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Fragliche Kosten-Effektivität der MS-Therapie

Donnerstag, 21. Juli 2011

Rochester – Die hohen Medikamentenkosten stellen die Kosten-Effektivität der krankheitsmodifizierenden Therapie bei der multiplen Sklerose infrage. Dies kam in einer Analyse in Neurology (2011; doi: WNL.0b013e3182270402) heraus.

Die hohen Medikamentenpreise sind den US-Neurologen seit langem ein Dorn im Auge. Für die Behandlung mit Interferonen zahlen die Patienten in den USA mehr als 30.000 US-Dollar. In Europa seien die Preise um bis zu zwei Drittel günstiger, schreibt Katia Noyes von der Universität in Rochester (was allerdings auf Deutschland nicht unbedingt zutreffen dürfte).

Die Epidemiologin hat eine Kosten-Nutzen-Berechnung auf der Basis der Sonya Slifka Longitudinal MS Study durchgeführt. Die Studie ist eine Initiative der US-National Multiple Sclerosis Society. Mehrere tausend MS-Patienten werden monatlich nach ihrem Befinden befragt. Noyes hat die Angaben zur Therapie und dem Auftreten von Schüben in Beziehung gesetzt.

Ihre Kosten-Nutzen-Berechnung kommt auch auf exorbitante Werte. Ein qualitätskorrigiertes Lebensjahr (quality-adjusted life-year, QALY) schlägt demnach mit mehr als 800.000 US-Dollar zu Buche. Das ist weitaus mehr, als derzeit als akzeptabel angesehen wird.

Das britische National Institute for Health and Clinical Excellence (NICE) legt den Schwellenwert zwischen 20.000 und 30.000 britischen Pfund pro QALY fest, was auch beim derzeitigen Umrechnungskurs weniger als ein Zehntel der QALY für die MS-Therapie ist.

Die hohen QALY-Werte erklären sich nicht nur durch die hohen Kosten der Therapie, sondern auch aus der eingeschränkten Effektivität. So gewannen MS-Patienten unter der Therapie mit Interferon beta-1a während der zehnjährigen Beobachtungsphase gerade einmal 2 Monate an QALY.

Patienten, die mit Interferon beta-1b behandelt wurden, waren in sechs von zehn Jahren ohne Schübe, doch auch Patienten ohne krankheitsmodifizierende Behandlung waren in fünf von zehn Jahren ohne Schübe. Diese Berechnungen lassen allerdings außer Acht, dass die Vermeidung von Schüben nicht das einzige Ziel der Therapie ist.

Die Behandlung soll langfristig das Fortschreiten der Lähmungen und den Tod der Patienten hinausschieben. Die Kosten-Effektivität könnte sich demnach bei weiteren Analysen noch verbessern. Dennoch ist nicht zu bezweifeln, dass eine Senkung der Medikamentenpreise die Kosten-Effektivität auf ein erträgliches Maß senken könnte, wie Noyes fordert. © rme/aerzteblatt.de

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