Politik

Petitionsausschuss diskutiert Verordnung starker Schmerzmittel

Montag, 9. Mai 2011

Berlin – Starke Schmerzmittel sollten vom Präparateaustausch durch den Apotheker ausgeschlossen werden. Sie seien auch kein geeigneter Gegenstand von Rabattverträgen. Diese Auffassung vertritt Marianne Koch, Präsidentin der Deutschen Schmerzliga, in einer Petition, die der Petitionsausschuss am Montag im Deutschen Bundestag diskutierte.

„Die Einstellung auf starke Schmerzmedikamente ist ein mehrstufiger, aufwendiger und sehr sensibler Prozess. Ein ausschließlich ökonomisch und nicht medizinisch begründeter Austausch bei dieser Medikamentengruppe kann den Therapieerfolg und die Sicherheit von Schmerzpatienten erheblich gefährden“, erläuterte Koch ihr Anliegen.

Seit 2007 sind Apotheker verpflichtet, bei Rezepten das verschriebene Medikament durch günstigere Präparate zu ersetzen, die den gleichen Wirkstoff enthalten und die gleiche Packungsgröße haben. Der verschreibende Arzt kann, durch Ankreuzen des sogenannten Aut-Idem-Feldes auf der Verordnung, verhindern, dass der Patient ein anderes Medikament erhält.

Allerdings werden die Mehrkosten seinem Arzneimittelbudget zugerechnet, was bei regelmäßiger Aut-Idem-Verordnung eine Wirtschaftlichkeitsprüfung durch die Kassenärztliche Vereinigung (KV) nach sich ziehen kann.

Koch verwies auf die besonderen Lebensumstände von chronischen Schmerzpatienten: „Niemand kann sich vorstellen, was es bedeutet ,24 Stunden am Tag Schmerzen zu haben. Das ist ein Zustand, in dem die Menschen sich wie in einem Käfig fühlen. Wenn dann eine Möglichkeit gefunden wurde, wieder am alltäglichen Leben teilzunehmen, ist das ein absoluter Glückszustand.“

Bis ein Patient auf ein Schmerzmittel eingestellt sei, brauche es meist mehrere Wochen, betonte die Präsidentin der Schmerzliga. Werde das Medikament gegen ein günstigeres ausgetauscht, müsse man damit wieder von vorne beginnen. „In der Praxis ist es so, dass Patienten aufgrund von Rabattverträge nicht nur einmal, sondern mehrfach umgestellt werden müssen“, ergänzte sie. Dadurch würden zugleich Einsparungen durch günstige Verordnungen wieder zunichte gemacht.

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Stefan Kapferer (FDP), Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium, verwies darauf, dass die Angst vor Regressen aufgrund überhöhter Arzneimittelausgaben unbegründet sei. „Regresse betreffen jährlich weniger als ein Prozent der Ärzte“, so Kapferer. Auch könne man über solche Ausgaben als Praxisbesonderheiten im Vorfeld mit seiner KV sprechen.

Kapferer räumte aber ein, dass man vonseiten des Bundesgesundheitsministeriums keine direkte Auskunft darüber geben könne, ob sich im Fall der starken Schmerzmittel Rabattverträge überhaupt rechneten: „Die Frage nach den Einsparungen kann auch das Ministerium nicht beantworten.“ Denn die Verträge unterlägen dem Betriebsgeheimnis der Kassen.

Der Staatssekretär geht aber davon aus, dass dies auch bei Opioiden der Fall ist. Ansonsten, sagte er, hätten die Krankenkassen sicher schon von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, solche starken Schmerzmittel von der Aut-idem-Regelung auszunehmen und sie auch nicht zum Gegenstand von Rabattverträgen zu machen./ mei, Rie © mei/Rie/aerzteblatt.de

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zuse2000
am Dienstag, 10. Mai 2011, 14:35

Falsche Prioritäten

Fr. Koch setzt leider die falschen Prioritäten. Eigentlich müsste die Vorsitzende der Deutschen Schmerzliga wissen, dass bei Patienten mit *nicht-tumor-bedingten* chronischen Schmerzen die Therapie mit Medikamenten, und erst recht die Therapie mit starken Opioiden nur eine Therapieoption ist. Und häufig nicht einmal die beste. Dies zeigt zum Beispiel eindrucksvoll die aktuelle S3-Leitlinie zur Therapie solcher Schmerzen, die die langfristige Therapie dieser Patienten mit Opioiden sehr kritisch bewertet.

Was diesen Patienten wirklich fehlt - da dafür leider viel zu wenig Geld in unserem Gesundheitswesen zur Verfügung steht - sind die Mittel für einen echten multimodalen Therapieansatz, der die psychosozialen Hintergründe chronischer Schmerzen in den Mittelpunkt rückt. Es fehlt Geld für Krankengymnastik und Psychotherapie. Es fehlt Geld für eine Medizin, in der sich auch Ärzte wieder die Zeit nehmen können, sich ihren Patienten zuzuwenden und mit ihnen ein Gespräch zu führen, das diesen Namen auch verdient. Stattdessen mehr Geld für neue, teure stark wirksame Opioide zu fordern ist ein unsinniger Irrweg.

Man fragt sich, wessen Lied Fr. Koch singt...
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