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Hund erschnüffelt Lungenkrebs

Donnerstag, 18. August 2011

Gerlingen – Lungentumoren geben flüchtige organische Verbindungen an die Atemluft ab, die von Hunden erschnüffelt werden können. In einer prospektiven Studie im European Respiratory Journal (2011; doi: 10.1183/​09031936.00051711) erzielten vier Hunde eine beachtliche Genauigkeit. Zur Früherkennung sind Krebsspürhunde dennoch keine Option.

In der Literatur finden sich seit einiger Zeit immer wieder Berichte von Hunden, die Krebserkrankungen am Geruch erkennen können. Den Anfang machten britische Forscher, die 1989 und 1991 im Lancet über die Diagnose von Melanomen berichteten.

Die Hunde hatten ein ungewöhnliches Interesse für die Muttermale ihrer Besitzerin entwickelt, die sich dann bei einer dermatologischen Untersuchung als Melanome herausstellten. Es folgten Berichte über die Diagnose von Blasenkrebs und Darmkrebs sowie Lungentumoren.

Im Jahr 2004 folgte dann die erste „Proof of principle“-Studie im Britischen Ärzteblatt: Sechs Hunde erkannten 22 von 54 Blassentumoren am Geruch des Urins (BMJ 2004; 329: 712-7). Später berichteten US-amerikanische und polnische Forscher in Integrative Cancer Therapies (2006; 5: 30-39), ihre Hunde hätten Brust- und Lungenkrebs erkannt, letztere sogar mit einer sensationellen Sensitivität und Spezifität von 99 Prozent. Kürzlich publizierten japanische Forscher in Gut (2011; 60: 814-9). Hier erkannten die Hunde Darmkrebs mit einer Sensitivität von 91 Prozent und einer Spezifität von 99 Prozent.

Ganz so erfolgreich waren die vier Hunde, die Mediziner der Klinik Schillerhöhe in Gerlingen, einem Standort des Stuttgarter Robert-Bosch-Krankenhauses, auf das Aufspüren von Lungenkrebs trainiert hatten, nicht. Die Tiere erreichten eine Sensitivität von 71 Prozent und eine Spezifität von 93 Prozent.

Das Team um Privatdozent Thorsten Walles hatte die Tiere an Atemproben von 220 Probanden schnüffeln lassen. Darunter waren neben Lungenkrebs-Patienten und gesunden Personen auch Patienten mit einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung, was die Bedingungen möglicherweise erschwert hat. Unter den erkannten Lungenkrebsen waren nach Auskunft der Experten jedoch auch Tumoren in einem potenziell kurablen Frühstadium.

Dennoch sei man weit davon entfernt, Hunde in der klinischen Praxis zur Früherkennung einzusetzen, meint Klinikärztin Enole Boedeker, die über die Studie ihre Doktorarbeit verfasst hat. Die Haltung von Krebsspürhunden dürfte sich kaum in den klinischen Alltag integrieren lassen.

Die Entwicklung geht eher dahin, die volatilen Stoffe, die für die Krebserkrankung spezifisch sind, zu identifizieren und sie dann mittels einer Labordiagnostik („elektronische Nase“) in der Atemluft nachzuweisen. © rme/aerzteblatt.de

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