Ausland

Ärzte empfehlen Fukushima-Arbeitern die Aufbewahrung von Stammzellen

Freitag, 15. April 2011

London – Japanische Ärzte haben dazu aufgerufen, an die Gesundheit der Arbeiter im Atomkraftwerk Fukushima zu denken und ihnen Stammzellen für eine mögliche Krebsbehandlung zu entnehmen. Es werde Jahre dauern, die bei dem verheerenden Erdbeben vor einem Monat beschädigten Atomreaktoren stillzulegen, erklärten fünf Ärzte von verschiedenen japanischen Kliniken in einem heute veröffentlichten Beitrag im britischen Fachblatt The Lancet. „Die Gefahr, dass sie versehentlich radioaktiver Strahlung ausgesetzt sind, wird sich für die Atomarbeiter folglich erhöhen.“

Deshalb sollten sogenannte periphere Stammzellen (PBSC) aus ihrem Blut entnommen und aufbewahrt werden, mahnten die Krebsspezialisten. Sollten die Arbeiter an Krebs erkranken und eine Strahlentherapie benötigen, könnten ihnen nach der Behandlung ihre eigenen Stammzellen eingesetzt werden, damit wieder neue Zellen entstehen, erklärten die Mediziner um Tetsuya Tanimoto von der Japanischen Stiftung für Krebsforschung in Tokio.

Bislang lasse die japanische Atombranche diese Möglichkeit ungenutzt, weil sie fürchte, dass es ihrem Ansehen schaden könne, kritisierten die Ärzte. "Der wichtigste Auftrag besteht darin, das Leben der Atomarbeiter zu retten und die örtlichen Gemeinschaften zu schützen." © afp/aerzteblatt.de

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dr.med.thomas.g.schaetzler
am Sonntag, 17. April 2011, 20:10

Zynismus oder Ablenkungsmanöver?

Auch wenn fünf Ärzte von verschiedenen japanischen Kliniken in einem aktuellen Beitrag im britischen Fachblatt The Lancet dazu aufrufen, an die Gesundheit der Arbeiter im Atomkraftwerk Fukushima zu denken und ihnen Stammzellen für eine mögliche Krebsbehandlung zu entnehmen, die Behandlungsmöglichkeiten sind nach wie vor äußerst beschränkt.

Nach den Vorstellungen der japanischen Krebsspezialisten sollen periphere Stammzellen (PBSC) aus dem Blut der Betroffenen entnommen und aufbewahrt werden. Sollten die Arbeiter an Krebs erkranken und eine Strahlentherapie benötigen, könnten ihnen nach der Behandlung ihre eigenen Stammzellen eingesetzt werden, damit wieder neue Zellen entstehen, erklärten die Mediziner um Tetsuya Tanimoto von der Japanischen Stiftung für Krebsforschung in Tokio.

Entweder ist das Zynismus oder ein Ablenkungsmanöver: Niemand kann bei der Fukushima-Katastrophe der Tschernobyl-Stufe 7 erwarten, dass die Arbeiter, die sich im Zentrum des Geschehens für Japan und die ganze Welt aufopfern, mit ihrer akuten Strahlenkrankheit noch genügend Lebenszeit haben werden, um an Krebs zu erkranken. Denn Eines ist sicher: Die Folgen der akuten Strahlenkrankheit nach äußerer Einwirkung und/oder Ingestion von radioaktiven Substanzen lassen sich nicht medizinisch beherrschen und heilen. Auch nach der Tschernobyl-Katastrophe hatte ein US-Team vergeblich versucht, einige Arbeiter durch Knochenmark-transplantationen zu retten (New England Journal of Medicine 1989; 321: 205–12).

Mf+kG Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

Quelle:Bone Marrow Transplantation after the Chernobyl Nuclear Accident: Robert Peter Gale et. al. N Engl J Med 1989; 321:205-212July 27, 1989
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