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Qualitäts­institut bewertet Nutzen von Memantin neu

Mittwoch, 27. April 2011

Köln – Belege für einen Nutzen des Alzheimer-Medikaments Memantin sieht das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), nachdem der Hersteller eine ergänzende Auswertung von Studiendaten vorgelegt hat. Das IQWiG ändert daher seinen 2009 erschienenen Abschlussbericht. Danach nützt der Wirkstoff zumindest für eine Therapiedauer von sechs Monaten bei der Kognition sowie bei den alltagspraktischen Fähigkeiten. „Wie bei vielen anderen Projekten ist das Institut auch bei Memantin auf Wissenslücken gestoßen. Wenn das so ist, dann machen wir Vorschläge, wie sich diese Lücken schließen lassen“, sagte IQWiG-Leiter Jürgen Windeler.

Manchmal seien zusätzliche neue Studien nötig, aber manchmal reiche es, wenn der Hersteller bereits vorhandene Daten weitergebe oder ergänze. „Letzteres war bei Memantin der Fall. Am Ende hat sich der zusätzliche Aufwand ausgezahlt“, sagte Windeler.

In Deutschland ist der unter dem Handelsnamen Axura® und Ebixa® vertriebene Wirkstoff Memantin zur Behandlung von mittelschwerer bis schwerer Alzheimer Demenz zugelassen. In einer ersten, im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) erarbeiteten und im September 2009 veröffentlichten Nutzenbewertung hatte das IQWiG keine Nachweise dafür gefunden, dass Patienten von Memantin profitieren.

Allerdings fehlten unter anderem maßgebliche Informationen zu zwei Studien, die der Hersteller dem IQWiG nicht zur Verfügung gestellt hatte. Anfang 2010 übermittelte die Firma Merz dem G-BA die Ergebnisse dieser beiden Studien sowie Zusatzanalysen aus einer größeren Zahl von Studien. Das IQWiG veröffentlichte daraufhin im August 2010 eine zweite Bewertung als Arbeitspapier. Am Fazit des ersten Berichts änderte sich allerdings nichts.

Das lag auch daran, dass das IQWiG die Zusatzanalysen, so wie sie von Merz vorgelegt worden waren, nicht verwenden konnte. So hatte Merz unter anderem wiederum nur einen Teil der relevanten Studien einbezogen. Zusatzanalysen, die die Daten in angemessener Weise aufbereiten, reichte die Firma Merz im Oktober 2010 beim G-BA ein. Dabei handelte es sich um sogenannte Responderanalysen.

Wie die jetzt vorgelegte Analyse zeigte, war die Zahl der Patienten, deren Merk- und Erinnerungsfähigkeit sich über einen Zeitraum von maximal sechs Monaten spürbar verschlechterte, in der Memantin-Gruppe niedriger. Das IQWiG wertet dies als einen Beleg für einen Nutzen. Auch bei der Alltagskompetenz, beispielsweise bei der Körperpflege, zeigte sich ein solcher Unterschied zugunsten von Memantin. Dieser war aber deutlich kleiner.

Ob Memantin die Lebensqualität verbessert, ist laut IQWiG allerdings nach wie vor unklar. Denn hier ließen die Studien weiterhin keine Aussagen zu. Außerdem dauerte keine der Studien länger als sechs Monate. „Wir haben noch immer keine Langzeitstudien. Die wären aber gerade bei Alzheimer-Medikamenten, die in der Regel über Jahre eingenommen werden, dringend erforderlich“, sagte Windeler. © hil/aerzteblatt.de

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