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NSAID vermindert Wirkung von Antidepressiva

Dienstag, 26. April 2011

New York City – US-Forscher sind auf eine mögliche Wechselwirkung von nichtsteroidalen Antiphlogistika (NSAID) und Antidepressiva gestoßen. Die Publikation in den Proceedings of the National Academy of Sciences (2011; doi: 10.1073/pnas.1104836108) stützt die umstrittene Zytokin-Hypothese der Depression. Sie wäre außerdem klinisch relevant, weil die Komedikation mit NSAID und Antidepressiva bei älteren Menschen keine Seltenheit ist.

Die Zytokin-Hypothese vermutet eine Entzündungsreaktion des Gehirns als Kern der Depression. Angestoßen durch innere oder äußere Stressoren soll es im Gehirn zu einer vermehrten Produktion von proinflammatorischen Zytokinen wie Tumor-Nekrose-Faktor (TNF) alpha oder Interferon gamma kommen.

Tatsächlich lassen sich bei Menschen mit Depressionen erhöhte Konzentrationen der beiden Zytokine im Plasma nachweisen, was allerdings eine kausale Rolle noch lange nicht beweist. Hierzu wären Therapiestudien erforderlich, die eine Linderung depressiver Symptome unter einer Therapie beispielsweise mit TNF-Blockern belegen würden. Dieser Beweis steht noch aus.
 

Die Experimente der Arbeitsgruppe um Paul Greengard von der Rockefeller Universität in New York City könnten das Interesse an der Hypothese jedoch beleben. Greengard, der mit zwei anderen Forschern im Jahr 2000 den Nobelpreis für seine Erkenntnisse zur Wirkungsweise von Dopamin und anderen Neurotransmittern im Gehirn erhalten hat, experimentiert mit Mäusen.

Die Gabe von Antidepressiva führt bei den Tieren zu einer Änderung des Verhaltens und der verminderten Freisetzung des Proteins p11, das Greengard als einen Marker für depressive Störungen betrachtet.

Beide Parameter, Verhaltensänderung und p11-Abfall, waren vermindert, wenn die Tiere gleichzeitig mit Ibuprofen, Acetylsalicylsäure oder Naproxen behandelt wurden. Und im Gehirn der Tiere stieg nach der Therapie mit den NSAID die Konzentration der inflammatorischen Zytokine wieder an.

Der nächste Schritt bestand in der Analyse klinischer Daten aus der STAR*D-Studie, die die Wirksamkeit verschiedener Antidepressiva untersucht hat. Greengard kann, wenn auch nur retrospektiv in einer Fall-Kontroll-Untersuchung zeigen, dass die Komedikation mit NSAID die Remissionsrate von 54 auf 40 Prozent senkte.

Auch dies wird Pharmakologen nicht überzeugen. Sollte es tatsächlich eine Interaktion beider Medikamente geben, müsste diese idealerweise in einer prospektiven Studie untersucht werden. Auch wenn die Experimente von den Medien bereits aufgegriffen wurden, dürften sie derzeit nur ein Denkanstoß für die Forschung sein. Die Therapieempfehlungen der Leitlinie werden sie vorerst nicht verändern.

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© rme/aerzteblatt.de

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