Rauchen erklärt die Hälfte aller Blasenkrebserkrankungen
Mittwoch, 17. August 2011
dpa
Bethesda – Tabakrauch ist der wichtigste Risikofaktor für Krebserkrankungen der Harnblase. Obwohl der Anteil der Raucher in den letzten Jahrzehnten zurückgegangen ist, sind die Erkrankungszahlen konstant geblieben. Epidemiologen führen dies im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2011; 306: 737-745) auf die veränderte Zusammensetzung der Zigaretten zurück.
Zwar sei der Teer- und Nikotingehalt von Zigaretten heute geringer als vor drei Jahrzehnten, schreiben Neal Freedman vom US-National Cancer Institute in Bethesda und Mitarbeiter. Der Gehalt einiger Karzinogene wie beta-Napthylamin, die speziell die Bildung von Blasenkrebs fördern, habe aber zugenommen. Anders sei nicht zu erklären, warum die Inzidenz von Blasenkrebs nicht zurückgegangen ist.
Denn Rauchen ist laut der jüngsten Analyse bei Männern für 50 Prozent und bei Frauen für 52 Prozent aller Blasenkrebserkrankungen verantwortlich. Bei Männern war der hohe Anteil bekannt. Bei Frauen hatten frühere Untersuchungen das attributable Risiko (PAR) nur auf 20 bis 30 Prozent geschätzt. Die Erklärung für den Anstieg sieht Freedman in der höheren Rate von aktiven und ehemaligen Raucherinnen.
Rauchen erhöht in beiden Geschlechtern das Blasenkrebsrisiko. Für aktive Raucher errechnet Freedman ein 4-fach erhöhtes Risiko, für ehemalige Raucher war es um den Faktor 2,2 erhöht. Es war auch zehn Jahre nach der letzten Zigarette noch messbar. Die Berechnungen basieren auf einer Analyse der Diet and Health Study. Es handelt sich um eine repräsentative Stichprobe von mehr als 350.000 pensionierten US-Amerikanern, die 1995 ausführlich nach ihren Lebensgewohnheiten befragt worden waren.
Elf Jahre später wurden die Senioren erneut befragt: 3.896 Männer und 627 Frauen waren in der Zwischenzeit an Blasenkrebs erkrankt. Das ergibt eine Inzidenz von 144,0/100.000 Personenjahre bei Männern und 34,5/100.000 Personenjahre bei Frauen. Warum Männer häufiger als Frauen erkranken, obwohl sich die Rauchgewohnheiten angeglichen haben, ist unklar.
Neben geschlechtsspezifischen Faktoren könnte nach Ansicht von Freedman auch eine vermehrte berufliche Exposition von Männern eine Rolle spielen. Gefährdet sind laut Freedman Beschäftigte in der Chemieindustrie (aromatische Amine), in der Lederverarbeitung, Maler, LKW-Fahrer, Maschinisten und Aluminiumarbeiter.
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