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Gedächtnistraining nutzt Hirnplastizität bei Alzheimergefährdeten

Mittwoch, 30. März 2011

Montreal – Das menschliche Gehirn verliert zwischen dem 20. und 90. Lebensjahr fünf bis zehn Prozent seines Gewichts. Zwei ausgleichende Mechanismen wirken dabei dem Leistungsabbau entgegen: Sie werden mit den Begriffen „Plastizität“ und „Redundanz“ umrissen.

Wissenschaftler um Sylvie Belleville von dem Institut für Geriatrie der Universität in Montreal entdeckten, dass ältere Menschen mit einem erhöhten Risiko für eine Alzheimer-Erkrankung besonders von der Gehirnplastizität profitieren könnten. Sie veröffentlichten dazu eine Studie in der Fachzeitschrift Brain (doi:10.1093/brain/awr037).

Die Gehirnplastizität beschreibt die Fähigkeit des Gehirns, sich zu verändern und zu reorganisieren. Bislang dachte man, dass sich die Gehirnplastizität mit dem Alter vermindert. Die Studie der Forscher konnte nun jedoch zeigen, dass in den frühen Stadien der Alzheimer-Erkrankung noch keine Plastizitätsverminderung nachweisbar ist.

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Die Forscher untersuchten bislang allerdings erst 30 ältere Personen, davon 15 mit einem sogenannten mild cognitive impairment (MCI) und 15 gesunde Probanden. Sie nutzten die bildgebende Kernspintomographie, um die Gehirntätigkeit der Probanden sechs Wochen und eine Woche vor dem Gedächtnistraining und eine Woche nach dem Training zu analysieren.

Die Hypothese der Forscher war, dass ursprünglich an anderen Gehirnprozessen beteiligte Zellen durch ein einfaches Gedächtnistraining die Rolle von betroffenen Zellen übernehmen könnten.

Diese Hypothese konnten sie an ihrer Kleingruppe mithilfe von funktionalen Bildgebungsverfahren belegen. Außerdem zeigte sich ein Anstieg der richtigen Antworten bei Gedächtnistrainingseinheiten um 33 Prozent bei Personen mit MCI.

Vor dem Training zeigte sich eine Aktivierung von Gebieten, die normalerweise mit Gedächtnisprozessen zu tun haben. Bei den Personen mit MCI zeigten sich bei dieser Untersuchung verminderte Aktivitäten.

Nach dem Trainingsprogramm hingegen konnten die Forscher bei Personen mit MCI erhöhte Aktivitäten beobachten. Diese waren in Gebieten, die für das Gedächtnis ausschlaggebend sind, aber auch in anderen Regionen wie dem Sprachverarbeitungszentrum erkennbar.   

Diese Ergebnisse öffnen laut der Arbeitsgruppe neue Forschungswege, um den Plastizitätsabfall in späteren Stadien der Erkrankung in den betroffenen Gebieten mit pharmakologischen oder Lebensstilveränderungen zu verlangsamen oder sogar aufzuhalten. © hil/aerzteblatt.de

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