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Krankenkassen wollen neue Arzt-Zulassungen befristen

Montag, 25. April 2011

Berlin – Deutschlands Ärzte sollen nach dem Willen der gesetzlichen Krankenkassen jahrzehntealte Privilegien verlieren, damit die medizinische Versorgung auf dem Land verbessert werden kann. Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen fordere, dass künftig Mediziner ihre Zulassung als Kassenarzt nicht mehr verkaufen oder vererben dürfen, berichtet die Berliner Zeitung am Samstag.

Stattdessen soll die Zulassung bei Aufgabe der Praxis verfallen. Auf diese Weise wollen die Kassen die Zahl der Ärzte in den Städten schrittweise abbauen.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hatte dagegen schon kürzlich darauf hingewisen, dass dies heute schon so sei: „Die Zulassung erlischt am Lebensende beziehungsweise mit dem Ende der vertragsärztlichen Tätigkeit. Ärzte erhalten sie vom Zulassungsausschuss von Kassenärztlichen Vereinigungen und Krankenkassen. Jeder Arzt muss seine Zulassung dort beantragen, auch wenn er eine Praxis übernehmen will.“

Darüber hinaus sei der Verkauf der Praxis für den Inhaber eine wesentliche Absicherung im Falle einer Berufsaufgabe. Dass der Arzt kontinuierlich in seine Praxis investiere, käme auch dem Patienten zugute, so die KBV.

Der GKV-Spitzenverband schlug zudem vor, den Medizinern, die sich in Gebieten mit einer hohen Arztdichte ansiedeln wollen, die Honorare zu kürzen. Ziel beider Maßnahmen ist, dass sich die Ärzte auch in weniger gut versorgten Regionen niederlassen, also beispielsweise in sozialen Brennpunkten oder auf dem Land.

„Alle Anstrengungen der schwarz-gelben Koalition, mehr Landärzte zu gewinnen, verpuffen völlig wirkungslos, wenn das Problem der Überversorgung nicht angegangen wird“, sagte der Vize-Chef des Spitzenverbands, Johann-Magnus von Stackelberg, der Zeitung. Ohne die vorgeschlagenen Änderungen werde das von Union und FDP auf den Weg gebrachte Versorgungsgesetz zudem zu höheren Ausgaben führen.

Die Änderungen sollen nur für die Ärzte gelten, die nach einer Gesetzesänderung eine Zulassung neu bekommen haben. „Wer heute bereits eine Zulassung hat, soll von der Neuregelung nicht betroffen sein. Wir wollen niemanden enteignen“, sagte Florian Lanz, Sprecher des GKV-Spitzenverbands. © dapd/mis/aerzteblatt.de

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MedGyver
am Mittwoch, 27. April 2011, 15:16

Entmachtet die KVen !

Hach, herrje, dass hier wieder die gleichen Leute in die gleiche Kerbe hauen müssen, war abzusehen.

Alle Kollegen, die ich kenne verdienen zu wenig und immer sind die anderen Schuld! Das Durchschnittsgehalt eines Niedergelassenen ist nun wirklich nicht von schlechten Eltern, vor allem dann nicht, wenn dazu noch die Einnahmen der Privaten kommen. In Diskussionen werden dann immer die Ärzte vorgeschoben, die weniger als 60k€ im Jahr haben. Andere erzählen mir dann wieder "wie soll ich denn von 100.000€ leben?".

Fakt ist, dass das KV System Schuld an der uneinheitlichen Verteilung ist und genau daran gilt es zu rütteln. Geld ist genug da, es wird nur falsch verteilt. Leider sitzen die Meistverdiener meist in den Positionen, dass sie solche Diskussionen schnell abblocken können.

Für die Gesellschaft ist unser Gejammer übrigens längst nicht mehr nachvollziehbar!

Daß wiederum immer die GKV Schuld sein soll, ist doch blanker Populismus! Natürlich wollen die sparen und ja, sie stecken sich auch viel Geld in die Taschen, aber wenn man sich nicht erst an die eigene Nase packt, sollte man sich nicht so weit aus dem Fenster lehnen.

