7.841 News Medizin

Medizin

Appendizitis: Antibiotika sind Operation nicht gleichwertig

Freitag, 6. Mai 2011

Paris – Eine Antibiotikatherapie hat in einer vergleichenden Studie im Lancet (2011; 377: 1573-1579) bei erwachsenen Patienten mit unkomplizierter Appendizitis zwar zwei Drittel aller Operationen vermieden. Die Rate der Peritonitis-Komplikationen war jedoch erhöht.

An fünf Kliniken in Frankreich waren 243 Patienten nach einer durch Computertomographie (CT) bestätigten Diagnose einer unkomplizierten Appendizitis auf eine sofortige Appendektomie oder eine Antibiotikatherapie randomisiert worden.

Corinne Vons vom Hôpital Antoine Béclère in Paris und Mitarbeiter entschieden sich für die Gabe von Amoxicillin plus Clavulansäure, da dieses Antibiotikum sich in der Therapie der unkomplizierten Sigmoiditis bewährt habe.

Wenn sich unter der Antibiotikatherapie nach 48 Stunden keine Besserung abzeichnete, war eine Appendektomie vorgesehen. Diese erwies sich für die Mehrzahl der Patienten als unnötig. Auch ein Jahr nach Beginn der Studie hatten 81 von 120 Patienten (68 Prozent), die primär antibiotisch behandelt wurden, ihren Appendix vermiformis behalten.
 

Dies deckt sich mit den Erfahrungen aus vier früheren Vergleichsstudien, die der Editorialist Rodney Mason von der Keck School of Medicine in Los Angeles aufzählt: Zwischen 44 und 85 Prozent der Patienten mit unkomplizierter Appendizitis blieb durch eine empirische Antibiotikatherapie die Operation erspart (Lancet 2011; 377: 1545-1546).

Die Kehrseite war in der aktuellen Studie eine erhöhte Rate von Peritonitiden: Sie wurde bei 8 Prozent der antibiotisch behandelten Patienten, aber nur bei 2 Prozent der chirurgisch behandelten Patienten diagnostiziert. Ein möglicher Grund könnte in der hohen Rate der unerkannten komplizierten Appendizitiden liegen.

Diese Diagnose wurde bei 18 Prozent der operierten Patienten während der Operation gestellt. Man kann annehmen, dass die Rate im medikamentösen Arm ebenso hoch war. Trotz CT bleibt also eine gewisse Unsicherheit in der Diagnostik. In der Retrospektive war der Nachweis von Kotsteinen der einzige wichtige Hinweis auf eine komplizierte Appendizitis, es war auch der einzige Faktor, der mit einem Versagen der Antibiotikatherapie assoziiert war.

Für Vons zeigen die Ergebnisse, dass die Antibiotikatherapie in der Behandlung der unkomplizierten Appendizitis der Operation nicht gleichwertig ist. Der Editorialist Mason verteidigt dagegen den medikamentösen Ansatz.

Er kritisiert das Design der Studie. Bei den operierten Patienten sei weniger intensiv und später nach einer Peritonitis gesucht worden, schreibt er. Auch die Wahl des Antibiotikums sei nicht optimal gewesen. E. coli, der häufigste Erreger der Appendizitis, sei in Europa bereits zu zwei Drittel resistent gegen diese Antibiotikum. Tatsächlich hängt der Erfolg von dem Ansprechen des Antibiotikums ab. Bei einer Wirksamkeit, liege die Komplikationsrate bei Null, schreibt Mason.

Anzeige

© rme/aerzteblatt.de

Drucken Versenden Teilen
7.841 News Medizin

Nachrichten zum Thema

13.05.13
Berlin – Das Nationale Referenzzentrum (NRZ) für gramnegative Krankenhauserreger registriert einen deutlichen Anstieg von gramnegativen Erregern, die gegen Reserveantibiotika aus der Klasse der...
24.04.13
Antibiotika-Kombi­nationen können Resistenz­entwicklung beschleunigen
Exeter – Während Kombinationstherapien bei HIV-Infektionen langfristig erfolgreich sind, kommt es bei der antibakteriellen Behandlung häufig zum Therapieversagen. Der Grund ist die schnelle...
13.03.13
Azithromycin: FDA warnt vor potenziellen Herzrhythmus­störungen
Rockville – Die US-Arzneibehörde FDA hat die Sicherheitshinweise zu dem Antibiotikum Azithromycin erneuert. Das beliebte Makrolid kann über eine Verlängerung der QT-Zeit Torsades de pointes und ein...
01.03.13
Bundestag will Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung reduzieren
Berlin – Der Bundestag hat gestern das „16. Gesetz zur Änderung des Arzneimittelgesetzes“ verabschiedet. Ziel ist es, den Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung zu reduzieren, um die Ausbreitung...
15.02.13
Bremen – Zur Entwicklung neuer Antibiotika beitragen soll das jetzt gestartete Projekt „Translocation“ der Europäischen Union (EU). Es ist eines von derzeit drei Projekten des Programms „New Drugs for...
14.02.13
Berlin – Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) hat heute in Berlin wirkungsvollere Anreize für die Entwicklung neuer Antibiotika gefordert. „Die Entwicklung neuer Antibiotika lohnt sich...
01.02.13
Antibiotika bei starker Mangelernährung lebensrettend
St. Louis – Kindern, die in Entwicklungsländern unter einer Mangelernährung leiden, fehlt es nicht nur an den für das Leben nötigen Kalorien. Sie sind auch infektanfällig und die Darmflora ist...

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Mehr zum Thema


Themen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Z
Suchen

Login

E-Mail

Passwort


Passwort vergessen?

Registrieren

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Merkliste

Anzeige
Eingeloggt als

Suchen in