Bonn – Medikamente mit dem Wirkstoff Methylphenidat dürfen jetzt auch bei Erwachsenen eingesetzt werden, die an der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) leiden. Das hat das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) jetzt entschieden.
Die ADHS beginnt in der Regel im Kindesalter, sie besteht aber häufig bis ins Erwachsenenalter fort. Einer von zwanzig Erwachsenen soll unter den Folgen einer vermehrten Unaufmerksamkeit und Überaktivität beziehungsweise Impulsivität leiden.
Bislang war die Therapie bei Erwachsenen in Deutschland nur „off-label“ möglich, während die Altersgrenzen in den USA bereits 2008 aufgehoben wurden. Dem schließt sich jetzt auch das BfArM an. Vor wenigen Tagen stimmte es einer Indikationserweiterung auf Erwachsene bei einigen Methylphenidat-haltigen Arzneimitteln zu.
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"....wenn die ADHS bereits seit dem Kindesalter bestanden hat."
...das, liebe Kollegen, ist ein Eingangskriterium zur Diagnose eines ADHS. ADHS, das im (frühen) Erwachsenenalter beginnt, gibt es (definitionsgemäß) nicht.
@helferchen: Die Diagnosik von ADHS im Erwachsenenalter wird mittlerweile an vielen Universitätskliniken durchgeführt. (vermutlich auch an anderen) Diese ist sehr intensiv, also nicht: "Guten Tag ich kann mich nicht konzentrieren und hätte gerne einmal Methylphenidat."
Nebenbei bieten die Kliniken (auch für den Patienten kostenlos) Therapien an, wie z.B. Achtsamkeitstraining und Fertigkeitentraining.
Soweit ich weiß, würde Methylphenidat bei den meisten Menschen ohne ADHS aufpuschend wirken und ich glaube, dass kaum ein Mensch den ganzen Tag aufgepuscht herumlaufen möchte und somit wohl wenige Menschen einfach so Methylphenidat konsumieren würden...
In der Tat Hat sich das BfARM endlich zur Zulassung von Methylphenidat für Erwachsene durchgerungen. Als Kinder- und Jugendpsychiater ist damit endlich das Geeiere mit den Krankenkassen bei Patienten über 18 Jahren vorbei. Hier mußte nämlich die bis dahin gut laufende Therapie oft abgebrochen werden, weil die Kassen mit Verweis auf die Altersbeschränkung die Kosten für die Pharmakotherapie nicht mehr übernahmen. Dies hat dann erhebliche Folgen für die Betroffenen, die trotz Verhaltenstherapie und begleitendem Coaching ihre Störung nicht in den Griff bekamen. Ideologische Scheuklappen helfen den Betroffenen oft nix!
Jeder, der sich mal näher mit ADS im Erwachsenen-Alter befasst hat, weiß, dass es ohne eine Verhaltenstherapie o.ä. nicht geht. Aber manch einer wird erst durch Ritalin&Co in die Lage versetzt, die Verhaltenstherapie effektiv angehen zu können. Was er und seine Familie bis dahin mitgemacht hat, ist teilweise unbeschreiblich. Und wer die Methylphenidat-Therapie schon einmal versucht hat, der weiß auch, dass es das Zeug offiziell nur auf BTM-Rezept gibt und wie sorgfältig vorher auf Kontraindikationen wie erhöhtem Augendruck, Leberwerte u.ä. untersucht werden muss. Die beiden vorherigen Kommentgare sind eine Katastrophe! Die Testung an sich ist übrigens eine Kassenleistung. Und der Rahmen der Medikation innerhalb einer guten Therapie als unterstützendes Mittel ist in der Pressemitteilung des BfARM oben sehr gut beschrieben. Wer lesen kann, ist klar im Vorteil.
Endlich kann ich mich auch mit dem Zeug auf Rezept volldröhnen.
Toll jetzt fehlt nur noch ein bischen Kokain, Cannabis und ein paar weitere gute Sachen. Mir wäre nun doch auch wichtig, dass ich meine Flasche 1908 Rothschild in der Apotheke auf Kassenrezept kaufen kann.
Ist ja sehr schön, dass die Pharmaindustrie sich schon wieder die Hände reiben kann. Noch mehr Leute die Ritalin & co. schlucken dürfen! Rezept gibts beim Arzt und gut! Dass eine Verhaltenstherapie aber ebenso eine gute und auch nachhaltig wirksame Maßnahme sein kann, wird dann schnell vergessen. Warum auch? Wer sich eine Testung leisten kann (m.W. keine Kassenleistung!) kann sich jetzt hochoffiziell eine Pille einwerfen und schon funktioniert alles wieder gut/besser! Ich möchte gar nicht wissen wie viele unter AD(H)S als Erwachsene leiden und es gar nicht wissen aber weiter damit kämpfen und leiden.
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