Klage wegen mangelhafter künstlicher Hüftgelenke
Montag, 18. April 2011
 |
| dpa |
Berlin – Auf rund 5.500 Patienten in Deutschland könnten Probleme mit ihrer künstlichen Hüfte zukommen. Wie der
Spiegel meldet, tragen sie Prothesen der Firma
De Puy, die das Unternehmen im September 2010 wegen mangelnder Haltbarkeit vom Markt genommen habe. Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) erwägt nun Konsequenzen.
Die Sicherheit der Patienten habe Priorität, erklärte ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums am Sonntag auf Anfrage. Das Ministerium fühle sich daher „in seiner Auffassung bestärkt, die Verfahren der Einführung von Medizinprodukten zu hinterfragen. Das schließt auch die Prüfung gesetzgeberischer Verbesserungen mit ein.“
Dem Spiegel zufolge hat der Berliner Anwalt Jörg Heynemann im Namen mehrerer Patienten Strafanzeige gegen den Hersteller De Puy gestellt, einer Tochter von Johnson & Johnson. Betroffen sein könnten bis zu 5.500 Menschen. Möglicherweise müssen sie sich erneut operieren lassen, weil die Prothesen vorzeitig kaputt gingen.
Die Firma habe das künstliche Hüftgelenk vom Markt genommen, nachdem in anderen Ländern ungewöhnlich viele Patienten Beschwerden gehabt hätten. Bei De Puy war am Wochenende zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.
In Deutschland wüssten viele Patienten noch nichts von drohenden Problemen, weil es kein zentrales Prothesenregister gebe, meldete das Magazin weiter. Die nordrhein-westfälische Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) wolle nun einen neuen Vorstoß für ein solches Register machen.
„Kein Zulassungsverfahren“
Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung forderte grundsätzliche Änderungen. „Es ist kaum zu glauben, aber in Deutschland gibt es für solche Medizinprodukte kein Zulassungsverfahren, wie es für Arzneimittel selbstverständlich ist“, kritisierte Verbandssprecher Florian Lanz. „Um die Patienten vor schlimmen Folgen zu schützen, fordern wir die Einführung von Innovationszentren.“
Neue Medizinprodukte dürften dann zunächst nur dort von Spezialisten und mit wissenschaftlicher Begleitung ausprobiert werden - und „nicht mehr von jedem Wald-und-Wiesen-Doktor“. Solche Zentren sollten aber allen Kassenpatienten offenstehen. © dapd/aerzteblatt.de
Leserkommentare
Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.