Wirtschaftsexperten lehnen unentgeltliche Mitversicherung ab
Mittwoch, 29. Juni 2011
Berlin – Wirtschaftsexperten haben das Ende der unentgeltlichen Mitversicherung in der gesetzlichen Krankenversicherung gefordert. Es sei „grob ungerecht“, Familien mit einem Verdiener gegenüber Doppelverdienerfamilien zu begünstigen, sagte Hubertus Pellengahr, Geschäftsführer der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM), heute in Berlin. Die SPD kritisierte den Vorschlag scharf.
Die kostenlose Mitversicherung der rund fünf Millionen Hausfrauen und -männer in Deutschland sei „nichts anderes als eine Herdprämie“, sagte Pellengahr. Er schlug vor, sie mit einer Pauschale von etwa 126 Euro monatlich an den Krankenkassenbeiträgen zu beteiligen. So ließen sich die Beiträge für alle um 0,7 Prozentpunkte senken, rechnete Pellengahr unter Berufung auf eine INSM-Studie des Freiburger Generationenforschers Bernd Raffelhüschen vor.
Der Studie zufolge geben die deutschen Sozialversicherungen jährlich 100 Milliarden Euro für versicherungsfremde Leistungen aus. Allein bei der gesetzlichen Rentenversicherung seien dies rund 93 Milliarden Euro, sagte Raffelhüschen.
Als derartige „Fehlfinanzierung“ bezeichnete er etwa die höheren Renten in der DDR, wo die Beitragszahlungen stärker angerechnet würden. Darüber hinaus sollten Kindererziehung und Berufsausbildung in der Rentenversicherung nicht höher bewertet werden, befand der Finanzwissenschaftler.
Politische „Schmutzelemente“ im Sozialsystem Diese und andere „Schmutzelemente“ seien von Politikern über die Jahrzehnte in die Sozialsysteme hineingetragen worden, monierte Raffelhüschen. Dies seien familienpolitische Leistungen, die über Steuern finanziert werden müssten.
„Dann würden sich auch Reiche und Beamte an der Umverteilung beteiligen.“ Zudem ließen sich so auch die Rentenbeiträge um bis zu 1,5 Prozentpunkte senken. Insgesamt würden in den Sozialversicherungen mehr als 60 Milliarden Euro zwischen den verschiedenen Einkommensgruppen verteilt, auch von unten nach oben, hieß es.
SPD-Gesundheitsexpertin Elke Ferner nannte die Vorschläge der INSM „mehr als zynisch“. Insbesondere die Abschaffung der kostenlosen Mitversicherung würde eine „Aufkündigung des Solidarprinzips in der gesetzlichen Krankenversicherung“ bedeuten.
Das größere Problem sei die Ehegattenbesteuerung, die eine Arbeitsaufnahme für viele Ehefrauen nicht lohnend mache. Beim sogenannten Ehegattensplitting werden viele arbeitende Frauen stärker besteuert und erhalten dadurch netto weniger Geld. Ferner bekräftigte zudem die Forderung der SPD nach Mindestlöhnen: „Die Sozialversicherungen hätten so Mehreinnahmen, die in die Milliarden gehen.“
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...und Beiträge für Hausfrauen als dieses dauernde "Umverteilen", wo es nichts zu suchen hat.
Solidarität ist in der Krankenversicherung die zwischen Kranken und Gesunden und nicht die zwischen Reichen und Armen. Letztere gehört da einfach nicht hin.
Mann kann doch diesen ewigen Sozialneid kaum noch ertragen. Keine Lösungen, keine Verbesserungen, sondern immer nur das gleiche:
"Es fehlt Geld ? Es wird schlecht gewirtschaftet ? Zu viel Bürokratie ? Also holen wir mehr von Ackermann und Co!" Das soll gerecht sein ?
Ich bin gegen strikt gegen eine Anhebung der BBG, bin überhaupt gegen einkommensabhängige Beiträge. Gerecht ist es bei der Krankenversicheurng nur, wenn alle den gleichen Beitrag zahlen. Denn im Durchschnitt sind ja auch alle gleich krank.
Und gerecht ist es auch nur, wenn dabei alle beteiligt sind: Also eine Bürgerversicherung ist ok. Aber bitte nur mit Basisleistungen und nicht dem ganzen heutigen Zeug, was da so angeboten wird. Und wer mehr als Basisleistungen haben will, kann das privat tun.
