Ärzteschaft

Ärztepräsident Hoppe verteidigt Richtlinien zur Sterbebegleitung

Donnerstag, 28. April 2011

Frankfurt – Der Präsident der Bundes­ärzte­kammer (BÄK), Jörg-Dietrich Hoppe, hat die Neufassung der Grundsätze der Ärztekammer zur Sterbebegleitung verteidigt. Es handele sich weder um einen Positionswandel noch um eine Revolution des ärztlichen Selbst­ver­ständnisses mit Blick auf die Beihilfe des Arztes zum Suizid, schreiben Hoppe, der Göttinger Medizinrechtler Volker Lipp und der Göttinger Medizinethiker Alfred Simon in einem Beitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung vom Donnerstag.

In der im Februar veröffentlichten Neufassung der Richtlinien heißt es, die „Mitwirkung des Arztes bei der Selbsttötung“ sei „keine ärztliche Aufgabe“. Dies interpretieren Kritiker so, dass sie nicht verboten ist. Die zuvor gültige Fassung der Grundsätze von 2004 hatte deutlicher hervorgehoben, dass eine Suizidbeihilfe dem ärztlichen Ethos widerspricht und möglicherweise strafbar sein kann. Dieser Passus ist weggefallen.

Hoppe schreibt dazu, dass sich an der ablehnenden Haltung der Ärztekammer zur Suizidbeihilfe nichts geändert habe. Schon in der Präambel der Grundsätze werde deshalb klargestellt, dass die Tötung eines Patienten und die Beihilfe zum Suizid keine ärztlichen Aufgaben seien.

Der in der früheren Formulierung enthaltene moralische Vorwurf und „der kryptische Hinweis auf die mögliche Strafbarkeit“ hätten jedoch keine Hilfe geboten, wenn ein Arzt konkret mit dem Wunsch eines Patienten nach Suizidbeihilfe konfrontiert worden sei.

Hoppe wies auch den Vorwurf zurück, die neuen Formulierungen erlaubten es einem Arzt, als Privatperson am Suizid mitzuwirken. Die beruflichen Pflichten eines Arztes seien unteilbar; er könne sich nicht in eine Privatperson und in einen Berufsträger aufspalten. Der Ärztepräsident wies zudem darauf hin, dass die Berufspflichten eines Arztes durch Gesetz und Berufsordnung festgelegt würden. Die Grundsätze sollten den Medizinern lediglich Orientierung bei ihrer Berufsausübung geben.

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Der kommende Deutsche Ärztetag in Kiel wird sich Ende Mai auch mit der ärztlichen Berufsordnung befassen. In der derzeitigen Fassung verbietet sie den Ärzten, das Leben Sterbender aktiv zu verkürzen, indirekt also auch die Beihilfe zum Suizid.

Doch forderte der Deutsche Juristentag die Mediziner bereits 2006 auf, die ausnahmslose Missbilligung des assistierten Suizids zu überdenken - zumindest bei Patienten mit „unerträglichem, unheilbarem und mit palliativmedizinischen Mitteln nicht ausreichend zu linderndem Leiden“. © kna/aerzteblatt.de

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