Cave: Serotonin-Syndrom bei Komedikation mit Linezolid oder Methylenblau
Mittwoch, 27. Juli 2011
Rockville/Maryland – Das Reserveantibiotikum Linezolid (Zyvoxid®) erhöht im Gehirn die Konzentration von Serotonin. Dies kann bei der gleichzeitigen Verordnung einer Reihe von serotinergen Medikamenten zu einem lebensgefährlichen Serotonin-Syndrom führen, berichtet die US-Arzneibehörde FDA. Eine ähnliche Warnung wurde für den Farbstoff Methylenblau ausgesprochen.
Linezolid ist ein Reserveantibiotikum zur Behandlung von Methicillin-resistentem Staphylococcus aureus (MRSA) und Vancomycin-resistentem Enterococcus faecium (VRE). Methylenblau wird zur Behandlung von Methämoglobinämie, vasoplegischem Syndrom (Blutdruckabfall bei Operationen, die nicht auf Katecholamine ansprechen), Ifosfamid-induzierter Enzephalopathie und Zyanidvergiftung eingesetzt.
Beide Wirkstoffe sind reversible Inhibitoren am Enzym Monoaminoxidase (MAO). Die genauen Zusammenhänge sind laut FDA zwar nicht bekannt. Da aber Monoaminoxidase A im Gehirn Serotonin abbaut, führt die Blockade dieses Enzyms prinzipiell zu einem Anstieg von Serotonin.
Wenn die Patienten gleichzeitig mit serotinergen Medikamenten behandelt werden, kann dies ein Serotonin-Sydrom zur Folge haben. Es äußert sich in mentalen Veränderungen (Verwirrung, Hyperaktivität, Gedächtnisstörungen), Muskelzucken, starkem Schwitzen, Frösteln oder Schütteln, Diarrhö, Koordinationsstörungen und/oder Fieber.
Das Serotonin-Syndrom ist lebensgefährlich. Der FDA ist ein Fall mit tödlichem Ausgang bei der gleichzeitigen Therapie mit Linezolid bekannt. Auch zur Komedikation mit Methylenblau sind Zwischenfälle dokumentiert.
Die FDA rät deshalb generell von einer Komedikation ab. Im Einzelfall müssten Vorteile und Risiken sorgfältig gegeneinander abgewogen werden. Betroffen sind Antidepressiva auf der Gruppe der Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) und der Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI) sowie MAO-Hemmer und einige andere Wirkstoffe, die die FDA auflistet.
© rme/aerzteblatt.de
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