Interessant finde ich es, dass die ganzen mehr oder weniger "informierten" Kollegen immer auf den GKV Zug aufspringen und mitschimpfen, wenn es darum geht, wirkliche Reformen durchzuboxen. Aber ich sehe mich hier auch auf dem verlorenen Posten. Vielleicht sollte ich auch "medizinisch gebotene Cremes" in meiner Praxis anbieten und mehr mit IGELn! Dann würde ich auch endlich mal so viel verdienen, wie die Ärzte, die meinen "Privat? Oh! Da müssen wir mal genaucher nachschauen, was sie wirklich haben!!". Leider ist das heute schon Standard und bei "Abzocke" denken hier viele gleich an viel Schlimmeres. Würde man alles zusammenziehen, läge die Abzocke vermutlich bei über 50%. Oder warum bekomme ich auch immer Gegenwind, wenn ich eine Aufstellung der abgerechneten Leistungen für den Patienten als Standard einfordere?

JEDER, der so eine Aufstellung für den Patienten nicht unterstützt, sollte nicht mit großen Worten um sich werfen. Dagegen gibt es nämlich kein einziges, glaubhaftes Argument.
Senbuddy
am Mittwoch, 27. April 2011, 13:33

Entmachtet die GKVen !

Herr Dr. Schätzler bringt es auf den Punkt:
Von den GKVen kommen nur noch Fantastereien !

Und die übertriebene Bürokratie (auch das ganze Bonusheft - Unwesen) dient vor allem der Ausweitung der GKV - eigenen Machtansprüche. Und zwar, um sich selbst immer weiter zu vergrößern.

Wiie der "Leviathan" nach Thomas Hobbes.

Irgendwann sind die GKVen dann genauso "systemrelevant" wie die Großbanken oder die großen Energiekonzerne....

Viele Grüße
S.

dr.med.thomas.g.schaetzler
am Mittwoch, 27. April 2011, 12:26

Wenn Zwei (Ärzte) sich streiten, freut sich der Dritte (GKV)

Erst mal ganz ruhig durchatmen und bis 10 zählen: Da fantasiert der
"Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen" von "jahrzehntealten Privilegien", von Praxissitzen als "Erbhöfen", von "Verkauf der Kassenzulassungen" und wird sogar von der KBV darauf hingewiesen, dass wir jetzt die Probleme des 21. Jahrhunderts und nicht die Privilegien des 20. haben.

Im ländlichen Raum und in Klein- bzw. Mittelstädten geben die Banken keine Kredite für Neugründungen und Praxisübernahmen. In sozialen Brennpunkten der Ballungszentren schon gar nicht. Doch eine Praxis kann nur mit neuen Investitionen aufgebaut werden, sie schafft Arbeitsplätze für MitarbeiterInnen und sichert Beschäftigung im Logistik- und Zuliefererbereich. Diese Investitionen müssen sich "rechnen" und über einen Verkauf amortisieren.

Dann fordern dieselben GKV-Kassen, die einmütig mit Spitzenverbands-Vize Johann-Magnus von Stackelberg im Präventivbereich ihre Versicherten mit Bonusheften zuschütten, die der 'Doc' dann gefälligst am Anmeldetresen kostenfrei auszufüllen hat, eine "Zulassung auf Zeit"? Während die Versicherten einen Präventivbonus bekommen, der einem ganzen Jahres-Regelleistungs-volumen (RLV) entspricht, schaut sein Hausarzt bei sinkendem Punktwert, unsicherem RLV und nach oben offener Inanspruchnahmementalität in die Röhre?

"Neue, befristete Arzt-Zulassungen auf Zeit"? Das ist doch der Gipfel! Warum nicht konsequent vertragsärztliche Tätigkeit gleich nur noch mit Zeit- und Leiharbeitsverträgen regeln?? Die niedergelassenen Ärzte sind doch eh' gewohnt, etwa ein Drittel ihrer Leistungen bevorzugt zum Quartalsende für "lau" zu erbringen, weil der Fallwert nicht der geleisteten Arbeit am und mit den Patienten entspricht. "Leihmutter" für diese Art von ärztlicher Leiharbeit wäre dann der GKV-Spitzenverband, "Leihväter" wären die einzelnen KVen? Das war doch nicht etwa Alles vom GKV-Spitzenverband?

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

Businesspaar
am Mittwoch, 27. April 2011, 10:19

Respekt @ MedGyver

...so ist es!!! So und nicht anders!!! Eine Zahl kann man aber in Zweifel ziehen.

Es dürften mehr als 30 % Abzockerkollegen sein, deutlich mehr sogar ...