Soziale Umverteilung muß sein, das ist klar. Aber doch nicht mit tuasenden verschiedenen Instrumenten wie in Deutschland. Umverteilung gehört in die Steuerpolitik und in die Sozialhilfe (also in eine "negative Steuer") und nicht in die Versicherungen.
Bei den vielen Instrumenten in Deutschland blickt doch keiner mehr durch. Und es geht darum immer nur um "Unten nach Oben" oder "Oben nach unten". Und keiner macht es damit gerechter, einfacher, transparenter. Weil das System eben selbst ungerecht ist. Und geändert werden muß.
Vereinfachung und Gerechtigkeit sollten die langfrisitgen Ziele sein. Und nicht Schüren von Sozialneid und Fordern immer neuer oder höherer Abgaben (bei den jeweils "anderen"....).
In diesem Sinne viele Grüße S.
P.S.: Sogar als Bismarck die Krankenversicherung eingeführt hat, war sie nicht zum "Umschichten" gedacht. Damals war das nur eine Krankengeld - Versicherung und wer viel zahlte, kriegte viel raus raus. Die ärztlichen Leistungen bezahlte jeder selbst !
Abschaffung der Beitragsbemessungsgrenze und eine Buergerversicherung
ist sinnvoller als ein paar Euros von Hausfrauen. Dass ein Herr Ackermann und eine Frau klatten sich nicht ausreichend beteiligen ist sozial ungerecht. Aber es war schon immer einfacher auf die Schwächsten einzupruegeln.
...und der war in der "Rürup - Kommision", die 2003 im Bezug auf die mittelfristigen Notwendigkeiten in allen Sozialversicherungsbelangen (also auch in denen der gesetzlichen Krankenversicherungen) grundlegendes geleistet und vorhergesagt hat.
Übrigens ist die damals konkurrierende "Herzog - Kommission" zu fast den gleichen Ergebnissen gekommen, womit dann seinerzeit alle wesentlichen Fachleute aller politischen Lager im Lande dran beteiligt waren.
Und Raffelhüschen war bei Pellengahrs Aussagen eindeutig der denkende Kopf hinter den Aussagen des Artikels (und mit Verlaub: Davon ist Frau Ferner weit entfernt...).
Aber Raffelhüschen ist jemand, der seitdem grundlegend und ganz konsequent auf geeignete und gerechte Finanzierungsmöglichkeiten aller Sozialversicherungen hinweist. Im Gegensatz zu Rürup, von dem man weiß, dass er in die Strukturvertriebsbranche der Versicherungen abgedriftet ist...
Im Bezug auf Flat - Taxes und Flat - Structures bin ich ganz klar der Meinung von KClemens. Einverstanden !
Und auch im Bezug auf die Sinnhaftigkeit des Streichens von versicherungsfremden Leistungen sind wir einer Meinung. Man ist gewiß kein Hardcore - Schulmediziner, wenn man vieles, was die gesetzlichen Kassen heutzutage so finanzieren, für blanken Unsinn hält.
Und Businesspaar: Es soll ja auch niemandem verwehrt werden, nach seiner Fasson glücklich zu werden. Nur muß es nicht die Versichertengemeinschft bezahlen.
... und es ist auch nicht nachvollziehbar, warum mittlerweile anerkannte, neben der zumeist hilflosen schulmedizin, heilmethoden nach dem willen blindwütiger hardcoreschulmediziner aus dem leistungsprogramm gestrichen werden sollen.
...vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun ...
Das Problem bei der INSM ist, daß sie im Grunde genommen nur für einen kleinen Teil der deutschen Wirtschaft spricht. Zumindest spricht sie nicht für KMUs, eher ist ihr Klientel bei BDI/BDA/DIHK zu finden.
Das muß jetzt nichts negatives sein, hat aber den Nachteil den Fokus zu verengen.
Das ganz große Problem auch der INSM dürfte sein, daß sich Deutschland in den letzten Jahren derart verbürokratisiert hat, daß der berühmte gordische Knoten sich im Vergleich dazu wie ein Kinderspiel ausnimmt.
Als allererstes bräuchten wir "flat structures" als "flat taxes".
