Politik

Organspende: Singhammer will Debatte über Todeszeitpunkt

Mittwoch, 29. Juni 2011

Berlin – In der Diskussion um eine Neu­regelung der Organspende verlangt Unions-Fraktionsvize Johannes Singhammer eine grundsätzliche Debatte darüber, wann ein Mensch tatsächlich tot ist. „Aus der Wissen­schaft kommen Zweifel, ob der Hirntod noch als Definition des Todes gelten kann“, sagte der CSU-Politiker der Berliner Zeitung vom Mittwoch.

So habe der Bioethikrat der USA festgestellt, dass das Funktionieren des Körpers nicht unbedingt kurz nach Eintritt des Hirntodes aufhöre. Diese Annahme sei jedoch bisher das Hauptargument für die Gleichsetzung von Hirntod und Tod gewesen.

Hirntote Frauen hätten noch nach Wochen gesunde Kinder zu Welt gebracht, sagte Singhammer. „Wir brauchen eine grundsätzliche Debatte darüber, wann ein Mensch tot ist, und zwar sehr offen und ohne Tabus.“ Ansonsten werde man die Ängste, die viele beim Thema Organspende haben, nicht abbauen können.

Im Vorfeld der heutigen Anhörung im Gesundheitsausschuss des Bundestags zur Organspende und des Treffens der Gesundheitsminister der Länder in Wiesbaden hat Unions-Fraktionschef Volker Kauder erneut die sogenannte Erklärungspflicht der Bürger abgelehnt. „Organspenden sind eine höchstpersönliche Angelegenheit. Sie betreffen die menschliche Würde, die auch nach dem Tod zu achten ist. Deshalb darf es hier keinen staatlichen Zwang geben“, sagte der CDU-Politiker der Tageszeitung Die Welt vom Mittwoch.

Ähnlich äußerte sich die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Gesundheit, Annette Widmann-Mauz (CDU): Sie halte Zwang nicht für förderlich, sagte sie am Mittwoch im Deutschlandradio Kultur. Wenn Menschen sich noch nicht entschieden hätten, dürfe dies nicht mit einer Zustimmung gleichgesetzt werden. © kna/dapd/aerzteblatt.de

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wkmops
am Donnerstag, 30. Juni 2011, 13:23

Immer dasselbe... seit jahren

Es verwundert inzwischen micht mehr, mit wie wenig Sachverstand sich heute manche Politker bemüßigt fühlen , zu medizinisch-ethischen Fragen Stellung zu nehmen. So überrascht uns Herr Singhammer auch nur wenig mit der Festtellung, dass hirntote Frauen noch Kinder austragen könnten, und setzt das irgendwie in Bezug zu einer amerikanische Erkenntnis, wonach das Funktionieren des Körpers nicht kurz nach dem Hirntod aufhören müsse. Hier werden die Erfahrungen, dass es mit Hilfe der modernen Intensivmedizin möglich ist, unter Aufbietung aller ihrer Fähigkeiten, einen hirntoten Organismus als "Brutstätte" über die Zeit zu konservieren, undifferenziert vermischt mit der ebenfalls nicht neuen Erkenntnis, dass das Sterben ein Kontinuum und kein augenblickliches Ereignis ist. Dabei hat man aufgrund seiner Diktion nicht den Eindruck, dass dem Verkünder dieser umwerfenden Erkenntnisse die Unterschiede klar sind.

Letztlich kann es eigentlich keine wissenschaftliche Definition des Todes geben, sondern nur eine sich auf den ermittelten Ablauf zu stützende wertende Setzung- wenn er das gemeint hat, kann man ihm noch folgen.

Warum jetzt aber ausgerechnet nicht mehr der komplette und irreversible Ausfall der steuernden Hirnfunktionen als Zeichen des "Hirntods", und damit des unwiderruflichen Erlöschens aller Facetten dessen, was dieser Mensch als Person jemals war, sondern wieder eine beliebige Auswahl-Palette vom Herzstillstand bis hin zum Erlöschen des Wachstums des letzten Nagels diskutiert werden sollte, ist mit völlig schleierhaft.

Die Feststellung der Hirntodkriterien bei einem Intensivpatienten ist- nach den hiesigen validierten Regeln durchgeführt, -die erwiesen sicherste Todesfeststellung mit einer 100 prozentigen Irreversibilitätsrate, was man von den anderen "klassischen" Todesfeststellungen nun gerade nicht behaupten kann...

Es sei- so heißt es - das Ziel heutiger Gesundheitspolitik. die Organspendebereitschaft zu erhöhen.

Zu diesem Zweck sollte noch mehr Experten a la Singhammer ihre Stimme erheben lassen , die zu erwartenden Steigerungsraten werden hart mit dem Wirtschaftswachstum Griechenlands konkurrieren.....
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