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Lungen­krebs-Screening: Trotz Effektivität vorerst keine Empfehlung

Donnerstag, 30. Juni 2011

Bethesda – Ein CT-Screening kann zwar bei starken Rauchern die Sterblichkeit am Lungenkrebs senken. Die jetzt im New England Journal of Medicine (NEJM 2011; doi: 10.1056/NEJMoa1102873) publizierten Details des US-National Lung Screening Trial verdeutlichen jedoch, warum es vorerst keine Empfehlung geben wird.

Das US-National Cancer Institute hatte, wie berichtet, die wesentlichen Ergebnisse des National Lung Screening Trial im November letzten Jahres vorgestellt. An der Studie hatten 53.454 aktive oder ehemalige Raucher mit einer Exposition von mindestens 30 Packungsjahren im Alter von 44 bis 74 Jahren teilgenommen.

Sie wurden dreimal im Abstand von jeweils einem Jahr gescreent. Verglichen wurden eine Früherkennung mit der (als ineffektiv angesehenen) konventionellen Röntgenthorax und eine niedrig dosierte Spiralcomputertomografie (CT).

Ergebnis: Während der sechsjährigen Nachbeobachtungszeit senkte das CT-Screening die Rate der Lungenkrebstodesfälle um 20 Prozent (95-Prozent-Konfidenzintervall 6,8-26,7). Auch in der Gesamtsterblichkeit kam es zu einer Reduktion um 6,7 Prozent (1,2-13,6 Prozent).

Die interne Validität der Studie war nach Einschätzung des Editorialisten Harold Sox von der Dartmouth Medical School in West Lebanon/New Hamphire hoch (NEJM 2011; doi: 10.1056/NEJMe1103776): Nur 3 bis 4 Prozent der Patienten gingen bei der Nachbeobachtung verloren und die Adhärenz lag bei über 90 Prozent. Geringe Unterschiede zwischen beiden Gruppen stellen die Ergebnisse nach Einschätzung von Sox nicht infrage.

Dennoch spricht sich der Editorialist gegen die Einführung eines Lungenkrebsscreenings zum derzeitigen Zeitpunkt aus. Fraglich sei nicht nur, wer die hohen Kosten tragen soll. Allein in den USA gibt es 7 Millionen Erwachsene, die die Einschlusskriterien der Studie erfüllen. Bei einer Ausweitung auf alle Raucher und Exraucher wären es sogar 94 Millionen.

Diese Personen müssten sich jährlich einer CT-Untersuchung des Thorax unterziehen. Diese würde bei mehr als jedem dritten Teilnehmer (39,1 Prozent im CT-Arm der Studie) nach 3 Untersuchungen wenigstens einen positiven Befund ergeben. Fast immer (zu 96,4 Prozent) wäre der Befund falsch-positiv.

Meist handelte es sich um einen vergrößerten Lymphknoten. Ein Tumor konnte zwar in den meisten Fällen durch eine zweite genauere CT-Untersuchung (mit höherer Strahlendosierung) ausgeschlossen werden. Bei 4 Prozent der Verdachtsfälle wurde später jedoch ein chirurgisch-diagnostischer Eingriff (Mediastinoskopie oder -tomie, Thorakoskopie oder -tomie) durchgeführt. Bei weiteren 3,8 Prozent unterzogen sich die Teilnehmer einer Bronchoskopie und in 1,8 Prozent wurde eine perkutane Biopsie durchgeführt.

Das treibt nicht nur die Kosten in die Höhe. Es stellt neben dem psychischen Stress einer vermuteten Krebsdiagnose auch eine körperliche Belastung mit einem gewissen Morbidität- und Mortalitätsrisiko dar: In der Studie starben 16 Personen während des Follow-Ups eines positiven Befundes. In der Kontrollgruppe gab es nur 10 Todesfälle.

Hinzu kommt die Möglichkeit einer Überdiagnose. Im CT-Arm der Studie kam es innerhalb von 6 Jahren zu 1.060 Lungenkrebserkrankungen gegenüber 941 in der Vergleichsgruppe. Die Differenz könnte bedeuten, dass das Screening einen sehr langsam wachsende Tumoren entdeckt hat oder aber, dass sich einige Tumoren spontan zurückbildeten (die bei einem Screening unnötigerweise entfernt worden wären). Dies könnte ein Einwand sein, auch wenn die Ergebnisse insgesamt auf eine Reduktion der Sterblichkeit hinweisen.

Auch das National Cancer Institute und das American College of Radiology äußern sich in Pressemitteilung zurückhaltend zur Einführung eines CT-Screenings. Zunächst sollen jetzt Kosten-Nutzen-Analysen angestellt werden.

Das National Cancer Institute will außerdem klären, welcher Personenkreis den größten Nutzen hätte. Möglicherweise kommt es am Ende zu einer eingeschränkten Empfehlung für einen begrenzten Personenkreis. Für die Raucher könnte die Strapazen und Risiken des Screenings eine weitere Motivation für eine Abstinenzversuch sein. © rme/aerzteblatt.de

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