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Geringer Einfluss der Mammo­graphie auf die Brust­krebs­sterblichkeit

Freitag, 29. Juli 2011

Lyon – In den meisten Ländern ist die Sterblichkeit am Mamma­karzinom gesunken. Dies ist einer Untersuchung im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2011; 343: d4411) zufolge allerdings, wenn überhaupt, nur zu einem geringen Anteil der Einführung der Mammo­graphie zu verdanken.

Die adjuvante Chemo­therapie und die Strahlentherapie haben bewirkt, dass die Behand­lungschancen im Frühstadium des Mamma­karzinom heute sehr gut sind. Auch Frauen, die nicht am Screening teil­nehmen, haben gute Über­lebens­chancen, wenn der Tumor frühzeitig entdeckt wird.

Um den Anteil der Mammographie am Rückgang der Sterblichkeit zu untersuchen, stellten Philippe Autier vom International Prevention Research Institute in Lyon und Mitarbeiter die Entwicklung der Brustkrebssterblichkeit in drei Paaren von Ländern mit vergleichbaren Gesundheitssystemen gegenüber.

Jeweils eines der Länder hatte die Mammographie um zehn bis 15 Jahre früher eingeführt als das andere. Nach den Erfahrungen der Früherkennung auf das Zervixkarzinom hätte sich in diesem Intervall ein Vorteil für das Land zeigen müssen, dass die Mammographie früher eingeführt hat. Dies war allerdings nicht der Fall, wie Autier anhand der Mortalitätsdaten der WHO aufzeigt.

Eines der untersuchten Länderpaare waren Nordirland und die Republik Irland. Nordirland hatte das Mammographie-Screening 1990 eingeführt, Irland erst 2000. Die Brustkrebssterblichkeit fiel zwischen 1989 und 2006 in Nordirland um 29 Prozent, in Irland um 26 Prozent.

Das zweite Länderpaar sind die Niederlande und Belgien. In den Niederlanden wird die Mammographie seit 1989 angeboten, in Belgien erst seit 2001. Der Rückgang der Brustkrebssterblichkeit betrug 25 Prozent in den Niederlanden und 20 Prozent in Belgien. Im Landesteil Flandern, wo die Mammographie gut aufgenommen wurde, ging die Brustkrebssterblichkeit um 25 Prozent zurück.

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Das dritte Länderpaar sind Schweden und Norwegen. Schweden begann 1986 mit dem Mammographie-Screening, das bis 1990 auf alle Landesteile ausgedehnt wurde. Dennoch war der Rückgang der Brustkrebssterblichkeit mit 16,0 Prozent geringer als in Norwegen, das 1996 mit dem Screening begann und erst 2005 eine landesweite Ausdehnung erreichte. Die Brustkrebssterblichkeit sank um 24,1 Prozent.

Gegen einen bedeutenden Einfluss des Mammographie-Screenings spricht aus Sicht von Autier auch, dass der Rückgang der Brustkrebssterblichkeit in den meisten Länder vor Einführung des Mammographie-Screenings einsetzte und am größten in der Gruppe der 40 bis 49-Jährigen war, die nicht in allen Ländern in das Screening einbezogen wurden. © rme/aerzteblatt.de

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dr.med.thomas.g.schaetzler
am Freitag, 29. Juli 2011, 23:34

Klar wie Kloßbrühe?

Zuerst die gute Nachricht: In allen untersuchten Ländern Europas ist die Sterblichkeit bei Brustkrebs dank der modernen adjuvanten und stadiengerecht geplanten Therapiestrategien g e s u n k e n ! Verlassen sind die seit den 60iger bis Ende der 80iger Jahre des letzten Jahrhunderts durchgeführten, verstümmelnden und sinnlosen Radikaloperationen nach Rotter-Hallstedt.

Aber was hat das mit Prävention, Vorsorgeuntersuchungen und Mammographie-Screening von ärztlicher Seite bzw. Selbstuntersuchungsempfehlungen für Patientinnen zu tun? Wie sollen dadurch statistisch erfassbar Morbidität u n d Mortalität beeinflusst werden?

Die Autorengruppe um Philippe Autier vom International Prevention Research Institute in Lyon beantwortet dies selbst, in dem sie auf therapeutische Fortschritte und Behandlungsinnovationen hinweisen. Was soll die Aufregung, dass Präventivdiagnostik nicht unmittelbar auf therapeutische Ergebnisqualität und harte Endpunktdaten durchschlägt?

Dabei ist es eigentlich klar wie eine Kloßbrühe: Prävention und Frühdiagnostik bringen, wenn sie denn effizient sind, eine V o r verlegung der Morbiditätserkenntnis, in dem sich unter optimalen Bedingungen die Inzidenz der Prävalenz annähert. Unterm Strich kommen m e h r Indexerkrankungen in f r ü h e r e n Stadien heraus als inkurable Spätstadien. Dies hat zuvorderst mit Gesundheitsbewusstsein, Öffentlicher Meinung, Medienkultur, Leit- und Vorbildern aus der Musik- bzw. Filmszene zu tun. Die Mortalität ist n i c h t der Prävention immanent sondern k r a n k h e i t s i m m a n e n t und vom Staging, Grading bzw. dem Grad und Ausmaß therapeutischer Interventionen abhängig.

Und, nur um zu beweisen, dass die Autoren im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2011; 343: d4411) die Klöße in ihrer Brühe nicht sehen wollen: Die Mortalitätsabsenkung in Nordirland um 29 Prozent und in Irland um 26 Prozent entspricht einer relativen Risikoreduktion (RRr) von gut z e h n Prozent.

Der Ländervergleich Schweden/Norwegen hinkt: Auf Grund öffentlicher Meinungsbildung und Emanzipation ist in diesen Ländern der Trend zur Selbstuntersuchung und zur gezielt indizierten Mammografie seit Mitte der 80iger Jahre hoch entwickelt. Die krassen Unterschiede in der Mortalitätsreduktion von 24,1 % (Norwegen) vs. 16,0 % (Schweden) stellen eine RRr von 33 Prozent dar! Das ist ganz sicher nicht durch Primärdiagnostik mit/ohne Prävention zu erklären, sondern nur durch Unterschiede im therapeutischen Procedere bzw. in der Morbidität selbst. Wenn diese WHO-Zahlen überhaupt stimmen?

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

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