Medizin

Stammzelltherapie lindert Angina pectoris

Montag, 11. Juli 2011

Chicago – Intrakardiale Stammzell­injektionen haben in einer Phase-II-Studie in Circulation Research (2011; doi: 10.11611/CIRCRESAHA.­111.245993) bei Patienten mit refraktärer Angina pectoris die Zahl der Schmerzattacken reduziert und die ergometrische Belastbarkeit erhöht.

An der Studie beteiligten sich an 26 Zentren in den USA 167 Patienten mit refraktärer Angina pectoris der Klasse III oder IV. Trotz einer optimalen medikamentösen Therapie litten sie mehrfach in der Woche an ischämischen Attacken. Eine perkutane koronare Inter­vention erschien aufgrund einer früheren Katheteruntersuchung nicht erfolgversprechend.

Für die Studie wurden die Patienten zunächst mit dem Granulozyten-Kolonie stimulierenden Faktor (G-CSF) behandelt. Die dadurch mobilisierten Stammzellen (CD34+) wurden mittels Leukapherese aus dem peripheren Blut isoliert.

Diese Zellen wurden später über einen Herzkatheter durch die Wand der Koronarien hindurch in das Myokard injiziert und zwar an jene Stellen, die zuvor als vital, aber ischämisch identifiziert worden waren.

Dies geschah mittels eines sogenannten Navigations-Katheters, der die Position der Koronarien im Zeitverlauf registriert und aus den Bewegungen und den elektrischen Ableitungen („elektromechanisches Mapping“) die Beweglichkeit des Herzmuskels untersucht hatte.

Im Rahmen einer doppelblinden Dosis-Findungsstudie wurden drei unterschiedliche Dosierungen mit Placebo verglichen. Bereits unter der niedrigsten Dosierung kam es zu einer Senkung in der Frequenz der Angina-pectoris-Attacken, dem primären Endpunkt der Studie.

Wie Douglas Losordo vom Feinberg Cardiovascular Research Institute in Chicago und Mitarbeiter mitteilen, ging die Zahl der Angina-pectoris-Episoden von 10,9 im Placeboarm auf 6,8 pro Woche zurück. Auch nach 12 Monaten bestand hier ein signifikanter Unterschied (11,0 versus 6,3 Episoden pro Woche). In den höheren Dosierungen waren die Ergebnisse noch besser. Der Unterschied zur niedrig dosierten Stammzelltherapie war aber nicht signifikant.

Auch in der ergometrischen Belastbarkeit erzielte bereits die niedrige Dosierung einen Vorteil. Die Patienten wurden erst nach 139 versus 69 Sekunden (Untersuchungstermin 6 Monate) und nach 140 versus 58 Sekunden (12 Monate) symptomatisch.

Die höhere Belastbarkeit hatte auch Auswirkungen auf das Auftreten kardialer Ereignisse: Während im Placeboarm 15 Patienten (26,8 Prozent) starben, einen Herzinfarkt erlitten, revaskularisiert werden mussten oder eine Herzinsuffizienz entwickelten, trat dieser MACE (“major adverse cardiovascular endpoints”) nach der niedrig dosierten Stammzelltherapie nur bei 7 Patienten (12,7 Prozent) auf. Das Signifikanzniveau wurde hier allerdings verfehlt.

Da die Intervention (ein Todesfall im Placebo-Arm, wo ebenfalls herzkatheterisiert wurde) nicht ohne Risiko ist, dürften die Zulassungsbehörden die Ergebnisse von Phase-III-Studien abwarten, zumal über den genauen Wirkungsmechanismus keine definitiven Erkenntnisse vorliegen. In diesem Sinne äußerte sich auch die British Heart Foundation. © rme/aerzteblatt.de

Anzeige
Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Medizin

Nachrichten zum Thema

23.08.16
Schlaganfall: Stammzelltherapie bei Mäusen erfolgreich
Los Angeles - Die Kombination einer Stammzelltherapie mit Infusionen des Proteins 3K3A-APC, das das Absterben der transplantierten Zellen verhindern soll, hat bei Mäusen die Erholung nach einem......
11.07.16
Leverkusen – 60 Prozent der Bundesbürger sind prinzipiell zu einer Stammzellenspende bereit, doch nur knapp die Hälfte der potenziellen Spender hat sich bislang der dafür notwendigen Typisierung......
27.06.16
Vor der Zulassung: Suizidale T-Zellen verhindern Graft-Versus-Host-Reak­tion
London – Die europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) hat sich für die Zulassung einer Gentherapie ausgesprochen, die T-Zellen vor einer haploidentischen Stammzelltherapie im Labor mit einem Suizid-Gen......
10.06.16
Stammzelltherapie verspricht riskante Heilung einer aggressiven Multiplen Sklerose
Ottawa – Eine Immunablation gefolgt von einer autologen Stammzelltransplantation hat in einer Behandlungsserie 23 Patienten im Frühstadium einer sehr aggressiven Multiplen Sklerose langfristig vor......
03.06.16
Empfänger von Stammzell­transplantationen altern schneller
Birmingham – Erwachsene Empfänger von hämatopoetischen Stammzelltransplantationen waren in einer US-Kohorte weniger als zehn Jahre nach der Behandlung deutlich schneller gealtert als ihre Geschwister.......
18.05.16
Stammzell­transplantation: Einige Breitband-­Antibiotika verursachen tödliche Komplikationen nach GvHD
Nicht jedes Breitband-Antibiotika ist für Patienten, die eine allogene hämatopoetische Zelltransplantation (allo-HSCT) erhalten haben geeignet. Einige, die das Mikrobiom aus dem Gleichgewicht bringen,......
06.05.16
Morbus Parkinson: Transplantierte Zellen überlebten 25 Jahre
Lund – Embryonale Stammzellen können nach einer Transplantation im Gehirn langfristig überleben. Bei einem Patienten mit Morbus Parkinson, der vor 25 Jahren an einer klinischen Studie in Schweden......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige