Darmkrebs: Chemotherapie für Hochbetagte von Nutzen
Freitag, 13. Mai 2011
Leeds – Hohes Alter und Gebrechlichkeit der Patienten schließen beim Kolorektalkarzinom eine erfolgreiche Chemotherapie nicht aus. Die Ergebnisse einer randomisierten Studie im Lancet (2011; doi: 10.1016/S0140-6736(11)60399-1) zeigen ferner, dass die Verträglichkeit bei intravenösen Infusionen besser ist als unter einer oralen Therapie, die bei älteren Menschen bisher vielfach bevorzugt wird.
Obwohl einige Patienten relativ früh erkranken, ist das Kolorektalkarzinom eigentlich ein Tumor des höheren Alters: 60 Prozent der Todesfälle entfallen auf Patienten über 75 Jahre, 42 Prozent sind sogar 80 Jahre oder älter. Bei diesen hoch betagten Patienten fällt die Entscheidung zur Chemotherapie schwer, zumal die Evidenz unklar ist.
Denn für die Therapiestudien werden eher jüngere Patienten ausgesucht. Der Altersunterschied wird mit etwa 10 Jahren angegeben. Dies überzeugte den britischen Medical Research Council von der Notwendigkeit einer Studie, in der es keine Altersbeschränkung nach oben gab.
Die 359 Teilnehmer der FOCUS2-Studie waren im Durchschnitt 74 Jahre, der älteste sogar 87 Jahre alt. Auch hinsichtlich des Allgemeinzustands gab es keine Einschränkungen. Während in anderen Studien auf einen günstigen WHO-Performance Status 0 Wert gelegt wird, lag der Anteil in der FOCUS2-Studie bei unter 21 Prozent.
Die Studie verglich eine intravenöse Standardtherapie (Fluorouracil) mit einer häufigen oralen Therapie (Capecitabin). Beide Therapien wurden zudem mit Oxaliplatin oder Placebo kombiniert. Um die Patienten nicht zu überfordern, wurde die Therapie mit 80 Prozent der Standarddosis begonnen. In den ersten 6 Wochen wurde dann ein Anstieg auf die volle Dosis angestrebt. Am Ende erreichten nur 14 Prozent der Patienten die volle Dosis.
Dennoch waren die Ergebnisse akzeptabel. Die mediane Überlebenszeit betrug 11 Monate. In den parallel durchgeführten Studien FOCUS und COIN, deren Teilnehmer median 63 Jahre alt waren und zu 90 Prozent einen WHO-Status 0 hatten, lebten die Patienten median 14 bis 17 Monate. In Studien mit hoch selektionierten Patienten werden heute Überlebenszeiten von 20 Monaten oder mehr erreicht.
Zentraler Endpunkt der Studie war jedoch nicht die Überlebenszeit, sondern das – eigens für die Studie geschaffene –“overall treatment utility” (OTU). Es kombiniert die objektiven Endpunkte der Tumorprogression mit einer subjektiven Einschätzung der Patienten zur Nützlichkeit der Therapie und den Einfluss auf seine Lebensqualität.
Dabei zeigte sich, dass die Kombination mit Oxaliplatin, die das progressionsfreie, aber nicht das Gesamtüberleben verlängerte, von den Patienten als ungewöhnlich nützlich bewerteten, was angesichts der zusätzlichen Nebenwirkungen nicht erwartet wurde. Eine weitere Überraschung war, dass die Patienten die regelmäßigen Infusionen mit Fluorouracil besser bewerteten als die Einnahme von Capecitabin-Tabletten.
Die Senioren attestierten der intravenösen Therapie zu 44 Prozent eine gute OTU, der oralen Therapie dagegen nur zu 39 Prozent. Der Unterschied war allerdings statistisch nicht signifikant. Hinsichtlich des Tumoransprechens sind beide Therapie gleichwertig.
© rme/aerzteblatt.de
Leserkommentare
Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.