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IVF: Kryokonservierung begünstigt Makrosomie

Mittwoch, 6. Juli 2011

Paris/Kopenhagen – Die Ver­wendung von kryo­konser­vierten Embryonen bei der In-vitro-Fertilisation(IVF) geht mit einem erhöhten Geburts­gewicht der Kinder einher.

Dies geht aus zwei Studien hervor, die auf der Jahres­tagung der European Society of Human Reproduction and Embryology (ESHRE) in Stock­holm vor­gestellt wurden. Die Bewer­tung fällt unterschiedlich aus.

Bei der IVF werden häufig mehr Eizellen befruchtet als für die Implantation notwendig sind. Die überzähligen Embryonen werden in flüssigem Stickstoff tiefgefroren, um sie für eventuelle spätere Behandlungszyklen zu archivieren.

Das ist nicht nur ethisch höchst umstritten, es gibt auch Bedenken hinsichtlich der Qualität der später wieder aufgetauten Embryonen. Die Gruppe um Sylvie Epelboin vom Bichat-Claude Bernard Hospital in Paris konnte allerdings keine Nachteile in der neonatalen Entwicklung der Kinder feststellen.

Auch die Rate der Frühgeburten war nicht erhöht und die Kinder wurden nicht häufiger per Kaiserschnitt entbunden. Die Statistik zeigt jedoch eine erhöhte Rate von Kindern mit einem erhöhten Geburtsgewicht. Beim durchschnittlichen Geburtsgewicht waren die Unterschiede minimal. Es stieg lediglich um 102 Gramm.

Epelboin sieht den Anstieg des Geburtsgewichts eher positiv, denn die Rate der Mangelgeburten (small-for-gestational age, SGA) war bei Verwendung von zuvor kryokonservierten Embryonen geringer als bei Verwendung von frischen Embryonen.

Epelboin führt dies auf die ovarielle Hyperstimulation zurück, die bei der Frau zur Entnahme einer möglichst großen Zahl von Embryonen durchgeführt wird und die sich auf die frischen Eizellen auswirken könnte. Der einzige Nachteil bei der Verwendung kryokonservierter Embryonen könnte eine etwas höhere Rate von Jungen gegenüber Mädchen sein, berichtet die Forscherin.

Epelboin hat in ihrer Analyse allerdings nur Daten zu Kindern verglichen, die per IVF geboren wurden (13.682 unter Verwendung frischer und 2.140 unter Verwendung kryokonservierter Embryonen). Anja Pinborg vom Rigshospital Kopenhagen bezieht neben 9.603 Kindern, die mit „frischen“, und 910 Kindern, die mit kryokonservierten Embryonen gezeugt wurden, auch 4.656 auf natürlichem Wege gezeugte Kindern in ihrem Vergleich ein.

Sie berichtet von einer erhöhten Rate von hypertrophen Neugeborenen. Die Häufigkeit von Large-for-gestational-age-Babies (LGA-Babys) lag bei der Zeugung mit kryokonservierten Embryonen bei 16,9 Prozent, bei der Verwendung von frischen Embryonen bei 10,3 Prozent gegenüber einer Rate von 11,4 Prozent bei natürlich gezeugten Kindern. Die Rate von makrosomen Neugeborenen (Geburtsgewicht 4500 Gramm oder höher) betrug 5,6 Prozent, 2,8 Prozent und 3,4 Prozent in den drei Gruppen. Die Rate der SGA-Geburten betrug 9,2 Prozent (kryokonservierte Embryonen), 14,8 Prozent (frische Embryonen) und 11,3 Prozent (natürlich gezeugte Embryonen).

Vor- und Nachteile der Kryokonservierung könnten sich demnach die Waage halten, und die Verwendung des Begriffs „Large Offspring Syndrome“ von Pinborg mag übertrieben sein. Der Terminus stammt aus dem Bereich des reproduktiven Klonens in der Veterinärmedizin (Stichwort: Klonschaf Dolly).

Die geklonten Tiere haben nicht selten das doppelte Gewicht eines normalen Neugeborenen, wovon bei der Verwendung von kryokonservierten Embryonen nicht die Rede sein kann. Berechtigt ist allerdings die Frage nach den Ursachen.

Pinborg vermutet, dass sich das Einfrieren und das Auftauen der Embryonen zu epigenetischen Veränderungen geführt haben könnte, wie sie im veterinärmedizinischen Bereich (bei geklonten Embryonen) bereits nachgewiesen werden konnten. Ob dies auch beim Menschen und bei der IVF der Fall ist, dürfte Gegenstand zukünftiger Untersuchungen sein. © rme/aerzteblatt.de

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