Wenn Sie Frau Ferner die Kompetenz absprechen, sollten Sie auch die Äußerungen eines Herrn Pellengahrs nicht höher bewerten. Der war vorher Sprecher des Gesamtverbands des Einzelhandels, und dürfte in seiner Vita auch keine gesundheitsbezogenen Aspekte haben.
Und wenn ich recht orientiert bin gibt es bei der gesamten INSM niemanden, der über eine Expertise aus dem Gesundheitswesen verfügt. Aus dem Gesundheits-Versicherungswesen möglicherweise, das ist aber ein ganz anderer Blickwinkel.
Wie gesagt, ich bin immer noch der Meinung, daß man alle Programme, die nicht primär der Gesundung von Kranken und Krankheiten dienen, umgehend aus der Finanzierung der Krankenkassen streichen sollte.
Ebenso Therapien, die eben nicht evidenzbasiert sind, wie best. Therapien aus der Homöopathie und oder der TCM.
Die INSM wird in dem Artikel ganz falsch dargestellt...
Deswegen hier ein paar Zitate von der Homepage der INSM (a.d.FAQs):
1. "Die Initiative will die Soziale Marktwirtschaft Ludwig Erhards erneuern und sie an die Globalisierung, den demografischen Wandel und die Wissensgesellschaft anpassen."
Kommentar: Ein angebliches Kernziel "globalisierungsfreundliche Wirtschaft" o.ä. gibt es dort keineswegs.
2. "Die INSM versteht sich als ordnungspolitisches Gewissen und nicht als Vertreter von Arbeitgeberinteressen. Die Initiative verlangt zum Beispiel einen Abbau von Subventionen, was vor allem Unternehmen trifft."
Kommentar: Es geht bei der INSM um freiheitliches Denken und Eigeninitiative, worauf sich ja auch Sozialisten, Grüne und Liberale beziehen. Leider tun die Sozial- und Christdemokraten sowie die Christsozialen das immer weniger. Man "regelt" in Deutschland alles und oft ohne Sinn und Verstand.
3. "Die INSM will das Soziale nicht abschaffen, sondern bewahren. Die Sozialsysteme sollen durch Reformen in einen Zustand versetzt werden, damit sie nachhaltig funktionieren."
Kommentar: Was die Frau Ferner - übrigens eine Kaufhausprogrammiererin aus Saarbrücken und bestimmt keine Gesundheitsexperin - als "Aufkündigung des Solidarpronzips" darstellt ist also keineswegs gegen irgendein "Solidarpronzip". Es ist vielmehr gerade das Gegenteil.
Denn Solidarität mit Kindern und kinderbetreuenden Müttern sollte der Staat natürlich und sollten wir alle haben. Und die sollte auch keineswegs gekürzt werden. Es geht der INSM aber darum, dass solche Solidarität nicht nur von einer Gruppe der Gesellschaft, nämlich den angestellten GKV-Versicherten bezahlt werden sollte.
Vielmehr sollte solche Solidarität aus Steuern und damit von allen im Staate finanziert werden. So würden sich z.B. auch mal Beamte und Selbständige daran beteiligen. Leider agiert Frau Ferner aber oft nach dem Motto "ich habe zwar nichts verstanden, aber gegen Arbeitgeber oder deren vermeintliche Schergen muß man einfach erstmal schimpfen".
Wir sollten uns aber vielleicht alle mal etwas mehr auf die Prinzipien der sozialen Marktwirtschaft nach Erhard und Röpke besinnen. Sie haben in Deutschland seinerzeit mit einfachen Regeln das "Wirtschaftswunder" bewirkt. Und Leute wie Tietmeyer, Baring, Barbier, Straubhaar, Metzger oder Schipanski (eine sicher etwas fähigere Riege von Fachleuten als Frau Ferner) sollten zu solchen Fragen besser zitiert werden. Denn die würden nicht bei der INSM mitmachen, wenn es nicht um mehr ginge als um Arbeitgeberinteressen.
Zum lesen empfehle ich Tietmeyers Artikel zur sozialen Marktwirtschaft. http://www.insm.de/insm/Themen/Soziale-Marktwirtschaft/Hans-Tietmeyer-ueber-die-neue-soziale-Marktwirtschaft.html
Ihnen ist aber schon klar, was der Begriff "Gesundheitsprävention" bedeutet, oder?
