein leichter Anstieg der Sterblichkeit: Im Hydrocortison-Arm starben 6 von 73 Patienten (8,2 Prozent), im Placebo-Arm waren es nur 4 von 76 Patienten (5,3 Prozent). Der Unterschied war zwar nicht signifikant. Die Editorialisten erinnern jedoch an frühere Studien, in denen die Sterblichkeit ebenfalls angestiegen war.

Das war in der Corticosteroid Randomization After Significant Head Injury oder CRASH-Studie der Fall, an der mehr als 10.000 Patienten mit traumatischen Hirnschädigungen teilgenommen hatten. Die Gabe von Methylprednisolon über 48 Stunden hatte die Sterblichkeit um 15 Prozent erhöht, ohne die Rate der Pneumonien zu senken (Lancet 2004; 364: 1321–1328).

Auch eine Studie des US-National Heart, Lung, and Blood Institute an 180 Patienten mit akutem Atemnotsyndrom (ARDS) hatte ein erhöhtes Sterberisiko unter einer Methylprednisolon-Therapie ergeben.

Es ließ die Therapie trotz einer Senkung der Pneumonierate als inakzeptabel erscheinen (NEJM 2006; 354: 1671–1684). Der nächste Schritt sollte nach Ansicht der Editorialisten in weiteren Studien bestehen, um jene Patienten zu ermitteln, die einen Vorteil von der Behandlung haben könnten. © rme/aerzteblatt.de

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