6.758 News Politik

Politik

EHEC-Epidemie: Universitätskliniken fordern Gesetz zur Übernahme von Mehrkosten

Freitag, 15. Juli 2011

Hannover/Hamburg – Die Kliniken in den von der EHEC-Epidemie stark betroffenen Bundesländern haben zeitweise bis an ihre Leistungsgrenze gearbeitet. So wurde nach Angaben von Oberarzt Jan T. Kielstein von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) über mehrere Wochen ohne Unterbrechung Tag und Nacht auf der Dialysestation gearbeitet.

Im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) hatte das Personal wegen der unerwartet hohen Zahl an Patienten und der Schwere der Erkrankungen ebenfalls große logistische Herausforderungen zu meistern. Infolge dessen fordern die Universitätskliniken eine Regelung zur Kostenübernahme bei Extremfällen.

„Im Mittelpunkt stand die Behandlung mit der Plasmapherese (Plasmaaustausch) sowie ein erhöhter Bedarf an Dialysen, da viele HUS-Patienten ein akutes Nierenversagen erlitten“, sagte Kielstein am Freitag.

Auch die Ärzte und Schwestern auf den Intensivstationen hatten eine große Zahl von Patienten mit schweren Verlaufsformen zu betreuen. Die Kranken mussten teilweise über Wochen im künstlichen Koma beatmet werden, sagte Kielstein.

Aber nicht nur die Abteilungen der Inneren Medizin und der Intensivmedizin waren stark beansprucht. „Da die Mehrheit der HUS-Patienten leicht bis schwer neurologisch erkrankt war, was sich in Konzentrationsstörungen, Sehstörungen, aber auch Krampfanfällen äußerte, waren auch die Neurologen und Neuroradiologen extrem gefordert“, sagte Kielstein. Rund um die Uhr sei auch in den Laborbereichen gearbeitet worden.

Patienten im Durchschnitt bis zu 18 Tage in Klinik
Darüber hinaus habe die notwendige Isolation der Patienten hohe Anforderungen an die Hygiene-Maßnahmen in den Krankenhäusern gestellt, sagte der 42-Jährige. Nach Angaben von Sigrid Harendza, Oberärztin der nephrologischen Abteilung am UKE, kam die Herausforderung hinzu, die unerwartet vielen HUS-Patienten rasch mit der notwendigen Therapie zu versorgen. So musste die Zahl der Plasmaaustausch-Behandlungen beispielsweise innerhalb weniger Tage von täglich ein bis zwei auf bis zu 40 erhöht werden.

Kielstein zufolge wurden in der MHH die HUS-Patienten im Durchschnitt 16 bis 18 Tage stationär behandelt, eine knappe Woche davon auf der Intensivstation. Die Verläufe seien jedoch sehr unterschiedlich gewesen. So benötigten viele der Patienten, insbesondere mit schweren neurologischen Verläufen, zusätzliche stationäre Rehabilitations-Maßnahmen.

Gesetzliche Regelung zur Übernahme von Mehrkosten gefordert
Als Folge der Epidemie forderte der Verband der Universitätsklinika Deutschlands (VUD) vom Bund eine gesetzliche Regelung zur Übernahme von Mehrkosten in akuten Versorgungssituationen. Dazu gehörten neben Epidemien auch Transplantationen und die Versorgung Frühgeborener, sagte VUD-Generalsekretär Rüdiger Strehl.

Darüber hinaus sollten sich Bund und Länder für eine Professionalisierung des Meldewesens bei Epidemien einsetzten. So müssten sich die Landesbehörden in „koordiniertes Verfahren“ einreihen und ihre Kapazitäten an qualifiziertem Personal ausbauen. Darüber hinaus müssten mehr Kompetenzen beim Robert-Koch-Institut gebündelt werden. © dapd/aerzteblatt.de

Anzeige
Drucken Versenden Teilen
6.758 News Politik

Nachrichten zum Thema

08.11.12
Lebensmittel­kontrolle beanstandete 2011 ein Viertel der Betriebe
Berlin – Die Lebensmittelkontrolleure in Deutschland haben im vergangenen Jahr erneut etwa jeden vierten Betrieb beanstandet. Insgesamt wurden in rund 146.000 der untersuchten Firmen Verstöße...
20.07.12
EU testet Frühwarnsystem nach EHEC-Krise
Brüssel – Mit systematischen Praxistests stellt die EU nach der letztjährigen EHEC-Epidemie ihr europaweites Frühwarnsystem auf die Probe. Damit solle sichergestellt werden, dass Gesundheitsrisiken...
09.07.12
Kiel – Das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) erhält von den gesetzlichen Krankenkassen in Schleswig-Holstein eine Sonderzahlung für den zusätzlichen Aufwand des Klinikums im Zusammenhang...
09.02.12
Bundestag verschärft Meldepflichten für Krankheiten
Berlin – Die Bundesregierung zieht Konsequenzen aus der EHEC-Krise. Ein heute vom Bundestag beschlossenes Gesetz soll unter anderem die Meldeverfahren für gefährliche Krankheiten beschleunigen. Zwar...
10.01.12
Lehren aus der EHEC-Krise
Berlin – Eine Lehre aus der EHEC-Krise sei, Neurologen bei ähnlichen Ereignissen künftig früher einzubeziehen. Das erläuterte die Deutsche Gesellschaft für NeuroIntensiv- und Notfallmedizin im Vorfeld...
29.12.11
EHEC-Epidemie 2011: Patienten geht es besser als befürchtet
Hamburg – Im Sommer 2011 sorgte die EHEC-Epidemie bundesweit für Besorgnis. Fast 4.000 Menschen infizierten sich von Mai bis Juli mit dem Darmbakterium des aggressiven Typs O104:H4. Rund 850 davon...
27.12.11
Abschlussbericht zum EHEC-Ausbruch 2011
Berlin – Der EHEC-Ausbruch von Mai bis Juli 2011 war der größte Ausbruch mit enterohämorrhagischen Escherichia coli (EHEC), den es seit dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland gegeben hat. Das berichtet...

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Mehr zum Thema


Themen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Z
Suchen

Login

E-Mail

Passwort


Passwort vergessen?

Registrieren

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Merkliste

Anzeige
Eingeloggt als

Suchen in