Politik

Stammzellforscher fordern Patentschutz für Stammzelllinien

Donnerstag, 28. April 2011

Bonn – Im Rechtsstreit um Patente auf Stammzellen haben 13 europäische Stammzellforscher Partei für den Bonner Wissenschaftler Oliver Brüstle ergriffen. In einem heute im Wissen­schaftsmagazin Nature ver­öffentlichten offenen Brief kritisieren sie den Vorschlag des Generalanwalts des Europäischen Gerichtshofs, Patente zu verbieten, die eine Nutzung embryonaler Stammzellen beinhalten.

Die Umweltorganisation Greenpeace hatte gegen ein bereits 1997 beantragtes Patent Brüstles geklagt. Darin wird ein Verfahren beschrieben, mit dem sich aus menschlichen embryonalen Stammzellen Ersatzzellen für das Gehirn und das Rückenmark produzieren lassen. Der Bundesgerichtshof beschloss im November 2009, die Entscheidung über eine Patentierung menschlicher embryonaler Stammzellen dem Europäischen Gerichtshof zu überlassen.

Die Wissenschaftler unterstreichen in ihrem offenen Brief, der auch von der Universität Bonn veröffentlicht wurde, dass embryonale Stammzellen „Zelllinien und keine Embryonen“ seien. „Sie stammen von überzähligen, in vitro befruchteten Eizellen ab, die nach einer Fruchtbarkeitsbehandlung gespendet wurden, und können beliebig lang weiter genutzt werden.

Da mittlerweile mehr als 100 Zelllinien von nationalen und internationalen Zellbanken vorgehalten würden, sei die Sorge, menschliche Embryonen könnten hierfür kommerzialisiert werden, nicht angebracht, heißt es.

Die Wissenschaftler betonen darüber hinaus, dass innovative Unternehmen den Patentschutz als Anreiz benötigten, wenn sie in Europa aktiv werden sollen. Die Stellungnahme des Generalanwalts sei deshalb „ein herber Schlag gegen die jahrelangen Bemühungen“, auf Grundlage embryonaler Stammzellen neue Medikamente oder Zellersatz-Therapien zu entwickeln.

Der Generalanwalt des Europäischen Gerichtshofs, Yves Bot, hatte Mitte März in Luxemburg dafür plädiert, alle Zellen, die sich zu einem vollständigen Menschen entwickeln können, von der Patentierung auszuschließen. Auch Zellen, durch deren Gewinnung ein Embryo zerstört oder geschädigt werde, dürften nicht patentierbar sein, so der Generalanwalt.

Mit diesem Schlussplädoyer ist ein Verbot der Patentierung von embryonalen Stammzellen in Europa sehr wahrscheinlich geworden. Das Gericht ist zwar nicht an die Meinung des Generalanwalts gebunden, folgt aber in der Regel dessen Antrag. © kna/aerzteblatt.de

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