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Lumbalgie: Prothese ist Reha knapp überlegen

Freitag, 20. Mai 2011

Oslo – In einer der seltenen direkten Vergleichsstudien hat die Implantation einer Bandscheibenprothese die Beschwerden von Patienten mit chronischer Lumbalgie langfristig besser gelindert als eine intensive ambulante Reha-Therapie. Die Unterschiede fielen laut der Publikation im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2011; 342: d2786) aber geringer aus als erwartet.

Es ist nicht selbstverständlich, dass Patienten mit chronischen Rückenschmerzen die Entscheidung über eine Operation dem Losverfahren überlassen. Der Norwegian Spine Study Group um Christian Hellum von der Universität Oslo ist es jedoch gelungen, 173 Patienten mit einer lumbalen Diskopathie für eine klinische Studie zu gewinnen.

Die Patienten im Alter von 22 bis 55 Jahren, die seit mindestens einem Jahr unter eine Lumbalgie litten und eine Behinderung von mindestens 30 von 50 möglichen Punkten im Oswestry Disability Index angaben, wurden auf die Implantation einer Bandscheibenprothese (ProDisc II von Synthes Spine aus West Chester/Pennsylvania) oder eine ambulante 60-stündigen Rehabehandlung randomisiert. Der primäre Endpunkt war die Veränderung im Oswestry Disability Index in den ersten beiden Jahren.

Wie Hellum jetzt berichtet, kam es in beiden Gruppen zu einer Verbesserung, die allerdings nach der Operation besser ausfiel. Nach einem Jahr betrug der Vorteil 10 Punkte im Oswestry Disability Index, nach zwei Jahren waren es noch 8,4 Prozent.

Damit wurde zwar das Ziel eines Unterschieds von 10 Punkten am Ende verfehlt, in einer anderen Darstellung werden die Vorteile der Operation jedoch offensichtlich. Eine deutliche Verbesserung um 15 Punkte im Oswestry Disability Index erreichten nach der Operation 70 Prozent der Patienten, während es nach der Reha nur 47 Prozent waren. In anderen Endpunkten wie der mentalen Komponente der Lebensqualität (im Fragebogen SF-36) oder in der Rückkehr zum Arbeitsplatz gab es keine Unterschiede.

Trotz der Vorteile fällt es Hellum schwer, sich für die Operation auszusprechen. Dies mag mit den Risiken der Operation zusammenhängen. Bei einem der 77 operierten Patienten wurde wegen einer Dislozierung der Polyethylen-Einlage der Prothese eine Revision notwendig, bei der die linke Iliaca communis verletzt wurde.

Es kam zu einem Compartment-Syndrom und zur Amputation des Unterschenkels. Vielleicht so Hellum, sei es ratsam, zunächst die Möglichkeiten der Reha-Therapie auszuschöpfen, bevor man sich zu einer Operation entscheide. © rme/aerzteblatt.de

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Rudlof
am Sonntag, 22. Mai 2011, 13:56

"Reha muss vor jeder Prothese erfolgen" wäre die bessere Überschrift!

Ich halte diesen Artikel für eine freie Interpretation dessen was wirklich im BMJ steht. Jeder ist aufgerufen die Orginalarbeit kostenlos herunterzuladen und sich selbst ein Bild davon zu machen. An keiner Stelle wird dort erwähnt, dass die Op der konservativen Therapie überlegen sei! In einem validen Endpunkt wie der Arbeitsfähigkeit ergibt sich keinerlei Unterschied. Auch alle anderen Unterschiede sind entweder nicht signifikant oder klinisch irrelevant! Durch eine Op sein Bein zu verlieren ist kein kleiner Schönheitsfehler und erst recht kein Ausschlusskriterium, sondern das immanente Risiko jeden Eingriffs, welches ja gerade mit in die Entscheidung einbezogen werden muss.
Zum Abschluß das Schlusswort der Orginalarbeit: "Our study was not designed to evaluate specific mechanisms of reduction of pain and disability. Possible explanations for the pain reduction are removal of the disc in the surgical group and better coping in the rehabilitation group, but the patients were heterogeneous and probably had a mixed aetiology difficult to separate. Even though we did not have a control group, the mixed causes of chronic low back pain, the association of surgery with potentially serious complications, and the considerable improvement in the rehabilitation group suggest that it is reasonable to consider a rehabilitation programme before surgery. "

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