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Kauder will Gruppenantrag zur Organspende vorlegen

Montag, 27. Juni 2011

Berlin – Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) will gemeinsam mit SPD-Fraktions­chef Frank-Walter Steinmeier (SPD) einen Gruppenantrag zur Neu­rege­lung der Organspende im Sinne einer „Entschei­dungs­lösung“ vorgelegen. Das kündigte Kauder am Montag in Berlin an.

Demnach soll jeder Bürger mindestens einmal im Leben seine Haltung zur Organspende gegenüber dem Staat kundtun. Diese soll dann in einem offiziellen Dokument wie dem Führerschein oder der Krankversicherungskarte festgehalten werden.

Die derzeitige Regelung zur Organspende ist umstritten, weil es zu wenige Spenderorgane gibt. Nach der seit 1997 gültigen „erweiterten Zustimmungslösung“ muss jeder Bürger aus eigener Initiative ausdrücklich seine Bereitschaft zur Organspende erklären. Alternativ können auch die Angehörigen nach dem Tod des potenziellen Spenders einer Organspende zustimmen.

Mehrere Gesundheitsminister der Länder hatten zuletzt eine Vorlage für eine „erweiterte Widerspruchslösung“ angekündigt. Demnach muss sich jeder Mensch zu Lebzeiten ausdrücklich gegen eine Spende aussprechen. Ansonsten kommt er automatisch als Spender infrage.

Diese Lösung könnte zu einem zweiten Gruppenantrag im Bundestag führen. Ein weiterer Antrag könnte sich für die Beibehaltung der Zustimmungslösung aussprechen, allerdings eine stärkere Aufklärung fordern. 

Das Bundeskabinett hatte Anfang Juni einen Gesetzentwurf zur Änderung des Transplantationsgesetzes beschlossen. Darin werden die Krankenhäuser ausdrücklich verpflichtet, den Hirntod möglicher Organspender zu melden und aktiv an einer Organentnahme mitzuwirken.

In jeder Klinik soll es künftig auch einen Transplantationsbeauftragten geben. Derzeit warten in Deutschland rund 12.000 Menschen auf Organe. Viele sterben, bevor ein Spenderorgan zur Verfügung steht. 

Kauder betonte, der Staat dürfe bei der Spendenbereitschaft keinen Zwang ausüben. Er könne aber vom Bürger verlangen, sich mit der Frage auseinanderzusetzen. Der Bürger könne sich dann frei dafür oder dagegen entscheiden, oder eine Entscheidung ablehnen. Am Mittwoch will der Bundestag sich in einer Anhörung mit dem Thema befassen. 

Die CDU-Bioethik-Expertin und rheinland-pfälzische Landtagsabgeordnete Julia Klöckner sprach sich auf der Fraktionsveranstaltung ebenfalls für die „Entscheidungslösung“ aus.

Sie sei zwar bislang eine Anhängerin der Widerspruchslösung gewesen. Sie befürchte aber, dass in der Bevölkerung durch Berichte über angebliche Organentnahmen an noch lebenden Patienten Ängste entstünden, die schließlich zu noch größerer Zurückhaltung führten.

Der ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) Wolfgang Huber, wandte sich aus ethischen Gründen gegen die Widerspruchslösung. Spenden müssten freiwillig erfolgen, sonst sei schon der Begriff zu streichen.

Für Christen sei die Spendenbereitschaft aber in jedem Falle „vorzugswürdig“. Auch der Vorsitzende des Evangelischen Arbeitskreises in der CDU, Thomas Rachel, sprach von einem „außerordentlichen Liebesdienst“, zu dem der Staat den Bürger nicht verpflichten könne. © dapd/aerzteblatt.de

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Senbuddy
am Dienstag, 28. Juni 2011, 08:26

Berichte über Organentnahmen...

...an noch lebenden Patienten oder auch das schnellere "Befördern zum Tode" aufgrund von ökonomischen Interessen an entnehmbaren Organen sollten nicht einfach so abgetan werden.

