Politik

Experten: Einheitliche Biodaten-Regelung schützt vor Missbrauch

Mittwoch, 25. Mai 2011

Berlin – Experten haben einheitliche Regelungen für Biobanken zum Schutz vor Missbrauch von genetischen Daten und Proben gefordert. Sie plädierten dafür gestern in Berlin bei einer Anhörung zum Thema „Humanbiobanken“ im Bundestagsausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung. Nach Meinung des Datenschutzbeauftragten von Schleswig-Holstein, Thilo Weichert, können Probanden durch die derzeitigen unterschiedlichen Regelungen in ihren Persönlichkeitsrechten verletzt werden. 

Die Hamburger Bioethikerin Regine Kollek kritisierte, es sei derzeit nicht forschungsfördernd, dass „weder das Arzneimittel- noch das Gendiagnostikgesetz die Biobankforschung ausreichend regeln“. Ein klarer Rechtsrahmen für die Biobanken würde den Missbrauch verhindern und das Vertrauen der Bevölkerung sowie die Transparenz der Forschung stärken. „Durch rechtliche Vorgaben können die Anforderungen an die Wissenschaftler am besten vereinheitlicht werden“, so Kollek. 

Der Leiter des Instituts für Epidemiologie in München, Erich Wichmann, sagte, dass eine deutsche Regelung zu Humanbiobanken eine Vorreiterrolle übernehmen könnte. Es müsse jedoch darauf geachtet werden, dass eine möglicherweise zu eng gefasste deutsche Regelung nicht zur Forschungsbehinderung führe. Der Erlanger Ethiker Peter Dabrock plädierte für eine zentrale Biobankenkommission, um einen standardisierten Schutz in Deutschland zu gewährleisten. 

Biobanken sind Einrichtungen zur Speicherung von Materialien, die dem menschlichen Körper entnommen wurden. Bislang gibt es in Deutschland keine spezifischen Vorschriften für Biobanken.

Das im Januar 2010 in Kraft getretene Gendiagnostikgesetz beinhaltet rechtliche Regelungen für genetische Untersuchungen zu medizinischen Zwecken, zur Klärung der Abstammung sowie für Bereiche des Arbeitslebens und der Versicherungswirtschaft. Es gilt aber nicht für genetische Analysen und den Umgang mit Proben und Daten zu Forschungszwecken. © kna/aerzteblatt.de

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