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Tysabri: PML-Risiko steigt mit der Zahl der Infusionen

Dienstag, 26. April 2011

Rockville – Die progressive multifokale Leukenzephalopathie (PML) ist die am meisten gefürchtete Komplikation unter der Therapie mit Tysabri®. Nach weltweit 102 Erkrankungen veröffentlicht die US-amerikanische Arzneibehörde FDA einen Zwischenbericht.

Der Tysabri-Wirkstoff Natalizumab hemmt das Einwandern von Leukozyten in das Parenchym des Gehirns. Dadurch wird eine Autoimmunattacke auf die Myelinscheiden in Gehirn und Rückenmark verhindert. Es fehlt aber auch jegliche Gegenwehr gegen Krankheitserreger im Gehirn. Zu ihnen gehört das opportunistische JC-Virus, Auslöser der meist tödlich verlaufenden PML.

Schon in den ersten drei Monaten nach der Zulassung von Tysabri kam es zu drei Erkrankungen, die zur zwischenzeitigen Rücknahme des Medikaments führte. Aufgrund seiner guten Wirksamkeit wurde es später wieder zugelassen. Dies geschah unter strengen Sicherheitsvorkehrungen, zu denen auch die obligatorische Registrierung der Patienten und der behandelnden Ärzte gehört.

Diese Vorsichtsmaßnahme soll helfen, die Zahl der PML-Erkrankungen gering zu halten. Dies scheint gelungen zu sein, denn unter den 82.732 Patienten, die weltweit bis Ende Februar 2011 Tysabri erhalten haben, sind 102 PML-Fälle aufgetreten. Wie viele an der Komplikation gestorben sind, geht aus der FDA-Mitteilung nicht hervor.

Die Analyse weist aber auf Risikofaktoren hin. Der wichtigste ist die Zahl der Behandlungen. Bei weniger als 24 Infusionen beträgt die PML-Inzidenz 0,3 pro 1.000 Patienten. Bei 25 bis 36 Infusionen steigt sie auf 1,5 pro 1000 Patienten an. Unter den Patienten, die 27 bis 48 Infusionen erhalten haben, traten bisher 0,9 PML-Fälle auf 1.000 Patienten auf, was aber nicht als relativer Rückgang des Risikos gedeutet wird. Die FDA geht eher davon aus, dass das Risiko mit der Dauer der Therapie weiter ansteigt. Erfahrungen über längere Behandlungszeiträume sind beschränkt.

Ein weiterer bekannter Risikofaktor sind Begleitmedikationen mit immunsupprimierender Wirkung. Bereits jetzt ist eine Kombination von Natalizumab mit Interferon beta oder Glatirameracetat kontraindiziert. Neu ist der Hinweis auf immunsupprimierende Therapie im Vorfeld der Tysabri-Infusionen.

Laut FDA sollten die Patienten nach einer früheren Therapie mit Wirkstoffen wie Mitoxantron, Azathioprin, Methotrexat, Cyclophosphamid oder Mycophenolat befragt werden, die das Risiko auf eine PML unter der Therapie mit Tysabri® erhöhen. Ob dies auch bei früheren Therapie mit Interferon beta oder Glatirameracetat der Fall ist und welchen Einfluss die Steroidtherapie im Schub hat, wurde laut FDA noch nicht untersucht. © rme/aerzteblatt.de

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Chefarztfrau
am Dienstag, 26. April 2011, 19:29

Aktualisierung

Die Daten der FDA sind nicht ganz auf der Höhe der Zeit. Tatsächlich bestätigt Biogen Idec insgesamt 111 PML-Erkrankungen und auch die Zahl der Todesfälle stieg auf 22.
(Quelle: http://www.myelounge.de/?p=999)

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