Eingeloggt als

Suchen in

6.844 News Medizin

Medizin

Früher Rückgang der Zervixläsionen durch HPV-Impfung

Montag, 20. Juni 2011

Melbourne – Die nationale HPV-Impfkampagne, die Australien als weltweit erstes Land eingeführt hat, zeigt eine frühe Wirkung. Bei den unter 18-Jährigen ist die Rate von prämalignen zervikalen Läsionen innerhalb der ersten beiden Jahre zurückgegangen, wie aus einer Studie im Lancet (2011; 377: 2085-2092) hervorgeht. 

Australien bietet seit April 2007 allen Schulmädchen ab der 7. Klasse eine Impfung mit Gardasil® an, das gegen die vier Typen 6, 11, 16 und 18 des humanen Papillomavirus (HPV) immunisiert. Die Typen 16 und 18 sind für 70 Prozent aller Zervixkarzinome verantwortlich.

Die beiden anderen Typen sind Verursacher anogenitaler Warzen. Aufgrund der langen Latenz bis zur Entstehung eines Zervixkarzinoms werden sich Auswirkungen auf die Inzidenz dieses Tumors erst in einigen Jahrzehnten bemerkbar machen.

Dem Karzinom gehen jedoch zervikale intraepitheliale Neoplasien (CIN) voraus. Hier sollte es bereits früher zu einem Rückgang kommen, zunächst bei den mittelgradigen Dysplasien (CIN II) und später auch  bei den hochgradigen Dysplasien (CIN III), die eine unmittelbare Krebsvorstufe (Carcinoma in situ) sind.

Wie schnell diese Reduktion nachweisbar ist, hängt vom Beginn der Früherkennung ab. Wenn diese erst mit 25 Jahren empfohlen wird, wie in England, ist nach Einschätzung von Experten frühesten nach 12 Jahren ein “Signal” zu erwarten, bei einer Früherkennung ab dem 20. Lebensjahr könnte es bereits nach 7 Jahren auftreten.

Australien empfiehlt die Früherkennung bereits im Alter von 18 Jahren oder aber 2 Jahre nach dem ersten Geschlechtsverkehr. Dieser frühe Start der Früherkennung ist unter Experten umstritten. Da viele CIN-Läsionen reversibel sind, besteht die Gefahr einer Übertherapie.

Um die Auswirkungen der Impfungen auf die Häufigkeit von CIN-Läsionen zu untersuchen, sind die Verhältnisse in Australien jedoch ideal. Julia Brotherton vom Victorian Cytology Service in Melbourne und Mitarbeiter können jetzt nach weniger als drei Jahren einen Effekt nachweisen.

Er ist bisher auf die Mädchen beschränkt, die vor dem 18. Lebensjahr an einer Früherkennung teilnahmen (was auch in Australien eine Minderheit ist). Vor der Einführung der Impfung wurde bei 0,85 Prozent der Mädchen beim Abstrich eine Läsion von CIN2 oder höher gefunden. Seither sinkt die Rate. Im Jahr 2009 lag der Anteil der CIN2+-Läsionen nur noch bei 0,22 Prozent. In der Altersgruppe der 18- bis 20-Jährigen wurde bisher (noch) kein Rückgang gefunden.

Wie immer bei „ökologischen“ Studien dieser Art sind die Ergebnisse mit Fragezeichen zu versehen. Die Editorialistin Mona Saraiya von den US-Centers for Disease Control and Prevention in Atlanta weist darauf hin, dass es im gleichen Zeitraum Veränderungen in den Leitlinien zur Früherkennung gegeben hat, die für den Rückgang mitverantwortlich sein könnten. Diese Änderungen hätten sich dann allerdings auf alle Altersgruppen auswirken müssen.

Laut Saraiya wäre die Beweisführung überzeugender ausgefallen, wenn der Impfstatus der Frauen bei der Auswertung berücksichtigt worden wäre, was die Autoren selbst als eines ihrer nächsten Studienziele definieren.

An der Wirksamkeit der Impfung selbst hat Saraiya keinen Zweifel und auch nicht daran, dass Australien das erste Land sein werde, in dem dieser Zusammenhang belegt werde. © rme/aerzteblatt.de

Anzeige
Drucken Versenden Teilen
6.844 News Medizin

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Login

E-Mail

Passwort


Passwort vergessen?

Registrieren

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Merkliste