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Kranken­hausreport: Rehos­pitalisierungs­raten bei psychischen Erkrankungen zu hoch

Dienstag, 26. Juli 2011

Berlin – Der seit den 1990er Jahren anhaltende Trend zu einer Verkürzung der Kranken­haus­aufenthalte setzte sich auch im Jahr 2010 fort. Wie aus dem Kranken­haus­report 2011 der Barmer GEK hervorgeht, blieben Patienten im vergangenen Jahr durch­schnittlich  8,3 Tage im Krankenhaus – 1992 waren es noch 13 Tage. Ungebrochen ist auch der Anstieg der Fallzahlen, die 2010 von 186 auf 187 je 1.000 Versicherte zunahm.

Einer der Hauptgründe für die Abnahme der Verweildauer im Krankenhaus sei der Rückgang von Herz-Kreis­lauf-Erkran­kungen von 380 Behandlungstagen je 1.000 Versicherte im Jahr 1990 auf 216 Behand­lungstage im vergangenen Jahr, sagte eine der Autorinnen des Kranken­hausreports, Eva Maria Bitzer vom Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitssystemforschung heute in Berlin.

Im selben Zeitraum sei jedoch die Zahl der Behandlungstage infolge einer psychischen Störung von 175 je 1.000 Versicherte auf 276 angestiegen. Die Hauptursache dafür sei die Zunahme der Betroffenen von 3,7 auf 8,53 je 1.000 Versicherte. „Die gleichen Patienten wurden also nicht häufiger behandelt, sondern die Anzahl der Erkrankten hat sich erhöht“, so Bitzer. 

Zwei Jahre nach einer Entlassung aus dem stationären Bereich lag die Rehospitalisierungsrate bei 30 Prozent. Auffällig sei der verhältnismäßig hohe Anteil an kurzfristig erfolgten Wiedereinweisungen, erklärte Bitzer. So seien 15 Prozent der Erkrankten innerhalb von 91 Tagen und zehn Prozent innerhalb von 30 Tagen erneut wegen derselben Diagnose ins Krankenhaus eingewiesen worden. „Das muss man als Versagen der ambulanten Versorgung interpretieren“, sagte Bitzer.

Die Wiedereinweisungsrate sei seit den letzten zehn Jahren zudem relativ stabil geblieben, sie hänge auch nicht vom Geschlecht oder Alter der Patienten ab. „Man muss jedoch auch konstatieren, dass es sich bei den psychischen Erkrankungen um schwere Krankheiten handelt, die eine hohe Wahrscheinlichkeit haben, wieder aufzutreten“, so Bitzer. 

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Angesichts der Ergebnisse des Krankenhausreports forderte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Barmer GEK, Rolf-Ulrich Schlenker, eine bessere Vernetzung der Sektoren auch bei psychischen Erkrankungen. Dabei müsse insbesondere das Entlassmanagement verbessert und schnell eine ausreichende Anzahl ambulanter Behandlungsplätze zur Verfügung gestellt werden. 

Im Durchschnitt dauere es drei Monate bis zu einem Erstgespräch und weitere drei Monate, bis Patienten einen festen Therapieplatz erhielten. Das sei eindeutig zu lang. Einfach die Kapazitäten aufzustocken, sei jedoch nicht der richtige Weg. „Wir brauchen eine andere Aufteilung der Kapazitäten“, forderte Schlenker.

„Zum Beispiel muss bei einer genehmigten Therapie nicht immer das Zeitkontingent von 80 Stunden voll ausgenutzt werden.“ 45 Stunden könnten bereits ausreichen. Auch müsse es nicht immer eine Einzeltherapie sein. Mit Gruppentherapien ließen sich bei einer besseren Ausnutzung der Kapazitäten zum Teil bessere Erfolge erzielen. 

„Wir machen derzeit gute Erfahrungen mit Modellprojekten zu regionalen Psychiatriebudgets und psychiatrischen Institutsambulanzen“, erklärte Schlenker. Dabei versorgten Krankenhäuser ihre Patienten nach Abschluss einer stationären Behandlung teilstationär oder ambulant in den psychiatrischen Institutsambulanzen (PIA) weiter.

Bei den für 2013 geplanten Entgeltsystemen für die Psychiatrie sei es wichtig, nicht den stationären Bereich isoliert zu betrachten, sondern auch den teilstationären Bereich zu berücksichtigen. So müssten auch die PIA bei den Entgelten berücksichtigt werden. © fos/aerzteblatt.de

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borgmann4
am Donnerstag, 28. Juli 2011, 08:22

Ziele?

Eine Maßnahme, um medizinische und therapeutische Maßnahmen effektiver zu machen, ist die verbindliche Einführung der Intervention auf der Evidenzstufe 4b.

Das klingt zunächst sehr theoretisch, ist aber letztendlich ganz einfach, jedenfalls einfach zu strukturieren. Die inhaltliche Umsetzung ist durchaus anspruchsvoll und erfordert ein grundsätzliches Umdenken.

Dabei sind die Grundlage des Behandlungsprozesses fortlaufende Hypothesen, die als operante, also praktisch erreichbare Ziele formuliert werden. Danach werden Maßnahmen auf den verschiedenen Ebenen verbindlich festgelegt und dabei alle Beteiligten nach Möglichkeit eingebunden (Patienten, Angehörige, Arbeitgeber, medizinisch-therapeutisches Personal, Sozialdienst...). Regelmässig wird dabei überprüft inwieweit klar sichtbare Fortschritte erzielt wurden. Formuliert man das Ganze in der Sprache der ICF wird es auch verständlicher bzw. niemandem wird es mehr so leicht gelingen, seine Überforderung oder qualitativ fragwürdige Herangehensweise hinter "Fachchinesich" zu verbergen.
Zudem: das therapeutische Team hat die Möglichkeit Kontextfaktoren zu berücksichtigen und z.B. bei mangelhafter Compliance des Patienten, bzw. seiner Umgebung eine klare Rückmeldung zu geben oder falls Nebendiagnosen gefunden werden, eine Abklärung zu veranlassen, bevor die Intervention fortgesetzt wird.
Alle Leistungserbringer können sich so einfacher und besser abstimmen und auch voneinander lernen.

Eigentlich sind alle Leistungserbringer, die Geld aus dem SGB V erhalten schon lange verpflichtet, "zweckmässig" zu arbeiten, d.h. dafür zu sorgen, dass ihre Arbeit überprüfbar ist.

Auf diese Weise würde sich auch im ambulanten Bereich die Spreu schnell vom Weizen trennen. Therapeuten und Ärzte, die ihre Maßnahmen mit der "Verbesserung von ...." begründen ohne klare Ziele zu vereinbaren, Maßnahmen zu beschreiben und Erfolge überprüfbar zu machen, dürften schon jetzt rein formal keine Gelder mehr erhalten bzw. müssten sie zurückzahlen.

Nur: das wird bisher alles nicht konsequent umgesetzt.

Wer allerdings evident arbeitet - und das sind im Rehabereich oder in der Behandlung von Patienten mit Diabetes Typ I schon einige Leistungserbringer - wird nie wieder in die alten Muster zurückkehren.

Aber: dass so vehement am traditionellen Vorgehen festgehalten wird, muß ja Gründe haben.

Alle Beteiligten tun gut daran, hier sehr ehrlich zu sein. Auch die Kostenträger. Und die Pharmaindustrie.

Sonst überrollt uns das Ganze irgendwann. Jetzt haben wir noch die Chance, die Weichen zu stellen.

Angelika Oetken, Berlin, Ergotherapeutin

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