Mal sehen, wie lange Herr Rösler das durchhält.
nogga
am Mittwoch, 27. April 2011, 08:37

@MedGyver Mein Senf

Es gibt immer noch Leute, die dem Hausarzt Porsche- und Mercedesmentalität unterstellen. Wenn es dann noch aus den eigenen Reihen kommt, ist das nicht nur als Nestbeschmutzung sondern auch als Duemmlichkeit trotz anzunehmender akademischer Bildung zu bewerten. Ich habe in meinem frueheren Leben einen Lada gefahren, der zuverlässig wie eine Kalaschnikow funktioniert hat ohne aufschreckendes Gepiepe aus dem Bordcomputer. Meine Wertigkeit wird auch heute noch nicht nach dem Auto beurteilt.
Senbuddy
am Dienstag, 26. April 2011, 19:17

Die GKVen sollten objektiver bleiben....

Ein niedergelassenrer Arzt ist Unternehmer, der seinen Kundenstamm betreut. Den Wert dessen nennt man auch außerhalb der Medizinbranche den "Goodwill". Dieser ist ein wesentlicher Teil des Unternehmenswertes. Der Goodwill ist unabhängig vom Material- und Gerätewert einer Praxis oder eines Unternehmens und sollte nicht damit verwechselt werden.

Wenn man einem Unternehmensnachfolger per Gesetz die Möglichkeit nimmt, den Goodwill zu nutzen, wird dieser wertlos. Teure und schwer umzuziehende Geräte (z.B. bei Radiologen) verlieren dann wegen des notwendigen Umzuges zusätzlich an Wert und der bisherige Unternehmer wird damit großenteils enteignet.

Das ist die auch nur noch mühsam versteckte Absicht der Planwirtschaftler der GKVen.

Ein Angreifen z.B. von Radiologen (denen "ja keiner verbietet, Ihre Geräte zu verkaufen") geht dabei völlig am Thema vorbei. Denn gerade geräteintensiv arbeitende Unternehmer müssen für hohe Investitionen große finanzielle Risiken eingehen. Das geht so weit, dass z.B. die meisten Banken eine radiologische Niederlassung gar nicht erst begleiten.

Und der GKV-Verband wettert systematisch gegen die Selbständigen der Medizin-Branche. Die GKVen entwickeln dabei immer mehr "Selbststeuerungs-" und "Totalisierungstendenzen". Das ist ein typisches Merkmal von ausufernden Verwaltungen, vor allem in totalitären Regimen.

Zu große Verwaltungen nutzen dann ab einer gewissen Größe ihre bürokratische Macht für immer mehr und mehr Macht. Und die Steuerungsmöglichkeiten durch parlamentarische Legitimation oder ausführende Politiker werden immer geringer. Die einseitige politischer Einflußnahme wird immer stärker.

Wir sollten auch außerhalb der Ärzteschaft nicht vergessen, dass es sich bei GKVen lediglich um Körperschaften des öffentlichen Rechtes handelt, die nur zur staatlichen Verwaltung und nicht zur "gewählten politischen Kaste" gehören. GKVen sollten also politisch neutral sein. Davon haben sich die deutschen GKVen jedoch schon lange gelöst und jegliche politische Objektivität vollkommen abgelegt.

Viele Grüße
S.
harlekin2000
am Dienstag, 26. April 2011, 16:20

@MedGyver: Sie dürfen sich als Prof. Lauterbach outen.

Denn der verzapft in der gleichen ( langen) Zeit den gleichen Mist!!!
orthodoc2000
am Dienstag, 26. April 2011, 14:21

Nur ein engagierter Arzt wird wirtschaftlich überleben

Liebe Kollegen/Innen,
nach BWL und Medizinstudium kann ich nicht umhin, bei manchen Kollegen ein Sozialarbeiter- / Gewerkschafts-Bewusstsein zu vermuten.
Studierte haben eigentlich irgendwann spätestens bei Selbstständiger Tätigkeit eine Hang zum "Homo oeconomicus". (Sic!)
Für den Einen ist der Gewinn mehr materiell, für andere mehr geistiger Natur. ....jedem das Seine.
Als Global tätiger deutscher Arzt, Forscher, Leistungserbringer, Operateur, Berater, Mittelständler, Freiberuflicher Unternehmer und Innovativer Arbeitgeber stellt sich die Frage, welche dieser vorgenannten Tätigkeiten in Deutschland unter den aktuellen Vergütungs- UND !!! Steuerrechtlichen/ Arbeitsrechtlichen Bedingungen zuerst aufgegeben werden muss, oder ob ich mir vielmehr eine andere Volkswirtschaft suche, um meine Betriebswirtschaft zu retten.

