Politik

PID: Gegner und Befürworter bringen sich in Stellung

Mittwoch, 6. Juli 2011

Berlin – Kurz vor der Abstimmung über die Präimplantationsdiagnostik (PID) haben sich Gegner und Befürworter in Stellung gebracht. Bundessozialministerin Ursula von der Leyen(CDU) warb heute für eine begrenzte Zulassung der PID.

Die Anhänger eines strikten Verbots warfen den Befürwortern der Gentests vor, mit einer „gesetzlich erlaubten Auswahl von Embryonen“ einen ethischen und gesellschaftlichen Paradigmenwechsel zu erzwingen.

Der Bundestag entscheidet morgen über die Zulassung der umstrittenen Gentests an Embryonen aus künstlicher Befruchtung.

Die Abstimmung über die Präimplantations­diagnostik wird – wie bei ähnlich sensiblen ethischen Fragen – jenseits aller Parteivorgaben freigegeben.

Es liegen drei Anträge vor, ob Gentests an Embryonen mit Strafandrohung verboten, in sehr engen Grenzen zugelassen oder nur für schwere Erbkrankheiten freigegeben werden sollen.

Von der Leyen schrieb im Hamburger Abendblatt, sie sei nach reiflicher Abwägung dafür, die PID in klaren, engen Grenzen zu erlauben: „Meine Erfahrungen als Ärztin haben mich am strengen Verbot zweifeln lassen.“

Die PID sei eine medizinische Hilfe für erblich schwer vorbelastete Paare, die Angst vor einer weiteren natürlichen Schwangerschaft haben. „Ihnen wollen wir Mut machen“, sagte die Ministerin.

Ein Verbot der PID hieße dagegen, „die Augen vor den neuen Möglichkeiten der Medizin zu verschließen, schwierige moralische Konflikte aber an die Eltern weiter zu delegieren“, gab von der Leyen zu bedenken.

„Der selektive Blick der PID stellt in der Konsequenz eine Qualitätskontrolle menschlichen Lebens dar“, heißt es dagegen in einem Brief des CDU-Rechtsexperten Günter Krings und des CSU-Gesundheitspolitikers Johannes Singhammer an die Unions-Abgeordneten, aus der die Financial Times Deutschland zitiert. „Embryonen sind keine Gegenstände, mit denen nach Belieben verfahren werden kann.“

Ähnlich argumentierte die Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt. Es gehe bei der PID-Frage um die ethische Richtungsentscheidung, ob eine Gesellschaft zukünftig Menschen mit Behinderungen aussortiere oder das Leben in seiner Vielfalt zulassen wolle, sagte Göring-Eckardt heute in Erfurt.

Mit Blick auf betroffene Paare betonte die Politikerin, dass sie um deren Nöte wisse. Allerdings sei auch die PID kein Heilsversprechen, das die Erwartung auf gesunde Kinder erfüllen könne, sagte die Vize-Präsidentin des Deutschen Bundestags.

Der CDU-Abgeordnete Peter Hintze sprach sich dagegen erneut für eine Zulassung der PID aus. „Die deutsche Bevölkerung ist mit großer Mehrheit für die PID, so wie zuletzt auch der Deutsche Ärztetag.

Als Volksvertreter sollten wir in dieser existenziellen Frage das Volk vertreten und die PID zulassen“, sagte Hintze heute in Berlin.

Hintze steht für den Antrag, der eine begrenzte Zulassung der PID vorsieht. Danach soll die Methode Paaren offen stehen, die eine Veranlagung für eine schwerwiegende Erbkrankheit haben oder bei denen mit einer Tot- oder Fehlgeburt zu rechnen ist.

Jeder Fall soll von einer Ethikkommission beurteilt werden, möglich sein soll die PID nur an spezialisierten Zentren.

Sollte im Parlament für keinen der drei Entwürfe eine Mehrheit zustande kommen, bleibt es bei der geltenden Praxis, nach der die PID unter bestimmten Voraussetzungen geduldet wird.

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  © kna/dapd/aerzteblatt.de

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