Politik

Regierung plant obligate Transplantations­beauftragte

Donnerstag, 5. Mai 2011

Berlin/München/Münster – Die Bundesregierung möchte die Krankenhäuser offenbar dazu verpflichten, künftig mindes­tens einen Trans­plantations­beauftragten zu bestimmen. Wie die Saarbrücker Zeitung vom Donnerstag berichtet, geht dies aus einem ersten Gesetzesvorschlag des Gesund­heitsministeriums zur Neuregelung des Trans­plantationsgesetzes hervor, der der Zeitung vorliegt.

Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums liegt der vorläufige Entwurf bereits den zuständigen Ressorts und zahlreichen Verbänden vor. Nach der Anhörung im Bundestag Mitte Mai sei Anfang Juni mit dem Kabinettentwurf zu rechnen.

Demnach sollen die dann teilweise freigestellten Mediziner das übrige Krankenhauspersonal in Fragen der Organspende unterstützen, insbesondere aber Angehörige von Patienten aufklären, betreuen und für eine Organspende werben. In dem Entwurf werde auch die Entnahme, Vermittlung und Übertragung von Organen neu bestimmt. Noch nicht geregelt sei, wie die Bürger ihre Spendenbereitschaft künftig kundtun sollen.

Der Zeitung zufolge wird es am 24. Mai und 7. Juni im Bundestag Anhörungen zur Organspende geben. Die Entscheidung über die Frage, wie die Bürger sich äußern sollen, soll dann später ohne Fraktionszwang erfolgen.

Für einen Mittelweg zwischen der heute geltenden Zustimmungslösung und der sogenannten Widerspruchslösung hat sich unterdessen der SPD-Fraktionsvorsitzende Frank-Walter Steinmeier auf dem 128. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) ausgesprochen.

Diese sehe vor, dass jeder Bundesbürger mindestens einmal im Leben bestimme, ob er nach seinem Tod seine Organe einem anderen Menschen zur Verfügung stellen möchte oder nicht. Diese Regelung würde nicht nur potenziellen Organempfängern nutzen, sondern auch die Angehörigen von einer komplizierten Entscheidung entlasten. „Sie sind in dieser Situation meist vor allem mit ihrer Trauer beschäftigt und sollten nicht solch schwierige Entscheidungen treffen müssen“, mahnte Steinmeier.

Für die Widerspruchslösung tritt dagegen die DGCH ein. Obwohl fast 75 Prozent der Deutschen bei Umfragen einer Organspende zustimmen würden, besäßen nur zwölf Prozent einen Organspendeausweis.

Bei einer sogenannten Widerspruchslösung, wie sie in Österreich gelte, müsse jeder Bürger aktiv widersprechen, wenn er seine Organe nach dem Tod nicht spenden möchte. „Bei acht Millionen Einwohnern gibt es im Nachbarland nur 2.000 Widersprüche pro Jahr. Entsprechend gut ist die Versorgungslage mit Spenderorganen“, hieß es von der DGCH.

Den neuerlichen Vorstoß der Politik zur Organspende begrüßte die Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL). „Das Leid der Wartenden wurde von der Politik endlich zur Kenntnis genommen. Wir befürworten, dass die gesellschaftlich Verantwortlichen diese Diskussion aufnehmen und durch neue Regelungen und Systeme die Liste des Todes abbauen wollen“, sagte deren Präsident Theodor Windhorst. © dapd/hil/aerzteblatt.de

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