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Zwei Studien beschreiben Depressions-Chromo­som

Donnerstag, 19. Mai 2011

Washington/London – Offenbar sind Forscher den genetischen Teilursachen einer Depression näher gekommen. Denn unabhängig voneinander identifizierten jetzt Wissenschaftler der Washington University School of Medicine und des King`s College in London DNA auf Chromosom 3, die mit dem Auftreten einer Depression in Verbindung zu stehen scheint. Beide Studien publizierte das American Journal of Psychiatry (doi: 10.1176/appi.ajp.2011.10091319 und doi: 10.1176/appi.ajp.2011.10091342).

Während die Arbeitsgruppe in London in einer retrospektiven Kohortenstudie mehr als 800 Familien mit wiederholt auftretenden Depressionen untersuchten, nahmen die Forscher in Washington 116 Familien aus Australien und Finnland als Studienteilnehmer und fokussierten dabei zusätzlich auf schweren Tabakkonsum.

So fanden die amerikanischen Forscher unter der Leitung von Pamela Madden heraus, dass in Familien, in denen geraucht wird, auch häufiger Depressionen auftreten. Schliesslich entdeckten sie bei diesen Familien die Region auf dem Chromosom 3p25-3p26, die mit den Depressionen in engem Zusammenhang standen.

Gleichzeitig analysierte die Arbeitsgruppe in London unter der Leitung von Gerome Breen die Familien vor allem mit Geschwisterpaaren, die an schweren, rekurrenten Depressionen litten. Auch dort identifizierten sie einen genomweiten, signifikant für Depressionen verantwortlichen Genlocus auf dem gleichen Chromosom wie in der amerikanischen Studie.

Die Autoren beider Studien betonen die Besonderheiten ihrer Erkenntnisse. Denn zum ersten Mal habe es zwei so unabhängig voneinander vorgenommene Studien gegeben, die zu dem gleichen, statistisch signifikanten Ergebnissen gekommen seien, so Breen. Die Forscher in beiden Ländern erwägen nun eine Kombinationsstudie beider Datenreihen, die ein noch genaueres Ergebnis liefern könnte.

Madden resümiert, dass in der Entstehung einer Depression wahrscheinlich nicht nur das Chromosom 3, sondern mehrere Gene beteiligt sind. Daher könnten die Ergebnisse beider Studien auch noch nicht unmittelbar in die Behandlung depressiv Erkrankter einbezogen werden. © hil/aerzteblatt.de

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