EHEC-Epidemie: Universitätskliniken fordern Gesetz zur Übernahme von Mehrkosten
Freitag, 15. Juli 2011
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| dpa |
Hannover/Hamburg – Die Kliniken in den von der EHEC-Epidemie stark betroffenen Bundesländern haben zeitweise bis an ihre Leistungsgrenze gearbeitet. So wurde nach Angaben von Oberarzt Jan T. Kielstein von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) über mehrere Wochen ohne Unterbrechung Tag und Nacht auf der Dialysestation gearbeitet.
Im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) hatte das Personal wegen der unerwartet hohen Zahl an Patienten und der Schwere der Erkrankungen ebenfalls große logistische Herausforderungen zu meistern. Infolge dessen fordern die Universitätskliniken eine Regelung zur Kostenübernahme bei Extremfällen.
„Im Mittelpunkt stand die Behandlung mit der Plasmapherese (Plasmaaustausch) sowie ein erhöhter Bedarf an Dialysen, da viele HUS-Patienten ein akutes Nierenversagen erlitten“, sagte Kielstein am Freitag.
Auch die Ärzte und Schwestern auf den Intensivstationen hatten eine große Zahl von Patienten mit schweren Verlaufsformen zu betreuen. Die Kranken mussten teilweise über Wochen im künstlichen Koma beatmet werden, sagte Kielstein.
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Aber nicht nur die Abteilungen der Inneren Medizin und der Intensivmedizin waren stark beansprucht. „Da die Mehrheit der HUS-Patienten leicht bis schwer neurologisch erkrankt war, was sich in Konzentrationsstörungen, Sehstörungen, aber auch Krampfanfällen äußerte, waren auch die Neurologen und Neuroradiologen extrem gefordert“, sagte Kielstein. Rund um die Uhr sei auch in den Laborbereichen gearbeitet worden.
Patienten im Durchschnitt bis zu 18 Tage in Klinik
Darüber hinaus habe die notwendige Isolation der Patienten hohe Anforderungen an die Hygiene-Maßnahmen in den Krankenhäusern gestellt, sagte der 42-Jährige. Nach Angaben von Sigrid Harendza, Oberärztin der nephrologischen Abteilung am UKE, kam die Herausforderung hinzu, die unerwartet vielen HUS-Patienten rasch mit der notwendigen Therapie zu versorgen. So musste die Zahl der Plasmaaustausch-Behandlungen beispielsweise innerhalb weniger Tage von täglich ein bis zwei auf bis zu 40 erhöht werden.
Kielstein zufolge wurden in der MHH die HUS-Patienten im Durchschnitt 16 bis 18 Tage stationär behandelt, eine knappe Woche davon auf der Intensivstation. Die Verläufe seien jedoch sehr unterschiedlich gewesen. So benötigten viele der Patienten, insbesondere mit schweren neurologischen Verläufen, zusätzliche stationäre Rehabilitations-Maßnahmen.
Gesetzliche Regelung zur Übernahme von Mehrkosten gefordert
Als Folge der Epidemie forderte der Verband der Universitätsklinika Deutschlands (VUD) vom Bund eine gesetzliche Regelung zur Übernahme von Mehrkosten in akuten Versorgungssituationen. Dazu gehörten neben Epidemien auch Transplantationen und die Versorgung Frühgeborener, sagte VUD-Generalsekretär Rüdiger Strehl.
Darüber hinaus sollten sich Bund und Länder für eine Professionalisierung des Meldewesens bei Epidemien einsetzten. So müssten sich die Landesbehörden in „koordiniertes Verfahren“ einreihen und ihre Kapazitäten an qualifiziertem Personal ausbauen. Darüber hinaus müssten mehr Kompetenzen beim Robert-Koch-Institut gebündelt werden.
© dapd/aerzteblatt.de
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