Die Versorgung der Bevölkerung als Volkswirtschaftlich-Politische Aufgabe ist in Europa verschiedenartig den Ärzten auferlegt worden. Daher ist die allzeitige politische Einmischung nur zu gut zu verstehen.
Allerdings sollte man dann allen klar machen, wer mit welcher Finanzierung was für Leistungen erbringen soll...

Arbeit bei Ärzten ohne Grenzen z.B. ist bereits eine sehr gute, befriedigende Tätigkeit die das soziale Gewissen und die persönlichen Bedürfnisse jedes "Helfers" gut befriedigt.
Dazu braucht es nicht die tägliche Vollkasko Mentalität in der GKV, welches vielstimmig die Patienten in jeder Sprechstunde entgegnen und das "wir zahlen alles, was der Arzt verschreibt" Gebet der Kassenmitarbeiter...
Wenn die Kollegen so vergütet würden wie in Irland, England, Norwegen und vor allem in Moskau, Singapur, Indien und anderswo wo erfoglreich eine Unternehmerschaft aufgebaut werden kann, würde keine Stimme laut werden.
Solange aber der Finanzielle Lohn meiner Tätigkeit zu 50% dem Staat anheim fällt, das nötige Kapital von MIR aufgebracht und besichert werden muss, wenn ich dazu den Großteil meiner Freizeit mit QM, Fortbildung und Kodierrichtlinien Lernen verbringe, darf sich keiner wundern wenn mein sich mein geistiges Engagement in Zukunft gegen Null nähert.
Freilich, dies ist keine Rede gegen zufriedene Ärzte in ihrem Alltagsleben. Genauso sollte kein Neid aufkommen, dass "Abzocker" Kollegen in ihrem "medizinischen Evidenz Universum" nach anderen Lösungen suchen.
Aber ein Ziel, so vermessen es sein mag, sollte sein: "Spass muss es machen", es soll kein "Job" sein.
Auch wenn`s nicht "deutsch" ist, ich möchte in meinem Beruf und meinem Leben "gerne Spass" haben. Alles was dies verhindert, gilt es bei Konsequenz zu vermeiden oder auszuschalten.
Auch wenn das eine Auswanderung bedeuten mag, denn gegenwärtig macht es in D keinen Spass, als Arzt freiberuflich unter der GKV zu arbeiten....
MedGyver
am Dienstag, 26. April 2011, 12:23

Als spezielle Antwort

@harlekin2000:

Goodbye, harlekin! So arbeitet schließlich niemand gern. Neulich hab ich gehört, dass der Landarzt seinen 3. Mercedes tatsächlich verkaufen mußte. In was für einer grausamen Welt leben wir denn? Alle sollten nach Skandinavien gehen!! ... Oh! Von da kommen viele wieder? Gibts ja nicht! Dann vielleicht nach Utopia. Da fühlt man sich als Mediziner besonders wohl.


@frusti:

> 1.) ohne die "geldgeilen Radiologen" hätte heute noch so manches
> Kreiskrankenhaus kein CT

Richtig! Jedes Kreiskrankenhaus solle ein CT haben! Diagnostisch bringt es einen zwar in den seltensten Fällen weiter, aber man hat ein Bild, auf dem man etwas zeigen könnte. Außerdem freuen sich die Patienten doch, wenn sie in der "Röhre" liegen.

argument missing!

> 2.) Freiberufler: Ja, es gibt auch Glaser, Tischler,
> praktische und Kinderärzte in der Grundversorgung, die ihre Praxen /
> Klitschen/ Frimelbuden nicht loskriegen. Das ist der Markt Aber es
> von Anbeginn an verbieten?

Wer verbietet Ihnen, Ihre Praxis zu verkaufen?? Haben Sie den Artikel überhaupt verstanden??

Argument completely missing!

> 3) Wochenenddienste im ländlichen Raum? Da greift halt auch die
> Marktwirtschaft: aber eben anders als Sie wollen: die Leute fahren 30
> km zum Supermarktz - kein Tante Emma Laden mehr, weil es sich nicht
> lohnt. Und genauso mit den Docs: lohnt sich nicht, okay, kein Doc im
> ländlichen Raum.

