FSME-Epidemie beginnt im Mai – Risikogebiete auf Süddeutschland beschränkt
Dienstag, 3. Mai 2011
Berlin – Die meisten Erkrankungen an der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) entfielen auch im letzten Jahr auf Süddeutschland. Dies geht aus einer Publikation des Robert-Koch-Instituts (RKI) im Epidemiologischen Bulletin (2011; Nr. 17: 133-145) hervor. Dort werden auch die Ergebnisse einer Patientenbefragung aus Bayern veröffentlicht, derzufolge fast nur die schweren Erkrankungen diagnostiziert werden.
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Im letzten Jahr wurden dem RKI insgesamt 260 FSME-Erkrankungen gemeldet. Dies entspricht einem leichten Rückgang gegenüber 2009 (313 FSME-Erkrankungen). Er wird jedoch nicht als Trend gewertet, da die Zahl der Erkrankungen sich in den letzten 10 Jahren auf relativ stabilem Niveau zwischen 239 bis 313 Erkrankungen bewegte.
Die Mehrzahl (246 Meldungen) hat sich in Deutschland in den bekannten Endemie-Regionen infiziert. Als solche definiert das Robert-Koch-Institut Kreise oder Kreisregionen mit signifikant mehr als 1 Erkrankung auf 100.000 Einwohnern.
Die Landkarte hat sich gegenüber dem letzten Jahr kaum verändert. Nur der Stadtkreis Offenbach ist neu hinzu gekommen. Neben der offiziellen Karte des RKI sind noch “FSME-Karten” anderer Urheber im Umlauf, in denen teilweise deutlich mehr Kreise eingefärbt sind, warnt das RKI. Dies kann zur Verwirrung führen, da die Pflicht zur Kostenerstattung der Impfung seitens der Krankenkassen nur für Personen aus den Risikogebieten besteht. Die Impfung wird in den Endemie-Regionen allen Menschen empfohlen, die in Beruf oder Freizeit zeckenexponiert sind.
Impfquote gestiegen Die Impfquote ist in den letzten Jahren gestiegen. In Bayern waren 2009/2010 im Mittel 55,3 Prozent der Schulanfänger geimpft, in Baden-Württemberg waren es im Mittel 38,6 Prozent. Die Vergleichszahlen für 2003 sind 14,4 Prozent für Bayern und 6,4 Prozent für Baden-Württemberg. Das RKI geht aber davon aus, dass die Impfquote bei Erwachsenen deutlich geringer ist.
Interessant sind die Ergebnisse einer Umfrage unter 107 Patienten aus Bayern, die im Jahr 2007 an einer FSME erkrankt waren. Zwar traten die ersten Erkrankungen bereits im Februar auf. Die meisten Fälle entfielen jedoch auf die Monate Mai bis Juli. Fast alle Patienten waren wegen der FSME-Erkrankung in stationärer Behandlung.
Dies bedeutet, dass die Zahl der Infektionen deutlich höher ist als die Zahl der Meldungen. Laut RKI verläuft die Infektion nur in einem Drittel der Fälle symptomatisch. Von diesen entwickeln die meisten nur milde grippale Symptome. Bei einem Drittel komme es jedoch zu einem schweren Krankheitsverlauf mit Beteiligung des zentralen Nervensystems mit Meningitis, Enzephalitis oder Myelitis.
Ein Drittel der Erkrankten war beruflich regelmäßig im Freien tätig. Die anderen waren durch Freizeitaktivitäten wie Spazierengehen, Radfahren, Hobbygärtnerei und Wandern gefährdet. Die meisten Patienten wussten von der Möglichkeit einer Impfung, hatten für sich persönlich aber kein Risiko gesehen.
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FSME und Borreliose sind auch ein Thema für den ÖGD. Die FSME wird deutlich unter-, die Borreliose überbewertet. Letztere ist eben in der chronischen Verlaufsform ausgesprochen selten. Unter http://www.rhein-kreis-neuss.de/podcast gibt es auch Infos zu Zecken für den Bürger - unterhaltsam aufbereitet.
Ein interessanter Fall den Koppi et al. da beschreiben. Dank für den Hinweis. Ich glaube auch, das man auf entspr. Publikationen aus D länger wird warten müssen, aber aus einem anderen Grund: Die FSME-Viren sind in Österreich sehr viel verbreiteter als bei uns. Daher ist einfach die Wahrscheinlichkeit, das ein Geimpfter mit unzureichender Immunantwort auf eine entsprechende Zecke trifft wesentlich höher als in D. Keine Impfung erzeugt im echten Leben bei allen Geimpften einen Schutz. Bei Lebendimpfstoffen gegen die Masern oder Varizellen kommt neben dem individuellen Immunsystem noch die häufig recht laxe Handhabung mit der Kühlkette in den Praxen hinzu, so dass der Impfstoff schon vor Injektion unwirksam wird.
Bei den 9 Erkrankten die "angeimpft" waren und dennoch erkrankten, möchte ich darauf hinweisen, dass das FSME-Virus zu den Flaviviren gehört, bei denen es häufig zu einem Immunenhancement kommt, d.h. eine durchgemachte Infektion verschlimmert die nächste (siehe auch Dengue). Wenn die Impfung also noch keinen Infektionsverhindernden Schutz aufbgebaut hat, sind diese Fälle gar nicht so verwunderlich und die RKI-Darstellung auch kein "Schönreden".
Kürzlich war im ''Nervenarzt 4/2011'' ein minimaler Impfdurchbruch einer gegen (?) FSME geimpften Frau publiziert, die achtmal geimpft war und an FSME starb. Auf gleichlautende Publikationen aus Deutschland wird man lange warten können. Hier wird eher die Diagnose anhand des Impfbuches angeglichen.
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