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Bipolare Störung: Abilify zur Erhaltungstherapie in der Kritik

Mittwoch, 4. Mai 2011

Boston – US-Forscher kritisieren den häufigen Einsatz von Abilify® (Wirkstoff: Aripiprazol) in der Erhaltungstherapie bei bipolaren Störungen. Die Evidenz basiere auf einer einzigen Studie, die erhebliche Mängel aufweise, schreiben sie in PLoS Medicine (2011; 8: e1000434).

Abilify enthält den Wirkstoff Aripiprazol, der zu den atypischen Antipsychotika gehört. Es wurde zunächst für die Akuttherapie manischer Episoden bei der Bipolar-I-Störung zugelassen, an der Alexander Tsai von der Harvard Universität in Boston und Nicholas Rosenlicht von der Universität San Francisco nichts auszusetzen haben.

Seit einigen Jahren werde Abilify jedoch vermehrt zur Erhaltungstherapie nach dem Abklingen der akuten Episode eingesetzt. Das Ziel ist die Prävention einer neuen manischen Episode. Das Medikament ist für diese Indikation zugelassen. Der Hersteller hat eigens eine Studie zu diesem Zweck durchgeführt.

Die Ergebnisse, die im Journal of Clinical Psychiatry (2006; 67: 626-37 und 2007; 68: 1480-91) publiziert wurden, hatten die US-Arzneibehörde seiner Zeit von der Wirksamkeit und Sicherheit überzeugt. Nach Ansicht von Tsai und Rosenlicht weist die Studie jedoch erhebliche Mängel auf. Die Dauer sei zu kurz, um eine Wirksamkeit in der Erhaltungstherapie zu beweisen, schreiben sie. Die Teilnahme sei außerdem auf Patienten beschränkt, die unter der Akuttherapie eine Wirkung erzielt hatten, was die Generalisierbarkeit einschränke.

Einige Vorteile der Therapie seien möglicherweise nur die Folge des abrupten Therapieendes in der Vergleichsgruppe, vermuten sie. Kritisiert wird auch eine hohe Abbrecherrate aufgrund von Nebenwirkungen.

Dies alles stellt die Wirksamkeit von Aripiprazol unter den gegebenen Einschlusskriterien nicht infrage. Tsai und Rosenlicht scheinen sich vor allem an der selektiven Rezeption der Studienergebnisse zu stören, die ihrer Ansicht nach durch das Marketing gefördert würden.

Die Forscher identifizierten 80 Publikationen, die die Studie zitiert haben. Nur ein Viertel habe dabei die numerischen Ergebnisse der Studie und nur ein Drittel die Nebenwirkungen erwähnt. Auf die Schwächen der Studie sei nur in vier Studien hingewiesen worden, so die Autoren. © rme/aerzteblatt.de

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