Marktwirtschaft? In der Medizin? In welchem Gedankenkonstrukt leben Sie, Herr Kollege?? Systembedingtes Oligopol würde ich mal sagen. Ich finde das nicht schlecht, weil ich mich voll und ganz auf meine Patienten einlassen kann. Wer sich aber primär erst einmal voll"IGEL"t und an seine Geldbörse denkt, kann den Hals wohl nicht voll bekommen und meckert natürlich besser mal prophylaktisch. Bei einem Durschschnittsverdienst von ~100.000€ (allein aus Kassenpatienten!) fühle ich mich in meinem Job gut aufgehoben. Dass manche Kollegen nur 40.000€ machen und andere 500.000€ ist unfair? Richtig! Da habe ich mit der KV schon häufig drüber gestritten. Die sagt "Ihre Kollengen wollen das so!".

Dennoch: Ihr Beispiel zeigt klar Ihre Intention: Wenn der große Supermarkt Geld hortet, dann soll das der Arzt auch.

> 4) ich gehöre zun Absolventenjahrgängen der
> Ärzteschwemme: über mein Gahalt als AiP haben sich damals alle
> schlapp gelacht - einschließlich einfacher strukturierter Patienten.
> Natürlich sind Patienten dankbar, wenn Sie nicht 30 km fahren müssen.
> Nur leider kann ich nur damit weder die Miete noch den
> Supermarkteinkauf bezahlen. Und ich bin "born with a plastic spoon in
> the mouth", muss also alles selbst erarbeiten.

Entschuldigen Sie, Herr Kollege. Verraten Sie uns doch bitte, was sie aktuell verdienen! Natürlich war das AiP nicht schön, aber man konnte davon leben. Dafür wurde man nachträglich entschädigt. Heute wird man sofort "nachträglich" entschädigt und trotzdem Jammern alle. Mir ist es schon peinlich, wenn ich auf die Ärzteproteste angesprochen werde. "Stimmt es wirklich, dass ihr so wenig verdient und schon keine Patienten mehr behandeln könnt?".

> Und ich will ja nix Unverschämtes: entweder Freiberufler mit allen
> Risiken (und offensichtlich stimmt das Gesamtkonstrukt eher in der
> mit vielen Ärzten kompetiven Stadt als auf dem Land) oder angestellt
> mit 40h/Woche plusminus optout nach TV MB . Aber davor graut es den
> Kassen wie dem Teufel vor dem Weihwasser (die Kliniksmanager haben
> es durch...) kein Extraprofit aus dem "ärztlichen Ethos" für
> irgendwelche Kliniksfritzen oder Kassen. Die Zahl meiner bisherigen
> unbezahlten Überstunden und unterbezahlten Notarztdienste sichern mir
> den Fensterplatz im Himmel schon jetzt.

Wissen Sie, ich KANN es nicht mehr hören! Gute Ärzte haben berechtigt Angst vor der freien Marktwirtschaft, weil die 30% Abzockerkollegen sich den Hals noch mehr voll würden machen und sie selbst auf der Strecke blieben.

Wenn das (zum Teil höchst illegale und strafrechtlich relevante) Ausnutzen des Systems mal mehr geahndet werden würde (ich hätte gleich 10 Kollegen, die ich anschwärzten könnte, aber das macht man nicht!), dann würden die Kosten nicht so ausufern. Aber auch darüber spricht man nicht öffentlich. Nur hinter vorgehaltener Hand! Und dann ist es sogar "cool".

Ein Bekannter hat 3 Pharmastudien gleichzeitig in seiner Praxis laufen und biedert sich auch sonst nicht an, mit Pharma zu "kooperieren". Privatpatienten werden generell zu "gesünderen" Konditionen abgerechnet und dann vertreibt er noch seine eigenen Medizinprodukte.

Und was passiert, wenn man sich mal auf einer Versammlung zu diesem Thema äußert? Man ist direkt der "Nestbeschmutzer"!

Bei der Pharmaindustrie hat Herr Rösler mit dem Aufräumen angefangen, ich hoffe, dass er bei uns weiter macht! Ob ich das noch genauso sehe, wenn ich 5000€ im Jahr weniger verdiene? Ganz bestimmt! Davon kann ich immer noch gut leben, da ich kein 3. Haus und kein 4. Auto brauche!
harlekin2000
am Dienstag, 26. April 2011, 08:26

Good bye Germany!!!