Nämlich der "Schutz vor/bei Gesundheit". Den braucht in der Tat niemand. Was aber alle brauchen ist "Schutz bei Krankheit".
Bei Krankenkassen, die sich aber im Laufe der letzten 20 Jahre in "Gesundheitskasse" umbenannt haben, könnte man auf die Idee kommen, es geht um die Betreuung gesunder Menschen. Was ja auch durch etliche Programme dokumentiert wird, wie ich schon kritisiert habe.
@Matilda,
was die Kosten für Kinder und Partner in der PKV betrifft. Hier übersehen Sie, daß diese Kosten aufgrund der Höhe des Einkommens, das erzielt wird, diese Beiträge in der Regel von der Steuer abgesetzt werden können.
Im übrigen finde ich es sehr befremdlich, wenn nach Jahrzehnten das auf einmal nicht mehr solidarisch mitfinanziert werden soll.
Ich hoffe, Sie persönlich kommen niemals in eine Situation in der Sie nach Ihrem persönlichen Kosten-Nutzen-Verhältnis bewertet und möglicherweise als zu teuer oder zu wenig nützlich eingestuft werden.
Bitte erst richtig lesen, bevor gemotzt wird: in erster Linie geht es darum, versicherungsfremde Leistungen aus den Sozialversicherungen dahin zu überführen, wo sie hingehören: ins Steuersystem. Es ist überhaupt nicht zu verstehen, warum die Beitragszahler der Krankenversicherung die Krankenversicherung der Hausfrauen finanzieren sollen. Damit wird das Grundprinzip einer Versicherung verletzt, dass nur der Anspruch auf Versicherungsleistungen hat, der auch in die Versicherung einzahlt. Im Übrigen müssen Ehegatten (und Kinder) privat Krankenversicherter auch heute schon selbst Beiträge entrichten; dafür gibt es auch in der gesetzlichen KV ein Berechnungsverfahren, dass sich am Gesamteinkommen der Familie orientiert. Braucht man also nicht mal neu zu erfinden.
Mit abschaffen sollte man dann gleich die Witwen-/Witwerrente in der gesetzlichen Rentenversicherung. Hier liegt das gleiche Prinzip vor: Leistungsbezug ohne Beitragszahlung auf Kosten aller anderen Beitragszahler.
... ein "Vollpfosten" auf den besser niemand hört ...
Aber wenn man dann hier liest, niemand bräuchte "Gesundheitsprävention", dann kann das doch nur verwundern!!!!
Maßnahmen zur geeigneten Gesundheitsprävention müsste zwingend oberste Priorität eingeräumt werden.
Und zwar anstelle der meist überflüssigen und völlig überteuerten sogenannten "evidenzbasierten" Medikamente und leider zum Teil damit verstandene Therapien.
Denn das alles dient nur der Einkommenssicherung aller daran Beteiligten.
Wenn Sie die Folgen der sogenannten "Zivilisationskrankheiten" verhindern können, dann dürfen Sie auch verlangen. Aber so!
Wer hat denn schon großes Interesse an einer überwiegend gesunden Bevölkerung????
irrt mal wieder, das konnte er schon gut als Vertreter des Einzelhandelsverbands.
Die Mitversicherung ergibt sich aus der tatsache, daß die mitversicherten Personen eben nicht berufstätig sind, und somit auch kein Gehalt erzielen.
Und es würden eben nicht für "alle" die Beiträge um 0.7 Prozentpunkte sinken, für alle die bisher Mitversicherten steigen die Beiträge um 126€ monatlich.
Ich möchte nicht wissen, wieviel Prozentpunkte das bei einem durchschnittlichen Einzelverdiener am Ende das dann sein werden.
Zustimmen kann man bei den versicherungsfremden Leistungen. Als erstes könnte man so überflüssige Programme wie "Kochen mit der DAK", "Yoga mit der TK", und "Tanzen mit der BKK" ersatzlos streichen.
Wenn man dann noch die Kostenübernahme für nicht evidenzbasierte Medikamente und Therapien noch aus dem Leistungskatalog herausnähme, würde man sich langsam wieder den normalen Zuständen einer "Krankenkasse" annähern.
"Gesundheitsprävention" braucht eigentlich niemand, außer den Gruppen, die davon ihr zumeist recht üppiges Einkommen generieren.
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