Heidelberg – Die Probleme kirchlicher Krankenhäuser, geeignete Mediziner und Managementführungskräfte zu gewinnen, werden sich nach Einschätzung von Gesundheitsökonomen weiter verschärfen.
Schon jetzt gebe es vielerorts dramatische Probleme bei der Gewinnung von Nachwuchskräften, so die Expertenanalyse von Wissenschaftlern und Verantwortlichen kirchlicher Kliniken, die sich nun erstmals an der Heidelberger Universität zu einem Symposium über Chancen und Herausforderungen für konfessionelle Krankenhäuser trafen.
Michael Fischer, der das Qualitätsmanagement des nordrhein-westfälischen katholischen Krankenhausträgers Franziskus Stiftung verantwortet, beschrieb, dass sich viele Berufseinsteiger nicht mehr auf die extrem fordernden Arbeitsbedingungen am Patientenbett einlassen wollten und eher in Pharmaindustrie oder anderen Unternehmen unterkämen.
Der auf das Gesundheitswesen spezialisierte Gummersbacher Unternehmensberater Martin von Hören wies auf den Zusammenhang der Personalsorgen mit der niedrigeren Vergütungshöhe in kirchlichen Krankenhäusern gegenüber vergleichbar großen Privatunternehmen. Sein Vorschlag lautete, künftig stärker auch auf variable Gehaltsanteile – an der Erreichung von Zielvorgaben geknüpfte Boni – zu setzen.
Skeptisch zeigte er sich gegenüber dem Einwand, dass weiche Faktoren wie ein besonders gutes Arbeitsklima oder bessere Kinderbetreuungsmöglichkeiten in kirchlichen Häusern geringere Verdienstmöglichkeiten ausgleichen könnten.
Deutlich machten die auf seiner Beratertätigkeit in mehreren Hundert Krankenhäusern basierenden Zahlen auch, dass Frauen gegenüber Männern enorme Gehaltsnachteile erfahren. Das gelte für alle Berufsgruppen.
Während beispielsweise ein männlicher Geschäftsführer eines Krankenhauses in Deutschland durchschnittlich 154.000 Euro Jahresgehalt verdiene, erhielten die (wenigen) Frauen in dieser Position lediglich 108.000 Euro.
Neue Studien des Freiburger Marketingforschers Dieter Tscheulin und des Mannheimer Ökonomen Bernd Helmig zeigten, dass kirchliche Kliniken vor allem durch ihren guten Ruf als besonders „warme“ und „fürsorgliche“ Häuser Wettbewerbsvorteile verbuchen können.
Defizite machten die Wissenschaftler allerdings bei weit verbreiteten Vorurteilen in Sachen Qualität und Modernität aus. „Hier sollten die konfessionellen Häuser in ihrer Öffentlichkeitsarbeit deutlich gegensteuern, auch mit dem klar zu belegenden Hinweis, dass es per se keine Qualitätsunterschiede zwischen konfessionellem und privat geführten Krankenhaus gibt“, so Tscheulin.
Angesichts des sich im Krankenhauswesen beschleunigenden Konzentrations- und Privatisierungsprozesses – Studien rechnen damit, dass die Klinikzahl in den nächsten zehn Jahren um bis zu 20 Prozent sinkt – wagte der Berliner Wirtschaftsprüfer und Gesundheitsökonom Volker Penter die Prognose, dass die konfessionellen Kliniken ihren Anteil am Gesundheitsmarkt auch in den nächsten Jahren behaupten werden können.
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Es ging ja in dem Artikel weniger darum, dass der betroffene Mitarbeiter des Lesens unkundig sei und daher nicht verstanden hat, dass er unterhalb anderer Tarife wird, sondern darum, dass scheinbar die konfessionnellen Träger so scheinheilig sind, dass sie vorgeben, keine Lösung für ihr Personalproblem zu kennen. Und da stünden eben Abkehr von der Scheinheiligkeit, Verzicht auf eine Extrawurst mit Kirchenprivileg und Anhebung des Lohnniveaus ganz oben auf der To do-Liste. Wenn sie das nicht verstehen wollen in unserer säkularen Zeit, müssen sie eben die Konsequenzen ziehen und wegen Personalmangel schliessen. Das ist dann Darwinismus in der Arbeitsmarktevolution....
In dem konfessionellen KKH (ich scheue den Ausdruck "christlich"), in dem ich 2 Jahre tätig wahr gehörte es eigentlich zum guten Ton, daß die Silberrücken ihren Spätherbst mit deutlich jüngeren Zweitfrauen, gerne auch Assistentinnen verbrachten. Ach ja, und die Bezahlung war prinzipiell eine Gehaltsstufe tiefer ggü TvÖD.
Hat vielleicht auch schon jemand darüber nachgedacht, dass man die Sonderstellung kirchlicher Arbeitgeber endlich abschaffen müsste? Wie bitte kann es denn ("christlich-jüdisches" Erbe hin oder her) sein, dass die Kirchen nach wie vor ein eigenes Arbeistrecht haben, welches rein theoretsich eine Scheidung während der Probezeit mit Rausschmiss belegen kann, trotz fachlicher und sozialer Kompetenz?
Vielleicht sollte man die „extrem fordernden Arbeitsbedingungen am Krankenbett“ etwas weniger extrem fordernd machen? Immerhin sind sie hausgemacht: zu viele Patienten pro Arzt, zu viel Bürokratie, zu viele Nacht- und Wochenenddienste, zu wenig Ruhezeit, zu viel... zu wenig... zu viel.. zu wenig... Jeder findet hier noch was zum Einsetzen.
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