Wie interpretiret man experimentelle Studien? Bitte nicht so unkritisch!
Wie schon von einem früheren Kommentator bemerkt, handelt es sich bei der zitierten Studie um eine Untersuchung an Mäusen, bzw. noch genauer um eine solche an Eileitern, die Mäusen entnommen wurden (also in vitro).
Man sollte man sich die Daten genau anschauen, um zu beurteilen, ob dies eine Relevanz für den Menschen hat: also...
Eine Beeinflussung der Aktivität der Schrittmacherzellen fand sich in der in-vitro-Studie bei Koffeinkonzentrationen von so etwa 100 µmol/L aufwärts, eine Verminderung der Myosalpinx-Kontraktionen selbst erst bei Konzentrationen ab etwa 100-300 µmol/L. Eine vollständige Unterdrückung der Aktivität trat erst bei noch höheren Konzentrationenauf (etwa 1000 µmol/L).
Was bedeutet das aber für den Menschen? Schauen wir uns Studien am Menschen an:
Die Verabreichung von 250 mg Koffein oral (das entspricht in etwa 3,5 Tassen Kaffee, und zwar auf einmal getrunken!) führt zu Plasmakonzentrationen, die Spitzenwerte (Cmax) von etwa 20 µmol/L erreichen (Seng et al.: Biopharm. Drug Dispos., 2010;31:316-330). Diese maximalen Plasmaspiegel nehmen aber mit einer Halbwertszeit von 4-6 h ab (Seng et al.:op.cit. bzw. Lelo et al.: Br. J. Clin. Pharmacol., 1986;22:177-182). Das apparente Verteilungvolumen von nicht gebundenem, d.h. freien Koffein beträgt etwa 1 L/kg (Lelo et al.: op.cit.), also sind Gewebekonzentationen zu erwarten, die nicht viel höher als die Plasmakonzentration sein dürften.
Die realistischerweise zu erwartenden Gewebekonzentrationen von Koffein, selbst bei regelmäßigem Koffeingenuss, sind also m.E. doch deutlich niedriger als die Konzentrationen, die in der gegenständlichen in-vitro-Studie eine Wirkung gezeigt haben.
Relevanz also für die klinische Praxis? Bitte selber überlegen...


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