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Vegetarische Diät beugt Divertikulitis vor

Mittwoch, 20. Juli 2011

Oxford – Vegetarier erkranken und sterben seltener an einer Divertikulose. Die protektive Wirkung war in einer prospektiven Beobachtungsstudie im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2011; 343: d4131) unabhängig von einer ballaststoffreichen Ernährung, die einer Divertikulose ebenfalls vorbeugt. Angesichts einer hohen Number needed to treat dürften sich Fleischesser jedoch kaum von den Vorteilen einer vegetarischen Lebensweise überzeugen lassen.

Die Divertikulose ist eine typische Folge der westlichen Lebensgewohnheiten. Die industriell gefertigten Nahrungsmittel enthalten kaum noch Ballaststoffe. Das Kotvolumen nimmt ab, und der langsamere Transit im Colon steigert die Reabsorption von Wasser. Der Stuhlgang wird für viele Menschen zur Qual.

Die steigenden intraluminalen Drücke schwächen die Darmwand, in denen sich dann die charakteristischen Aussackungen bilden, die Ärzte bei in der Koloskopie bei bis zu zwei Drittel aller älteren Menschen sehen.

Wenn sich in den Divertikeln Kotsteine bilden, kann es zu Drucknekrosen und einer sehr schmerzhaften Entzündung kommen. Abszesse, Fisteln und Darmperforationen machen die Divertikulitis zu einer potenziell lebensgefährlichen Erkrankung.

Unter den 47.000 Teilnehmern der Oxford-Kohorte der EPIC-Studie kam es – in einem für die Erkrankung noch recht jungen Durchschnittsalter von 50 Jahren – innerhalb von 11,6 Jahren Nachbeobachtungszeit zu 812 Hospitalisierungen wegen einer Divertikulitis, darunter waren sechs Todesfälle.

Trotz der insgesamt geringen Anzahl der Erkrankungen konnte die Ernährungsepidemiologin Francesco Crow von der Oxford Universität eine inverse Assoziation mit dem Fasergehalt der Ernährung nachweisen: Teilnehmer im obersten Quintil der ballaststoffreichen Ernährung erkrankten zu 41 Prozent seltener an einer schweren Divertikulitis: Das relative Risiko von 0,59 war mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,46 bis 0,78 signifikant. Dieses Ergebnis war erwartet worden. Auch frühere prospektive Studien, wie die “Health professionals follow-up”-Studie waren zu ähnlichen Ergebnissen gekommen.

Das Datenmaterial der EPIC-Studie zeigt aber noch weitere Assoziationen auf: Ein erhöhtes Erkrankungsrisiko haben danach auch Raucher (RR 1,86), Übergewichtige (RR 1,67 bei BMI 27,5 oder höher), Hypertoniker (RR 1,44), Hyperlipidämiker (RR 1,47) und tendenziell auch Diabetiker (RR 1,23), während Bildung und hohes Einkommen sowie tendenziell auch sportliche Aktivität vor einer Divertikulitis schützen.

Diese Risikofaktoren lassen sich vermutlich auf den Fasergehalt der Nahrung zurückführen. Crow ermittelte jedoch noch einen weiteren unabhängigen protektiven Faktor: Vegetarier erkrankten zu 31 Prozent seltener an einer schweren Divertikulitis als Fleischesser (RR 0,69; 0,55-0,86).

Diese Assoziation blieb nach Auskunft von Crow in einer Multivariat-Analyse, die andere Risiken in die Berechnung einfließen ließ, signifikant. Wie die protektive Wirkung zustande kommen könnte, ist unklar. Die Vermutung von Crow, eine fleischhaltige Ernährung könnte die Darmflora ungünstig beeinflussen und die Darmwand schwächen, ist Spekulation.

Der Editorialist David Humes von der Universität Nottingham bleibt jedenfalls skeptisch. Er verweist darauf, dass die kumulative Wahrscheinlichkeit, im Alter von 50 bis 70 Jahren wegen einer schweren Divertikulitis hospitalisiert zu werden oder gar zu sterben, nach den Berechnungen von Crow durch eine vegetarische Ernährung gerade einmal von 4,4 Prozent auf 3,0 Prozent gesenkt werde. Seine Berechnung der Number needed to treat, ergab, dass 71 Fleischesser von einer vegetarischen Lebensweise überzeugt werden müssten, um eine schwere Divertikulitis zu verhindern. © rme/aerzteblatt.de

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