Politik

Pflegerat findet Abwerbung ausländischer Fachkräfte unmoralisch

Montag, 18. Juli 2011

Essen/Berlin – Der Deutsche Pflegerat hält die Abwerbung ausländischer Pflegefachkräfte aus moralischen Gründen für bedenklich. Verbandspräsident Andreas Westerfellhaus sagte den Zeitungen der WAZ-Gruppe vom Dienstag, grundsätzlich sei zwar jede Pflegekraft aus dem Ausland in Deutschland willkommen, wenn sie qualifiziert sei und die Sprache beherrsche. „Ich finde es aber zutiefst unethisch und unmoralisch, wenn wir die Pflegekräfte dort abwerben“, fügte er hinzu.

Denn auf diese Weise würden Lücken in die Versorgung der anderen Länder gerissen. Westerfellhaus reagierte auf Pläne der Bundesagentur für Arbeit (BA), die beispielsweise Pflegekräfte aus Portugal für den heimischen Arbeitsmarkt gewinnen möchte. Stattdessen appellierte Westerfellhaus an die Politik, für bessere Arbeitsbedingungen zu sorgen, um den Pflegeberuf attraktiver zu machen.

Anzeige

Bundesagentur setzt auf qualifizierte Zuwanderer
Angesichts des Fachkräftemangels in Deutschland setzt die BA auf qualifizierte Zuwanderer aus den europäischen Krisenländern Spanien, Griechenland und Portugal. „Es gibt ein großes Potenzial in Spanien“, sagte die Direktorin der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung, Monika Varnhagen, der Zeitung Die Welt. Tausende von Ingenieuren seien dort arbeitslos, auch IT-Spezialisten.

Nach ihren Angaben sind allein 17.000 Spanier grundsätzlich an einer Arbeit in Deutschland interessiert. In Portugal gebe es ein großes Interesse von Pflegekräften, nach Deutschland zu kommen. Auch für griechische Mediziner sei Deutschland interessant. Potenzial für Ingenieure, Ärzte, Pflegepersonal und Facharbeiter gebe es aber auch in Bulgarien und Kroatien.

© dapd/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

remplaçante
am Montag, 18. Juli 2011, 22:28

alles ist relativ!

Vor nicht allzu langer Zeit sprach man auch in Deutschland noch von der Äerzteschwemme, so hat man reihenweise motivierte Kollegen ins Ausland und in fachfremde Tätigkeiten getrieben.
Wenn Politiker und "Experten" jetzt von einem "Fachkräftemangel" sprichen, so sollte man sich auch zunächst davor hüten, dies für bare Münze zu nehmen. Im Grunde ist nur der Ueberschuss an Fachkräften entfallen, der es Arbeitgebern erleichtert, Arbeitsbedingungen nach Lust und Laune zu diktieren und Löhne zu drücken.
Es geht nicht darum, "Grenzen abzuschotten" oder Ressentiments zu schüren gegenüber ausländischen Fachkräften, sondern man sollte sich vielleicht überlegen, wie man inlândische Pflegekräfte und Aerzte bei der Stange hält oder zurückgewinnt.
jokomorowski
am Montag, 18. Juli 2011, 21:23

Unmoralisch?

Da in einigen der genannten Länder ein Überangebot der hier dringend gesuchten Fachkräfte existiert, muss die Frage erlaubt sein, ob hier die "Moralkeule" aus Unwissenheit aus dem Sack gezogen wird oder ob die Vorbehalte gegenüber ausländischen Fachkräften anderweitig motiviert sind ...
5.000 News Politik

Nachrichten zum Thema

30.08.16
Gutachtenstelle für Gesundheitsberufe nimmt Arbeit auf
Bonn – Um Ausländern und Flüchtlingen den Zugang zu Gesundheitsberufen zu erleichtern, hat heute eine bundesweite Gutachtenstelle für Gesundheitsberufe in Bonn ihre Arbeit aufgenommen. In der von der......
16.08.16
Kamenz – Von der Anerkennung im Ausland erworbener Berufsabschlüsse profitiert in Sachsen vor allem das Gesundheitswesen. Im vergangenen Jahr waren unter den insgesamt 1.034 anerkannten......
27.06.16
Dresden – Ausländische Ärzte, Pfleger, Therapeuten und Apotheker haben der Willkommenskultur in Sachsen gute Noten gegeben. Bei einem parlamentarischen Abend für ausländische Fachkräfte im......
22.12.15
Berlin – Im deutschen Gesundheitswesen arbeiten immer mehr Fachkräfte aus dem Ausland. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Wirtschaftsforschungsunternehmens Prognos, die das Bundesministerium für......
23.10.15
Stuttgart – Mehr als 70 Migranten haben im Südwesten eine Ausbildung zum Altenpflegehelfer begonnen. Im Herbst seien je fünf Klassen in fünf Schulen gestartet, sagte eine Sprecherin des Stuttgarter......
14.08.15
Neue Webseite soll Einstellung ausländischer Pflegekräfte erleichtern
www.triple-win-pflegekraefte.de Duisburg – Die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit und die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ)......
22.07.15
Jede fünfte zugewanderte Pflegekraft stammt aus Polen
Wiesbaden/Gütersloh – Polen ist mit einem Anteil von 20 Prozent das Herkunftsland der meisten zugewanderten Pflegekräfte in Deutschland. Im Jahr 2013 arbeiteten 76.000 zugewanderte Personen mit......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige