Möglicher Biomarker für Autismus entdeckt
Montag, 18. Juli 2011
Cambridge – Bei Geschwistern von Personen mit Autismus zeigt sich eine ähnliche Gehirntätigkeit, wie bei den Autisten selber, wenn sie emotionale Gesichtsausdrücke betrachten. Wissenschaftler um Michael Spencer von der University of Cambridge bezeichnen diese reduzierte Aktivität in einem Teil des Gehirns als möglichen Biomarker für Autismus. Ihre Entdeckungen publizierten sie in der Zeitschrift Translational Psychiatry (doi:10.1038/tp.2011.18).
Bisherige Forschungsarbeiten haben gezeigt, dass Personen mit Autismus sich häufig bemühen, die Gefühle von Leuten zu interpretieren und dass ihr Verstand emotionale Gesichtsausdrücke verschiedener Personen bearbeiten kann. Die aktuelle Studie zeigt jedoch, dass auch die Geschwister von Personen mit Autismus eine verminderte Gehirnaktivität in bestimmten Arealen aufweisen, wenn sie andere Gesichter betrachten.
Die Wissenschaftler studierten die Daten von insgesamt 40 Familien, die einen Teenager mit Autismus und gesunde Geschwister hatten. Sie verglichen diese Familien mit 40 gesunden Teenagern ohne positive Familienanamnese.
Bei dem Betrachten von Porträtbildern mit verschiedenen Emotionen führten die Wissenschaftler ein MRT durch. Im Anschluss verglichen sie die MRT-Scans der Probanden, bei dem Anschauen eines fröhlichen oder neutralen Porträtbildes.
Insgesamt zeigte sich, dass die Geschwister von Personen mit Autismus oder einem Asperger-Syndrom eine verminderte Aktivität in den Gebieten des Gehirns aufwiesen, die mit Empathie vergesellschaftet sind. Der Unterschied zwischen den Autisten und ihren Geschwistern bestand darin, dass die Autisten einen höheren Grad an Inaktivität in den einzelnen Gehirnarealen aufwiesen als ihre nicht betroffenen Geschwister.
Die Forscher schlossen, dass die Aktivitätsunterschiede in den einzelnen Gehirnarealen auf Gendefekte zurückzuführen seien. Bekanntermaßen sind in einer Familie mit einem Kind mit Autismus die Risiken für ein weiteres Kind auch einen Autismus zu entwickeln etwa 20fach erhöht. Die unterschiedlichen Verlaufsformen der Erkrankung sind laut der Arbeitsgruppe bislang jedoch noch nicht erklärbar.
© rme/aerzteblatt.de
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