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Herkunft von EHEC-Erreger in Bach weiterhin unklar

Montag, 20. Juni 2011

Wiesbaden – Nach dem Fund eines aggressiven EHEC-Erregers in einem Bach in Frankfurt am Main haben die Behörden bislang noch keine neuen Erkenntnisse über die Herkunft. Ein Sprecher des hessischen Verbraucher­schutz­ministeriums sagte am Montag, bislang liege das Ergebnis der am Freitag gezogenen zweiten Probe noch nicht vor. Es werde im Lauf der Woche erwartet.

Auch die Proben von einem dem Erlenbach benachbarten Gemüsehof, auf dem letzte Woche ein weniger aggressiver EHEC-Keim gefunden worden war, seien noch nicht vollständig. Seines Wissens gebe es dort aber bislang keine neue positive Funde.

Der Direktor des Instituts für Hygiene des Uni-Klinikums Münster, Helge Karch, befürchtet die Gefahr einer Festsetzung des gefährlichen Keims in der Umwelt. „Viele Menschen scheiden derzeit den Erreger aus. Wir können also nicht ausschließen, dass er sich in unserer Umwelt bereits eingenistet hat“, sagte Karch am Wochenende.

Daniel Bahr und Helge Karch /dpa
Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) ging am Wochenende davon aus, dass der Höhepunkt der Epidemie überschritten ist. Unterdessen kritisierte der Hygiene-Experte Klaus-Dieter Zastrow erneut scharf das Vorgehen der Behörden im Zusammenhang mit der EHEC-Ausbreitung.

Dass der gefährliche EHEC-Keim nun im Erlenbach aufgetaucht sei, überrasche ihn nicht, sagte Karch, der Direktor des Instituts für Hygiene des Uni-Klinikums Münster, am Samstag. Es müsse nun mit aller Kraft versucht werden, den EHEC-Stamm aus der Umwelt „zu eliminieren.“

Bakterien des Erregertyps O 104:H 4 waren am Freitag in dem Bach gefunden worden. Das Gewässer rückte ins Blickfeld der Behörden, nachdem auf einem nahegelegenen Gemüsehof weniger aggressive EHEC-Erreger nachgewiesen worden waren. Ob die Erreger über ein benachbartes Klärwerk in den Bach gerieten, wird derzeit untersucht.

Nach Angaben des hessischen Sozialministeriums besteht jedoch keine Verbindung zwischen dem Fließgewässer und der Trinkwasserversorgung.

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Für das Umweltbundesamt (UBA) ist der Fund des aggressiven EHEC-Erregers im Erlenbach nicht überraschend. „Das ist für Gewässer direkt im Anschluss zur Kläranlage nichts Ungewöhnliches“, sagte UBA-Sprecher Stephan Gabriel Haufe am Montag in Dessau.

Kläranlagen könnten E.coli-Bakterien aus menschlichen Fäkalien nicht komplett aus Abwässern herausfiltern. Das geklärte Wasser werde durch die Einleitung in Bäche und Flüsse aber so extrem verdünnt, dass eine Ansteckung bei Beachtung üblicher Hygieneregeln sehr gering sei.

Eine Verunreinigung des Trinkwassers mit dem Keim ist nach Angaben der Behörde zudem praktisch ausgeschlossen. Werden auch nur geringe Mengen an E.coli-Bakterien bei den regelmäßig stattfindenden Tests gefunden, muss das Wasser beispielsweise mit Chlor desinfiziert werden. Der aggressive EHEC-Stamm O104:H4 wurde in Deutschland bislang noch nie in Trinkwasser gefunden.

Gesundheitsminister Bahr zufolge geht die Zahl der Neuinfektionen zurück. Zwar sei weiterhin mit Todesfällen zu rechnen. „Das Schlimmste haben wir aber hinter uns“, sagte Bahr am Samstag bei einem Besuch des Münsteraner Hygieneinstituts. Bahr versicherte, Lehren aus dem aktuellen EHEC-Ausbruch ziehen zu wollen. Insbesondere wolle er das Meldeverfahren von Krankheitsfällen optimieren.

Der Mediziner Zastrow kritisierte Behördeninformationen, wonach der EHEC-Keim von Menschen auf Lebensmittel übertragen werde. Wer so etwas behaupte, verstehe nichts von der Thematik, sagte der Chefarzt für Hygiene an den Vivantes-Kliniken Berlin am Sonntag.

Ein derartiger Fall könne allenfalls dann eintreten, wenn an der Hand befindliche Exkremente auf ein Lebensmittel gebracht würden. Diese Form der Übertragung gelte dann auch für die Erreger von Cholera, Typhus, Salmonellen und Hepatitis A, fügte der Experte hinzu.

Das hessische Sozialministerium hatte am Freitag mitgeteilt, eine mit EHEC infizierte Mitarbeiterin eines nordhessischen Partyservices habe offenbar den Keim auf Lebensmittel übertragen. Daraufhin erkrankten 20 Teilnehmer einer Familienfeier an EHEC.

Laut Zastrow wäre die Epidemie früher beendet worden, hätten die Behörden die Erkrankten gezielter nach dem Verzehr von Sprossen befragt. Da belastete Sprossen als Auslöser schwerer EHEC-Ausbrüche bekannt gewesen seien, habe es sich bei dem Versäumnis um einen „schweren methodischen Fehler“ gehandelt, monierte der Wissenschaftler. © dapd/aerzteblatt.de

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promisit
am Montag, 20. Juni 2011, 14:02

Recht hat er....

Herr Zastrow ist ein erfahrener Hygieniker, der auch schon als Geschäftsführer der Kommission Krankenhaushygiene beim BGA fungierte. Er ist ein unbequemer Zeitgenosse, der sich den unlauten Vorgaben der Politik nie gebeugt hat.
Glücklicherweise gibt es noch solche Menschen, die öffentlich kundtun, welch Unsinn da verzapft wird. Ein schwerer methodischer Fehler und die daraus resultierenden Schlussfolgerungen sind ein Fakt. Es sollte endlich einmal klar gesagt werden, daß EHEC-Stämme verschiedenster Art durch Tiermastmethoden und die industrielle Verteilung der essbaren Produkte zwangsweise in die Umwelt gelangen. Gibt es dabei einen besonders aggressiven Stamm, so erleben wir die jetzige Situation. Der Bevölkerung glauben machen zu wollen, EHEC könnten wieder aus der Umwelt eliminiert werden, ist schwachsinnig. Es gäbe noch viel dazu zu sagen............

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