London – Die Bankenkrise ab 2008 hat nicht nur die Weltwirtschaft erschüttert. Es kam auch zu einem Anstieg der Suizidrate, während die Zahl der Verkehrstoten zurückging.
Der Anstieg der Suizide war von David Stuckler von der Oxford Universität vorhergesagt worden.
Der Soziologe hatte in einer früheren Studie gezeigt, dass in den europäischen Ländern zwischen 1970 und 2007 die Suizidrate immer dann anstieg, wenn die Wirtschaft in eine Rezessionen abgeglitten war: Pro einem Prozent mehr Arbeitslosigkeit errechnete Stuckler einen Anstieg der Suizide bei den unter 65-Jährigen um 0,8 Prozent (Lancet 2009; 374: 315–23).
Dies war auch 2008 nicht anders, als zahlreiche europäische Banken in den Strudel der US-Finanzkrise gerieten. Es kam europaweit zu einem starken Anstieg der Arbeitslosigkeit um etwa ein Drittel - und prompt nahmen auch die Suizide zu, wie Stuckler anhand der allerdings noch lückenhaften Statistiken von EUROSTAT belegt (Lancet 2011; 378: 124-125).
Am stärksten stieg die Suizidrate in den alten Mitgliedsländer der EU (plus 7 Prozent), während die Menschen in den neuen Mitgliedsländern die Krise mental besser bewältigten (Suizide: plus 1 Prozent). Besonders stark betroffen waren Griechenland (plus 17 Prozent) und Irland (plus 13 Prozent). Einzig in Österreich lag die Suizidrate um 5 Prozent niedriger als in 2007. In diesem Land war aber auch die Arbeitslosigkeit kaum angestiegen. Anders als in Finnland, das stark von der Krise betroffen war und wo die Suizidrate um 5 Prozent anstieg. Für Stuckler ein Hinweis darauf, dass eine ausgeprägtes Sozialsystem die psychischen Auswirkungen einer Wirtschaftskrise nicht (völlig) auffangen kann.
Eine andere von Stuckler vorhergesehene Folge war ein Rückgang der Verkehrstoten. In Litauen nahm die Zahl um fast 50 Prozent ab, allerdings von einem sehr hohen Niveau aus, wie Stuckler bemerkt. Der Rückgang der Verkehrstoten hatte übrigens auch Folgen für die Transplantationsmedizin.
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