Hepatitis C: Virus kam vom Hund auf den Menschen
Dienstag, 31. Mai 2011
New York – Die Herkunft des Hepatitis C-Virus scheint geklärt zu sein. US-Forscher fanden ein ähnliches Virus in Hunden. In den Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS 2011, doi: 10.1073/pnas.1101794108) vermuten sie, dass der Speziessprung erst vor 500 bis 1.000 Jahren stattfand. Die Verbreitung bei Hunden ist unklar. Eine Übertragung vom Hund auf den Menschen scheint aktuell nicht stattzufinden.
Das neue Virus, das vermutlich CHV (canine hepatitis C virus) heißen wird, wurde von US-Veterinären entdeckt, die der Ursache einer Epidemie respiratorischer Erkrankungen in Tierheimen in drei US-Staaten nachgingen.
Da sie keine bekannten Erreger finden konnten, schickten sie Proben an die Columbia Universität in New York, die zusammen mit Wissenschaftlern der Universität Edinburgh die Gene sequenzierten. Bei der Analyse fiel Amit Kapoor von der Columbia Universität und Mitarbeitern eine weitgehende Übereinstimmung mit dem menschlichen Hepatitis-C-Virus (HCV) auf.
In einer der vier Ausbrüche waren sechs von neun Hunden infiziert, im anderen wurde das Virus in drei von fünf erkrankten Hunden in Nasenabstrichen gefunden. Bei einer Gruppe von 60 gesunden Kontrollen wurde das Virus niemals gefunden. Bei den erkrankten Tieren wurde das Hunde-Virus auch in der Leber, nicht aber in der Lunge nachgewiesen.
Das 1989 entdeckte menschliche HCV ist bislang der einzige Vertreter der Gattung Hepaciviren, die zu den Flaviviridae gehören. Andere Vertreter der Familie sind die Erreger von Gelbfieber, Dengue-Fieber, Frühsommer-Meningoenzephalitis und des West-Nil-Fieber, die aber nur entfernt mit dem HCV verwandt sind.
In Analogie zu HIV, das von den Schimpansen auf den Menschen übergesprungen ist, vermuteten die Experten bisher den Vorläufer des HCV bei den Primaten. Dort wurde allerdings nie ein verwandtes Virus gefunden. Dass es jetzt beim Hund entdeckt wurde, war deshalb eine Überraschung.
Wegen des engen Kontakts beider Lebewesen erscheint ein Speziessprung jedoch nicht ausgeschlossen. Aus dem Vergleich des Erbguts der beiden Viren schließen die Forscher, dass dieser vor 500 bis 1.000 Jahren erfolgte, also deutlich nach der Domestizierung des Hundes vor etwa 10.000 Jahren.
Bislang ist unbewiesen, ob der Speziessprung vom Hund auf den Menschen erfolgte. Theoretisch könnte auch der Mensch den Hund angesteckt haben. Ausgeschlossen werden kann derzeit auch nicht, dass es ein drittes bisher unbekanntes Reservoir gibt. Die Forscher vermuten aber, dass das Virus ursprünglich vom Hund kommt. Als nächstes wollen sie bei Füchsen und andere fleischfressenden Tieren nach dem Virus suchen.
Aufgrund der Unterschiede von HCV und CHV schließen die Virologen aus, dass Hunde zur heutigen Zeit eine Hepatitis C übertragen können. Dennoch könnte die Entdeckung für die Medizin von Bedeutung sein. Bisher fehlt nämlich ein geeignetes Tiermodell, an dem sich Pathogenese und Therapie der Erkrankung untersuchen ließen. Auch für die Entwicklung eines Impfstoffs könnten die Entdeckung hilfreich sein.
© rme/aerzteblatt.de
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