Medizin

Tierexperimente: Bio-Bandscheiben halten besser

Dienstag, 2. August 2011

Ithaca/New York – US-Forscher haben synthetische Bandscheiben mit lebenden Zellen besiedelt. In ersten Experimenten in den Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS 2011, doi: 10.1073/pnas.1107094108) waren sie den künstlichen Bandscheiben, wie sie auch bei Menschen verwendet werden, überlegen.

Die menschliche Bandscheibe ist kein totes Gewebe. Das Kollagen des äußeren Anulus fibrosus wird ebenso wie die gallertige Nucleus pulposus von Zellen gebildet und vermutlich im Verlauf des Lebens erneuert.

Dadurch kann sich die Bandscheibe den Veränderungen der Wirbelkörper anpassen, deren Zwischenräume sie ausfüllen. Ein lebendes Implantat müsste nach Ansicht von Larry Bonassar von der Cornell University in Ithaca und Mitarbeitern eigentlich den derzeit verfügbaren künstlichen Bandscheiben überlegen sein.

Die Forscher begnügten sich deshalb nicht mit dem Nachbau einer biologischen Bandscheibe: Ihre Prothese, ein fester äußerer Ring aus Kollagenfasern und ein Gelkern aus Alginat, wurde in einem zweiten Schritt mit Zellen von Versuchstiere besiedelt. Sie könnten von den Patienten kommen, denen die Bio-Bandscheibe implantiert werden soll.

Die „lebende Bandscheibe“ hat nach Ansicht des Neurochirurgen Roger Härtl vom Weill Cornell Medical College in New York den Vorteil, dass sie sich nach der Operation aktiv in den Zwischenraum einpasst und die Lücken, die eine künstliche Prothese lassen würde, selbständig ausfüllt.

Erste Experimente an Ratten zeigen laut Härtl, dass die Bio-Bandscheibe eine natürliche Bewegung der Wirbelsäule erlaubt und ihr dabei genügend Stabilität verleiht. Die Höhe der Zwischenwirbel bleibe zu 80 bis 90 Prozent erhalten, so der Forscher. Er habe sogar den Eindruck, dass sich die Funktion der Bandscheibe im Verlauf der Zeit noch verbessere.

Die Wirbelsäule der Ratte muss allerdings vergleichsweise geringen Belastungen standhalten. Im nächsten Schritt wollen die Forscher die Versuche an größeren Tieren wiederholen. Von deren Ergebnissen wird abhängen, ob eine klinische Studie sinnvoll ist. © rme/aerzteblatt.de

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