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Kaffee könnte Frucht­bar­keit bei Frauen beein­trächtigen

Mittwoch, 10. August 2011

Reno – Das im Kaffee enthaltene Koffein senkt die Muskelaktivität im Eileiter und könnte damit die weibliche Fertilität reduzieren. Darauf weisen Experimente an Mäusen hin, die Wissenschaftler der University of Nevada School of Medicine durchgeführt haben. Ihre Ergebnisse publizierten die Autoren im British Journal of Pharmacology (doi: 10.1111/j.1476-5381.2011.01266.x).

Bei einer erfolgreichen Schwangerschaft erfolgt der Transport der Eizelle nicht nur über einen in Richtung Gebärmutter gerichteten Flüssigkeitsstrom, sondern ebenfalls über Muskelkontraktionen. Obwohl der Einfluss von Zilien in der Eileiterwand für den Transport wichtig ist, spielen die Muskelzellen offenbar ebenfalls eine bedeutsame Rolle.

Das Forscherteam unter der Leitung von Sean Ward untersuchte Muskelpräparate von mehreren Eileitern ihrer Labormäuse mittels isometrischer Kraftmessungen und intrazellulärer Mikroelektroden. Dabei fanden sie heraus, dass das Koffein die Aktivität spezialisierter Schrittmacherzellen in der Muskelwand der Eileiter senkt.

Diese Schrittmacherzellen sind für die muskuläre Funktion des Eileiters entscheidend und tragen nach Einschätzungen der Wissenschaftler sogar mehr zu seiner Funktion als Transportorgan bei als die Zilien in der Innenwand des Organs.

Diese Ergebnisse könnten eine Erklärung dafür bieten, warum es bei Frauen mit hohem Kaffeekonsum erst sehr viel später als erwartet zu einer Schwangerschaft kommt, resümiert Ward.

Doch nicht nur für die Schwangerschaftsberatung bieten die Erkenntnisse nach Auffassung der Gruppe klinisch relevante Therapieansätze. Denn je mehr man nun verstehe, wie der Eileiter funktioniere, desto besser könnten Ärzte auch Entzündungen, sexuell übertragene Krankheiten oder andere Pathologien in diesem Organbereich beurteilen. © hil/aerzteblatt.de

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thomasgraz
am Freitag, 12. August 2011, 11:55

Wie interpretiert man experimentelle Studien?

Wie interpretiret man experimentelle Studien? Bitte nicht so unkritisch!

Wie schon von einem früheren Kommentator bemerkt, handelt es sich bei der zitierten Studie um eine Untersuchung an Mäusen, bzw. noch genauer um eine solche an Eileitern, die Mäusen entnommen wurden (also in vitro).

Man sollte man sich die Daten genau anschauen, um zu beurteilen, ob dies eine Relevanz für den Menschen hat: also...

Eine Beeinflussung der Aktivität der Schrittmacherzellen fand sich in der in-vitro-Studie bei Koffeinkonzentrationen von so etwa 100 µmol/L aufwärts, eine Verminderung der Myosalpinx-Kontraktionen selbst erst bei Konzentrationen ab etwa 100-300 µmol/L. Eine vollständige Unterdrückung der Aktivität trat erst bei noch höheren Konzentrationenauf (etwa 1000 µmol/L).

Was bedeutet das aber für den Menschen? Schauen wir uns Studien am Menschen an:

Die Verabreichung von 250 mg Koffein oral (das entspricht in etwa 3,5 Tassen Kaffee, und zwar auf einmal getrunken!) führt zu Plasmakonzentrationen, die Spitzenwerte (Cmax) von etwa 20 µmol/L erreichen (Seng et al.: Biopharm. Drug Dispos., 2010;31:316-330). Diese maximalen Plasmaspiegel nehmen aber mit einer Halbwertszeit von 4-6 h ab (Seng et al.:op.cit. bzw. Lelo et al.: Br. J. Clin. Pharmacol., 1986;22:177-182). Das apparente Verteilungvolumen von nicht gebundenem, d.h. freien Koffein beträgt etwa 1 L/kg (Lelo et al.: op.cit.), also sind Gewebekonzentationen zu erwarten, die nicht viel höher als die Plasmakonzentration sein dürften.

Die realistischerweise zu erwartenden Gewebekonzentrationen von Koffein, selbst bei regelmäßigem Koffeingenuss, sind also m.E. doch deutlich niedriger als die Konzentrationen, die in der gegenständlichen in-vitro-Studie eine Wirkung gezeigt haben.

Relevanz also für die klinische Praxis? Bitte selber überlegen...
polmu
am Donnerstag, 11. August 2011, 21:40

Viel fehlt nicht mehr,

dann stehn wir hier auf dem Niveau jener ebenfalls bildreichen Zeitung. Ich frag mich zudem, ist es wirklich das Coffein. Kann`s nicht auch einer der 100 anderen Inhaltsstoffe von frisch gebrühtem Kaffee sein? Aber vielleicht stimmt es ja, und, um auf meinen Vorredner zurückzukommen, sind Mäuse deshalb so vermehrungsfreudig, weil sie keinen frisch gebrühten Kaffee trinken? KÖNNTE doch sein. An wissenschaftlichem Ernst steht meine Feststellung jedenalls der jener Studie nicht nach.

dr.med.thomas.g.schaetzler
am Donnerstag, 11. August 2011, 14:43

Was nicht passt, wird passend gemacht!

Wie schön, in aerzteblatt.de home steht: "Das im Kaffee enthaltene Koffein senkt die Muskelaktivität im Eileiter und könnte damit die weibliche I n- fertilität reduzieren". Im Artikel steht dann "... könnte damit die weibliche F e r t i l i t ä t reduzieren".

Die Haare zu Berge stehen lässt einen allerdings, das ein Keyword "Mouse" oder "Mice" im Abstract der BJP-Veröffentlichung schlicht n i c h t existiert.
doi: 10.1111/j.1476-5381.2011.01266.x

Erst im zweiten Absatz der Originalarbeit wird verschämt auf die Gattung Maus als Studienobjekt hingewiesen. Und nicht, ohne in der Einleitung auf Studienergebnisse mit frisch gebrühtem Kaffee ("caffeine content of brewed coffee is 56–100 mg") hinzuweisen.

Ich stelle mir dabei lebhaft vor, wie Millionen, ach was red' ich, Milliarden von Mäusefrauen weltweit morgens ihre Kaffeemaschinen anwerfen, um in Ermangelung wirksamerer oraler Kontrazeption wenigstens durch forcierten Kaffeegenuss ihre überbordende Fertilität zu bändigen.

Aber was haben eigentlich in den Wüsten von Nevada "Muskelpräparate von mehreren Eileitern ihrer Labormäuse" mit der menschlichen Reproduktionsmedizin zu tun, wo die Geburtenraten u n abhängig von Koffein-Konsumgewohnheiten und nicht mal in den Kaffeeanbaugebieten verändert sind. Hat das vielleicht eher mit psychosozialen, sozioökonomischen und demografischen Faktoren zu tun?

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

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