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EHEC: Aufhebung von Verzehrverboten und Ahnenforschung

Donnerstag, 21. Juli 2011

Münster/Berlin – Die EHEC-Epidemie in Deutschland ist jetzt offiziell beendet. Nachdem es seit dem 7. Juli keine Neuerkrankungen mehr gegeben hat, hat das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) jetzt die Verzehrwarnungen weitgehend aufgehoben. Bei den Grundlagenforschern hat die Suche nach den genetischen Ahnen von EHEC O104:H4 begonnen.

Laut Robert-Koch-Institut sind (einschließlich der Verdachtsfälle) in Deutschland 4,349 Menschen an EHEC-Infektionen erkrankt, davon 857 am hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS). Es gab 49 Todesfälle. Zwei Wochen nach der letzten Neuerkrankung sind keine weiteren Fälle zu erwarten, da die Quelle der Erreger geschlossen werden konnte.

Wie berichtet waren Bockshornkleesamen aus Ägypten über einen niedersächsischen Gartenbaubetrieb, der daraus Sprossen und Keimlinge zog, in den Vertrieb gelangt. Da keine neuen Erkrankungen aufgetreten sind, scheint der Rückruf und die Beseitigung aller im Zeitraum 2009 bis 2011 aus Ägypten importierter Chargen Wirkung gezeigt zu haben. Ein Importverbot für neuere Chargen gilt noch bis 31. Oktober. 

Ein Infektionsrisiko besteht aus Sicht des BfR derzeit noch über Bockshornkleesamen in Privathaushalten. Die Verbraucher wurden deshalb ermahnt, in ihren Vorräten nach etwaigen in den Jahren 2009 bis 2011 gekaufte Produkte zu suchen und diese mit dem Restmüll zu entsorgen.

Ein weiteres Infektionsrisiko besteht theoretisch noch über Schmierinfektionen von Menschen, die mit geringen Symptomen erkrankt sind und unwissentlich die Erreger ausscheiden. Die Behörden raten deshalb, die hygienischen und lebensmittelhygienischen Maßnahmen weiterhin konsequent zu beachten.

In den Fachmedien hat derweil ein Wettrennen zur genetischen Ahnenforschung des Erregers eingesetzt. Dank der modernen Sequenziermaschinen war es drei Arbeitsgruppen in Peking, Münster und Göttingen nahezu in „Echtzeit“ gelungen, die Genome der Erreger zu sequenzieren.

Der Mikrobiologe Dag Harmsen von der Universität Münster spricht sogar vom Beginn einer neuen Ära einer „prospektiven Genom-Epidemiologie“. Künftig werde es möglich sein, während der Epidemie die genetische Herkunft der Krankheitserreger zu ermitteln. 

Über die Herkunft von EHEC O104:H4 sind sich die Forscher allerdings noch nicht einig. Sicher ist zwar, dass der Erreger wesentliche Eigenschaften von sogenananten enteroaggregative E. coli (EAEC) übernommen hat. wie die Göttinger Forscher kürzlich in Archives of Microbiology (2011; doi: 10.1007/s00203-011-0725-6) betonten.

Es gibt jedoch wesentliche Unterschiede zu zwei möglichen Vorläufern, die 2001 in Deutschland und später in Zentralafrika isoliert wurden. Die Münsteraner Arbeitsgruppe vermutet jetzt in PLoS ONE (2911; 6: e22751) dass es einen weiteren noch unbekannten Vorläuferstamm gegeben haben muss. © rme/aerzteblatt.de

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