So wird niemand mehr arbeiten wollen.
Eine Alternative wäre: Die Krankenkassen betreiben selbst Arztpraxen. Aber er säuft der Teufel Weihwasser!!!
frusti
am Montag, 25. April 2011, 22:22

Auf spezielle Nachfrage

1.) ohne die "geldgeilen Radiologen" hätte heute noch so manches Kreiskrankenhaus kein CT - wenn s denn so lukrativ und sicher wäre, hätte doch der kommunale Träger sicher nicht den "Mitesser" mit ins Boot genommen?
2.) Freiberufler: Ja, es gibt auch Glaser, Tischler, praktische und Kinderärzte in der Grundversorgung, die ihre Praxen / Klitschen/ Frimelbuden nicht loskriegen. Das ist der Markt Aber es von Anbeginn an verbieten?

3) Wochenenddienste im ländlichen Raum? Da greift halt auch die Marktwirtschaft: aber eben anders als Sie wollen: die Leute fahren 30 km zum Supermarktz - kein Tante Emma Laden mehr, weil es sich nicht lohnt. Und genauso mit den Docs: lohnt sich nicht, okay, kein Doc im ländlichen Raum.
4) ich gehöre zun Absolventenjahrgängen der Ärzteschwemme: über mein Gahalt als AiP haben sich damals alle schlapp gelacht - einschließlich einfacher strukturierter Patienten. Natürlich sind Patienten dankbar, wenn Sie nicht 30 km fahren müssen. Nur leider kann ich nur damit weder die Miete noch den Supermarkteinkauf bezahlen. Und ich bin "born with a plastic spoon in the mouth", muss also alles selbst erarbeiten.

Und ich will ja nix Unverschämtes: entweder Freiberufler mit allen Risiken (und offensichtlich stimmt das Gesamtkonstrukt eher in der mit vielen Ärzten kompetiven Stadt als auf dem Land) oder angestellt mit 40h/Woche plusminus optout nach TV MB . Aber davor graut es den Kassen wie dem Teufel vor dem Weihwasser (die Kliniksmanager haben es durch...) kein Extraprofit aus dem "ärztlichen Ethos" für irgendwelche Kliniksfritzen oder Kassen. Die Zahl meiner bisherigen unbezahlten Überstunden und unterbezahlten Notarztdienste sichern mir den Fensterplatz im Himmel schon jetzt.
MedGyver
am Montag, 25. April 2011, 17:58

Bei Erzkonservativen wird das Hirn nicht mehr gefordert und baut sich selbst ab!?

Lieber frusti,

können Sie mir noch einmal das Argument in Ihren Zeilen erklären? Wer gibt denn seine Praxis (Praxisinventar, Mitarbeiter, häufig eigene Räume) für lau ab? Sie sollten sich mal anschauen, wie das in anderen freiberuflichen Gewerben läuft. Aber nein, der gutverdienende, niedergelassene Radiologe sieht schon wieder seine Pfründe schwinden.

Und Wochenenddienste im ländlichen Raum? Haben sie den Zug nicht gehört? In immer mehr Regionen Deutschlands darf der Patient 30min AUTO (Bus vllt. 1h? Wenn überhaupt...) fahren, damit er mal einen notdiensthabenden Arzt sieht.

Ich bin Mediziner geworden, weil mir etwas an den Patienten liegt. Und wenn man das die Patienten wissen läßt, sind sie häufig (natürlich nicht immer) sehr dankbar! Leider scheint den meisten Kollegen diese Tatsache völlig egal zu sein. Aber das ist wohl die "neue" Zeit.
frusti
am Montag, 25. April 2011, 14:04

Das ist das gewollte Ende des Arztes als Freiberufler

denn: wer baut schon (mit den hier oft zitierten 50 Stunden plus) "seine" Praxis (= Betrieb) auf, wenn er den am Ende der Laufzeit für lau abgegben muss? Dann schon gleich richtig: Festangestellte Ärzte, 40 h Woche (da ist die Weiterbildung etc schon drin), AZG konforme Arbeitszeiten, keien Probleme, wenn man mal krank ist. Viel Spass den KVs bei der AZG gerechten Besetzung von Wochenenddiensten im ländlichen Raum.

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