Herzinsuffizienz: Aufgeklärte Patienten leben länger
Mittwoch, 27. April 2011
Denver – Die fehlende Fähigkeit, medizinische Zusammenhänge zu begreifen, kann bei bestimmten Erkrankungen zu einem tödlichen Risiko werden. In einer retrospektiven Kohortenstudie im Amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2011; 305: 1695-1701) war eine geringe “Health Literacy” bei Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz mit einem erhöhten Sterberisiko verbunden.
Viele Menschen sind erstens nicht oder nur begrenzt in der Lage, den Inhalt von medizinischem Aufklärungsmaterial zu verstehen. Sie begreifen zweitens die Zusammenhänge ihrer Erkrankung nicht und können drittens keine sinnvollen Angaben zu den Krankheitszeichen machen.
Diese drei Aspekte einer fehlenden Health Literacy (zu deutsch vielleicht: Gesundheitsmündigkeit) erfragte Pamela Peterson vom Denver Health Medical Center in Denver bei 2.156 Versicherten der Kaiser Permanente Krankenkasse im Bundesstaat Colorado. Alle litten an einer Herzinsuffizienz, die als Entlassungsdiagnose in den Aufzeichnungen der Krankenkasse erwähnt wurde.
Immerhin 1.547 Patienten (72 Prozent) antworteten – nach bis zu zehn Nachfragen. Die Antworten auf die drei Aspekte wurden mit bis zu 5 Punkten bewertet. Peterson stellte die Ergebnisse der Befragung mit späteren Hospitalisierungen und dem Vitalstatus der Patienten in Beziehung.
Ergebnis: Von den 124 Todesfällen entfielen 46 (Anteil: 17,6 Prozent) auf die Patienten mit niedriger Health Literacy. In der Gruppe mit einer adäquaten Health Literacy waren es 78 Patienten (Anteil: 6,3 Prozent). Das Sterberisiko war damit fast dreifach so hoch.
Einen Teil der Unterschiede konnte Peterson jedoch auf andere Gründe zurückführen. In der Multivariat-Analyse blieb eine Hazard Ratio von 1,97 (95-Prozent-Konfidenzintervall 1,3-2,97), nach der die mangelnde Gesundheitsmündigkeit das Sterberisiko verdoppelt. Für den Endpunkt Hospitalisierungen konnte Peterson kein erhöhtes Risiko nachweisen.
Die Aussagekraft einer retrospektiven Kohortenstudie ist natürlich begrenzt. Drei einfache Fragen im Patientengespräch könnten nach Einschätzung von Peterson jedoch jene Patienten herausfinden, die einen besonderen Aufklärungsbedarf haben.
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