Düsseldorf/Hamburg – Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) lehnt trotz steigender Einnahmen im Krankenkassensystem eine Beitragssatzsenkung ab.
„Wir sind in dieser Legislaturperiode mit einem Milliardendefizit gestartet. Ich bin froh, dass wir bei etwa 180 Milliarden Euro Gesamtausgaben nun einen kleinen Puffer haben“, sagte der FDP-Politiker der in Düsseldorf erscheinenden Rheinischen Post vom Freitag.
Der Minister fügte hinzu: „Was bringt es da, den Beitragssatz in der gesetzlichen Krankenversicherung allenfalls minimal zu senken, um ihn bei der nächsten konjunkturellen Schwankung gleich wieder anheben zu müssen?“ Solide Politik müsse auch Verlässlichkeit zeigen, sagte der Minister.
CSU stellt niedrigere Kassenbeiträge in Aussicht Die CSU stellt dagegen angesichts der Milliardenüberschüsse im Gesundheitsfonds mittelfristig Beitragssenkungen für Kassenpatienten in Aussicht. „Wenn sich die Wirtschaft 2012 weiterhin erfreulich entwickelt und zusätzliche Überschüsse gebildet werden, dann wäre es ungerecht, dass zum einen Zusatzbeiträge verlangt werden und gleichzeitig hohe Rücklagen auflaufen“, sagte der CSU-Gesundheitspolitiker Johannes Singhammer der Financial Times Deutschland vom Freitag. „Dann müssen wir über eine Entlastung der Versicherten reden.“
Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie
registriert sein.
Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.
Es ist nur noch peinlich, wenn der Minister leugnen will, was der Präsident seines eigenen Bundesversicherungsamtes (BVA), Dr. Maximilian Gaßner, öffentlich zugeben musste: Es gibt erhebliche Fondsüberschüsse seit 2009.
In der "Ärzte Zeitung" wollte der frühere Bank-Azubi und Daniel-Bahr-Freund aus alten Münsteraner Tagen, der CDU-Gesundheitspolitiker Jens Spahn, salopp mit der populistischen Äußerung "Da ist kein Cent über" rüberkommen.
Doch bekommen nach wie vor
1. die Krankenkassen trotz Konjunkturaufschwung und wesentlich höheren Fondseinnahmen so wenig Geld zugewiesen wie im Herbst 2010 viel zu gering festgelegt wurde.
2. die Krankenkassen die allgemeine GKV-Beitragssatzerhöhung um 0,6 % seit 1.1.2011 und ihre Zusatzbeiträge gar nicht direkt gutgeschrieben.
3. die GKV-Kassen ihre seit Einführung des Gesundheitsfonds 2009 jährlich vorgeschriebenen Liquiditätsreserven von je 3 Milliarden Euro nicht zum Ende jedes Rechnungsjahres als zusätzliche Beitragseinnahme zurückgeführt (das sind 6 Milliarden p l u s die neue Liquiditätsreserve für 2011).
4. die einzelnen Kassen ihren morbiditätsabhängigen Mehrbedarf trotz vorliegender ICD-10-GM Kodierung nicht mehr ausgeglichen.
5. Versicherte, Arbeitgeber, Ärzte, Apotheker, Kliniken, Verwaltungen, Politik und Medien keine betriebswirtschaftlich lesbaren Bilanzen der Gesetzlichen Krankenkassen zu Gesicht.
Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
PS.: Nach Angaben des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (www.ifw-kiel.de) wird für 2011 ein Überschuss von 5,8 Milliarden Euro prognostiziert. Damit ist die E r h ö h u n g der GKV-Beiträge ad absurdum geführt. Vgl. http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/45563#comments
Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes
Leserkommentare
Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.