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Bürgerversicherung: SPD will Arbeitgeber belasten

Montag, 11. April 2011

Berlin – Die SPD schlägt die Einführung einer Bürgerversicherung im Gesundheitswesen vor, die auch durch höhere Steuern auf Zinseinnahmen finanziert werden soll.

Auf lange Sicht sollten die Kosten des Gesundheitswesens zu je einem Drittel durch Arbeitgeber, Arbeitnehmer sowie einen Steuerzuschuss aufgebracht werden, sagte SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles am Montag vor Journalisten in Berlin.

Durch einen dynamisierten Steuerzuschuss sollen die Zuwendungen des Staates dem SPD-Konzept zufolge jährlich um rund 300 Millionen wachsen. Damit würde es allerdings Jahrzehnte dauern, bis ein Drittel der Kosten im Gesundheitswesen erreicht wird.

Kurzfristig sieht das SPD-Konzept eine Wiederherstellung der Parität von Arbeitgebern und Arbeitnehmern vor, was eine Entlastung der Beschäftigten um fünf Milliarden Euro mit sich bringen soll. Um die entsprechende Summe würden zugleich die Arbeitgeber zusätzlich belastet.

Das Konzept sieht die Umwandlung des heutigen Arbeitnehmerbeitrages in einen Bürgerbeitrag vor, den alle Bürger auf ihre Einkünfte aus selbstständiger und nichtselbstständiger Arbeit zahlen müssten.

Anders als etwa die Grünen will die SPD aber auf die Einnahmen aus Kapitalerträgen und Mieteinnahmen keinen Beitrag erheben und die Beitragsbemessungsgrenze beibehalten. Nach Ansicht der SPD würde dessen Erhöhung auch die Bezieher mittlerer Einkommen zu stark belasten.

Der Arbeitgeberbeitrag soll sich dem SPD-Konzept zufolge nicht mehr nach dem Gehalt des einzelnen Beschäftigten richten, sondern nach der gesamten Lohnsumme aller bürgerversicherten Beschäftigten in einem Unternehmen. Der Steuerzuschuss in der Bürgerversicherung soll jährlich um rund zwei Prozent steigen. Dafür soll die Zinsabgeltungssteuer erhöht werden. Wie hoch diese Anhebung ausfallen soll, ließ die SPD zunächst offen. Ein generelles Steuerkonzept wollen die Sozialdemokraten nach Ostern vorlegen. 

Das SPD-Konzept sieht nicht die sofortige Abschaffung der privaten Krankenversicherung vor. Wer dort bereits versichert ist, soll dies entweder bleiben oder in die neue Bürgerversicherung wechseln können. Neu Versicherte sollen allerdings in die Bürgerversicherung gehen müssen.

Der gesundheitspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Jens Spahn (CDU), kritisierte die Vorschläge der Sozialdemokraten. "Die SPD kassiert bei Steuerzahlern und Arbeitgebern ab, ohne dass sich irgendetwas verbessert", sagte Spahn der in Düsseldorf erscheinenden Rheinischen Post vom Montag. „Das ist alter Wein in neuen Schläuchen.” Aber immerhin werde die SPD "endlich mal konkret" mit den Plänen zur Bürgerversicherung.  

„Die SPD zeigt mit dem nun vorgelegten Konzept ihr wahres Gesicht”, erklärte auch die FDP-Gesundheitsexpertin Ulrike Flach. Das bisher unter dem wohlklingenden Deckmäntelchen Bürgerversicherung versteckte Vorhaben ist nichts anderes als Abzocke.

Der PKV-Verband protestierte scharf gegen die SPD-Pläne. Sie bedeuteten vor allem massive Steuer- und Beitragserhöhungen. „Geradezu fatal wäre die von der SPD geplante Sondersteuer auf Arbeitsplätze”, meinte Verbandschef Reinhold Schulte. Zudem werde das System der privaten Krankenversicherung „mutwillig zerstört”. © dapd/aerzteblatt.de

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Senbuddy
am Mittwoch, 13. April 2011, 19:36

Die SPD-Führung war im Rechnen schon immer schwach...