Egal, ob wahres daran ist oder nicht: Diese Ängste sind mit Sicherheit vorhanden und sie sind verständlich. Und wer solche Ängste hat, wird nicht wollen, dass er sich zu seiner Spendenbereitschaft in Form eines Ausweises äußern muß.

Der Gedankengang der Betreffenden wird nämlich sein:

1. Wenn ich zustimme, wird im Zweifelsfall an mir nicht alles probiert, um mich am Leben zu erhalten und mir werden meine Organe womöglich aus ökomischen Gründen entnommen. Davor habe ich die größte Angst.

2. Wenn ich aber nicht zustimme, bin ich unter ständigen moralischen Druck. Und ich werde in anderen Fällen deshalb möglichserweise auch schlechter behandelt. Denn es gibt auch unter Medizinern genügend Hobby-Ethiker, die sagen: "Wer selbst nicht spenden will, soll auch keine Spenden kriegen". Und das auszuweiten auf "wer nicht spenden will, ist ein Egoist und hat diese oder jene optimale Behandlung nicht verdient" ist nur ein sehr kleiner gedanklicher Schritt. Der dann auch öfter zu befürchten ist. Und davor habe ich auch Angst.

3. Wenn ich mich äußere und das sogar verpflichtend in meinem Ausweis steht, muß ich also Angst haben, auf die eine oder andere Art ausgenutzt oder benachteiligt zu werden. Und das ist nur vermeidbar, wenn ich das Recht habe, mich nicht zu äußern.


Zu Punkt 2: Ich möchte niemandem zu Nahe treten, aber es gibt genügend Kollegen, die sogar hier in öffentlichen Foren von "Erziehung" Ihrer Patienten reden und auch bei sonstigen Themen für freiheitliches Denken anscheinend sehr wenig übrig haben.

Und dass viele Politiker von SPD, CDU und vor allem auch CSU wenig Achtung vor der Freiheit des Einzelnen haben, weiß man ja auch schon länger. Man erinnere sich nur an das in Schröder-Zeit ins Leben gerufene Projekt "Elena".

Es zeigt sich wieder: Sozialisten und Liberale berufen sich ideologisch auf die Freiheit des Menschen, Sozial- und Christdemokraten oder Christsoziale tun das so gut wie nie. Und Kauder und Steinmeier sind sogar in ihren Parteien die Konservativen.

Die Kirchen sehen das Thema in diesem Fall mal ganz richtig, wenn auch aus anderen Gründen. Aber dass eine Spende unter Zwang keine Spende mehr ist, kann man nicht bestreiten.

Nur wo führt das Ganze denn hin ? Hier mal in die Zukunft gedacht: Vielleicht kommt ja demnächst irgendwann die Sterbehilfe "in Mode". Und dann gibt es vielleicht dabei auch ganz schnell den moralischen Gruppendruck zur "Entscheidungslösung". Dem sich alte oder gebrechliche Menschen dann vielleicht nicht zu widersprechen trauen ? ---- Nein, so eine Richtung sollten wir auch schon bei Organspenden einfach nicht einschlagen.

Ich bin also eindeutig gegen eine Verpflichtung zum öffentlichen Äußern von solchen intimen Daten wie meiner Spendenbereitschaft. So ein Wissen steht dem Staat einfach nicht zu. Der Staat ist schließlich nicht mein Freund oder meine Familie. Und auch nicht mein Arzt. Man kann ihm vor allem im Bezug auf seine Datensammelwut einfach nicht vertrauen.

Außerdem sollte man auch nicht schon wieder alles nach typisch deutscher Art mit neuen und juristisch aufgeblähten "Meldegesetzen" regeln wollen. In Deutschland gibt es schon jetzt zu wenige Bereiche des Lebens, wo mal kein Beamter datensammelnd und "regelnd" eingreift.

Wie wäre es denn, wenn man mal verstärkt auf die "Power of Advertisement" setzen würde ? So wie Grüne und FDP es wollen ? Wenn man es nicht so laienhaft wie die Sache mit dem E10-Benzin macht, könnte man da viel erreichen.

Viele Grüße
S.

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