Medizin

Genetische Prädisposition erhöht Suizidgefährdung

Donnerstag, 7. April 2011

Baltimore – Ein Gebiet auf dem Chromosom 2 geht mit einem erhöhten Risiko einher, einen Selbstmord zu begehen. Diese Entdeckungen machten Wissenschaftler um Virginia Willour von dem Department of Psychiatry and Behavioral Sciences der John Hopkins University of Medicine.

Sie untersuchten in ihrer Studie die DNA von mehr als 6.000 Probanden mit einer bipolaren Störung und konnten so zeigen, dass genetische Risikofaktoren die Entscheidung zu einem Selbstmordversuch beeinflussen können. Die Wissenschaftler veröffentlichten ihre Ergebnisse in der Fachzeitschrift Molecular Psychiatry (doi: 10.1038/mp.2011.4).

Die Wissenschaftler der Johns Hopkins University vermuteten schon länger, dass der Unterschied zwischen dem reinen Selbstmordgedanken und dem letztendlichen Selbstmordversuch durch Gene beeinflusst wird. Insgesamt denken 47 Prozent der Personen mit einer bipolaren Störung an einen Selbstmord, wohingegen nur 25 Prozent tatsächlich einen Selbstmordversuch starten.

Willour und ihre Kollegen untersuchten die DNA-Proben von fast 2.700 Erwachsenen mit einer bipolaren Störung. 1.201 dieser Personen hatten bereits einen Selbstmordversuch begangen. So fanden die Forscher heraus, dass die Studienteilnehmer mit einer einzelnen Kopie einer genetischen Variante im Gebiet des Chromosoms 2, mit 1,4mal höherer Wahrscheinlichkeit einen Selbstmordversuch begingen, die Personen mit zwei Kopien fast dreimal so häufig.

Willour und ihre Kollegen wiederholten ihre Untersuchungen mit der DNA einer weiteren Probandengruppe. Diese umfasste die DNA von mehr als 3.000 Menschen mit einer bipolaren Störung.

Das Gebiet des Chromosoms 2 enthält vier Gene einschließlich des ACP1 Gens. Die Wissenschaftler entdeckten erhöhte Konzentrationen des ACP1 Proteins bei Personen, die bereits Selbstmord begangen hatten. Sie vermuten, dass dieses Protein denselben biologischen Pfad wie Lithium beeinflusst. Lithium ist ein Medikament, das selbstmörderisches Verhalten reduziert.

Willour schloss, dass ihre Studienergebnisse vielversprechend seien, weil sie Details über die Biologie von Selbstmordversuchen und eventuelle pharmakologische Ansatzpunkte biete. Es seien jedoch weitere Studien vonnöten, um die genauen biologischen Mechanismen zu bestimmen, durch die die genetischen Risikofaktoren für Selbstmordversuche zu selbstmörderischem Verhalten führten. © hil/aerzteblatt.de

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