.. und dieses ist ein neuer Beweis dafür.

Herr Dr. Schaetzler, vielen Dank für Ihren Kommentar.

Es ist kein Wunder, dass sich diese Partei immer mehr in´s Abseits manövriert. Eine Volkspartei ist das jedenfalls nicht mehr, wenn man stets nur noch Klientelpolitik für "ganz links" und möglichst gegen alle Leistungsträger der Gesellschaft betreibt.

Viele Grüße
S.
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Mittwoch, 13. April 2011, 13:42

Die SPD dreht ratlos am GKV-Rad!

Als am 14. 12. 2010 SPD Generalsekretärin Andrea Nahles und der gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Prof. Dr. med. Karl Lauterbach, ein unausgegorenes Konzept einer Bürgerversicherung vollmundig verkündeten,

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/43900/SPD_will_steuerfinanzierte_Buergerversicherung.htm

konnte manchen eine desaströse Vorahnung beschleichen. Denn auf Nachfragen von Journalisten wollte man da die "durchgerechnete Fassung" der GKV-Alternative erst Anfang April 2011 präsentieren. Das sorgte schon damals für verwunderte Erheiterung.

Erfreulich nur, dass jetzt Herr Kollege Lauterbach als Facharzt für Gesundheitspolitik immerhin nach vier Monaten Wartezeit bereit war, einen seiner begehrten Sprechstundentermine zu vergeben. Doch was die SPD aktuell präsentiert, ist eine waghalsige Achterbahnfahrt, formal und inhaltlich:

1. Keine Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenze (BBG) in der GKV.
2. Keine Angleichung der Beitragssystematik der GKV an die der Rentenversicherung (RV).
3. Das heftig kritisierte Ende der paritätischen Finanzierung unter Schwarz-Gelb zu Lasten der GKV-Versicherten wird ersetzt durch ein fragwürdiges Ende der Parität zum Nachteil der Arbeitgeber.
4. Die nur die unteren Einkommensschichten maximal belastenden Zusatzbeiträge wurden wie die verfassungswidrige "Kopfpauschale" als Umverteilung von Unten nach Oben von der gesamten Opposition kritisiert.
5. Jetzt sollen laut SPD-Vorstellungen die Arbeitgeber einseitig die Verteilung von Oben nach Unten stemmen.
6. Es gibt beim Bundesverfassungsgericht nicht den Hauch einer Chance, das System der Privaten Krankenversicherung abzuschaffen, so lange das gesamte Beamtenbeihilferecht darauf aufbaut.
7. Wenn immer mehr Menschen von Mieteinkünften und Kapitalerträgen bzw. Einnahmen aus Beteiligungsgesellschaften leben, müssen diese wie alle sonstigen Einkommensarten anteilig berücksichtigt werden.

Es bleibt bei einem chaotischen Mix aus Bürgerversicherung mit je einem Drittel Arbeitgeber-, Arbeitnehmer- und Steuerfinanzierungsanteil. Zu dumm, dass schon im Grundansatz die Parität nicht stimmt, da (O-Ton Frau Nahles) "der Arbeitgeberanteil von der g e s a m t e n Lohnsumme a l l e r bürgerversicherten Beschäftigten in einem Unternehmen" o h n e Beitragsbemessungsgrenze entrichtet werden soll. Viele High-Tech-Firmen mit Durchschnittsgehältern ü b e r der BBG zahlen dann wesentlich mehr als 1/3.

SPD-Super ist auch die Idee, den Steuerzuschuss von aktuell 15,3 Mrd. Euro jährlich um 300 Millionen zu erhöhen. Das GKV-Gesamtvolumen beträgt ca. 180 Milliarden Euro. Ein Drittel davon, das können auch Nahles und Lauterbach berechnen, sind 60 Milliarden. Wie viel Jahre wird es wohl dauern, wenn mit jährlichen 300 Millionen-Schritten von 15,3 Mrd. auf 60 Mrd. Euro aufgefüllt wurde? Also bei jährlichen 300 Millionen-Schritten wird das exakt 149 (in Worten: einhundertneunundvierzig) Jahre dauern.

Selten so gelacht! Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

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