Brustkrebs: Herz-Kreislauf-Erkrankungen die häufigste Todesursache
Montag, 20. Juni 2011
Denver – Aufgrund der guten Therapieergebnisse beim Mammakarzinom sterben viele Frauen nicht mehr an der Krebserkrankung. Bei älteren Patientinnen sind einer Studie in Breast Cancer Research (2011; 13: R64) zufolge Herz-Kreislauf-Erkrankungen zur häufigsten Todesursache geworden.
Obwohl fast ein Drittel aller Krebserkrankungen bei der Frau auf das Mammakarzinom entfällt, hat die Erkrankung viel von ihrem früheren Schrecken verloren. Die Kombination aus Früherkennung und adjuvanter Therapie hat dazu geführt, dass die meisten Frauen den Tumor heute selbst nach einer brusterhaltenden Therapie „besiegen“. In den USA gab es 2006 bereits 2,6 Millionen Brustkrebsüberlebende.
Vor allem bei älteren Frauen geraten andere Lebensrisiken in den Vordergrund, wie Jennifer Patnaik von der Universität von Colorado in Denver in einer Analyse von Medicare-Begünstigen (“Generation 66 plus”) zeigt: Unter den 63.566 Brustkrebspatientinnen gab es während einer Nachbeobachtungszeit von 9 Jahren 32.594 Todesfälle (51,3 Prozent), wobei die Frauen ein Alter von bis zu 110 Jahren erreichten: Nur bei einem Drittel war das Mammakarzinom für den Tod verantwortlich. Bei den anderen stellten die Ärzte eine andere Todesursache fest, wobei Herz-Kreislauf-Erkrankungen an erster Stelle standen.
Dies wundert nicht, da viele Patientinnen Komorbiditäten aus dem Bereich Herz-Kreislauf-Erkrankungen, COPD und Diabetes aufwiesen. Diese waren denn auch bei den Frauen, die nicht am Brustkrebs starben, ein wichtiger Prädiktor für den Tod. Interessanterweise erhöhten Herz-Kreislauf-Erkrankungen jedoch auch das Risiko an Brustkrebs zu sterben um 44 Prozent.
Auch COPD (plus 20 Prozent) und Diabetes (plus 31 Prozent) waren in der Analyse signifikante Hazards. Der Grund ist unklar. Eine Erklärung könnte die Kardiotoxizität einiger Chemotherapeutika sein, die bei älteren Patienten stärker ausgeprägt ist als bei jüngeren Patientinnen (an denen die Medikamente in der Regel in klinischen Studien evaluiert werden).
Patnaik hält es aber auch für vorstellbar, dass kardiovaskuläre Risikofaktoren bei Brustkrebspatientinnen zu selten diagnostiziert und therapiert würden. Die Krebsdiagnose könnte den Blick auf andere Gefahren verstellt haben.
© rme/aerzteblatt.de
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